aktualisiert: 01.01.2012 16:14 Uhr
Text
Text
WÜRZBURG
Nicht an „Kleinigkeiten“ sterben
Entwicklungsprojekt der Martin-Luther-Kirche wird erfolgreich abgeschlossen
1750 Menschen leben in San Lorenzo Achiotepec im mexikanischen Bundesstaat Hidalgo. In der gesamten Umgebung sind es 15 000. Die meisten sind arm. Dass es seit November ein eigenes Krankenhaus gibt, haben die Menschen dem 35-köpfigen Arbeitskreis „Corazones para México“ der evangelischen Martin-Luther-Kirche in Würzburg zu verdanken. 60 000 Euro sammelte der in den vergangenen drei Jahren für die medizinische Ersteinrichtung.
Das Land, in dem mit Carlos Slim Helú der Mann wohnt, der die Liste aller Millionäre dieser Welt anführt, steckt voller Gegensätze. Extremer Reichtum und extreme Armut liegen hier eng beieinander. „Corazones para México“ begann Ende 2008 mit einem ersten, zeitlich begrenzten Projekt, Hilfe zur Selbsthilfe für die Allerärmsten zu leisten: Eine Klinik sollte künftig vermeiden helfen, dass die Bewohner weiter an medizinischen „Kleinigkeiten“ starben. Bisher mussten sie vier Stunden mit dem Auto fahren, um behandelt zu werden - sofern ein Auto zur Verfügung stand. Seit dem 4. November gibt es nun eine eigene Sechs-Betten-Einrichtung. Die ersten Patienten wurden bereits therapiert.
Als sich die Martin-Luther-Gemeinde vor drei Jahren entschloss, ein eigenes Projekt der Entwicklungshilfe anzupacken, wusste niemand so recht, ob dies tatsächlich gelingen würde. „Jetzt haben wir bewiesen, dass auch eine Kirchengemeinde so etwas auf die Beine bekommt“, sagt Projektkoordinator Dr. Rainer Rosenbaum. Das Beispiel soll im Dekanat Würzburg Schule machen, wünscht sich der Kirchenvorstand, der bis vor wenigen Jahren Direktor des Bevölkerungsfonds der Vereinten Nationen (UNFPA) in Mexiko und Kuba war. Deshalb sollen 2012 Veranstaltungen mit Infos über den Projektverlauf bis hin zum erfolgreichen Abschluss organisiert werden, um Nachahmer zu finden.
Rein aus medizinischer Sicht ist in San Lorenzo allerdings erst ein Anfang gemacht, denn viele Themen, zum Beispiel die Prophylaxe von Krankheiten, sind in der Region völlig unbeackert. Aktuell stehen auch noch 13 000 Euro an Spendenmitteln zur Verfügung, um ein Sahnehäubchen auf das Erfolgsprojekt zu setzen. Zwei Optionen gibt es. Zum einen wäre es möglich, von einer der näher gelegenen, größeren Kliniken ein gebrauchtes Ultraschallgerät abzukaufen. Dies käme zum Beispiel schwangeren Frauen zugute. Im Gespräch ist aber auch, die verbleibenden Spendenmittel für eine Solaranlage zur Stromerzeugung zu nutzen.
Schließlich suchen die „Martin-Lutheraner“ ein neues Projekt, denn sie wollen sich weiter engagieren in dem Land, in dem der Vulkan Colima rumort und in dem sich das „Weltwunder“ der Ruinen von Chichen Itza befindet. Nicht zuletzt durch die intensive Kooperation mit der Stiftung „Hidalgenses con el Mundo“ wurden enge freundschaftliche Bande nach Mexiko geknüpft. „Bei unserer letzten Reise anlässlich der Einweihung des Landkrankenhauses wurden wir äußerst herzlich aufgenommen“, schwärmt Rosenbaum. Der Name „Würzburg“, ergänzt Arbeitskreisleiter Max Schmid, hat in San Lorenzo heute eine hohe Bedeutung: „Bei der Einweihungsfeier fiel der Name dauernd!“
Hilfe zur Selbsthilfe
Zum Helfen, das machten sich die Mitglieder von „Corazones para México“ von Anfang an bewusst, gehört sehr viel Sensibilität. Darum gaben sie sich laut Pfarrer Niko Natzschka Leitsätze zur Orientierung: „Wir verpflichten uns zum Beispiel nicht langfristig und schaffen keine Abhängigkeiten.“ Der in den Leitlinien aufgeführte Punkt „Hilfe zur Selbsthilfe“ wird in den „Entwicklungspolitischen Kriterien“ weiter aufgefächert. „Die Zielbevölkerung identifiziert selbst ihre Bedürfnisse und bekundet ausdrücklich ihr Interesse an den Maßnahmen“, heißt es darin zum Beispiel. Wichtig ist der Gemeinde auch, dass sich die Behörden vor Ort aktiv beteiligen.
Neben dem Landkrankenhaus San Lorenzo hat „Corazones para México“ ein zweites Standbein in Mittelamerika: In Buena Vista Pachan, Bundesstaat Chiapas, hilft der Arbeitskreis, eine Dorfschreinerei aufzubauen. Dadurch soll sich die Dorfgemeinde eine Zukunftsperspektive schaffen. Die wenigen Einwohner, die vor Ort Arbeit finden, verdienen derzeit am Tag durchschnittlich 50 Pesos – umgerechnet etwa 2,80 Euro. Allein die Fahrt im Sammeltaxi in die nächstgelegene Provinzstadt zum Einkaufen kostet bereits 30 Pesos. In Buena Vista Pachan selbst gibt es keine Möglichkeit sich zu versorgen.

Wetter
















