publiziert: 25.11.2012 15:57 Uhr
aktualisiert: 27.11.2012 12:01 Uhr
» zur Übersicht Stadt Würzburg
    
    
Artikel
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG
OB: Ermutigendes Signal für zweite Spielstätte

Heftige Debatte um den Wirtschaftsplan des Mainfranken Theaters bei den Haushaltsberatungen
  • Archivfoto: Theresa Müller
    Bleibt umstritten: Ob die Frankenhalle zweite Theater-Spielstätte wird, ist auch nach den Haushaltsberatungen offen.
Bild von

Es war ein langes und zähes Ringen, ehe sich der Stadtrat am Freitagabend dazu durchringen konnte, den Wirtschaftsplan für das Mainfranken Theater zu genehmigen. Anfang November lehnte er den Plan noch ab, weil die vom Theater vorgelegten Zahlen nicht mit dem städtischen Haushaltsentwurf übereinstimmten, da das Theater in diesem Jahr voraussichtlich ein Minus von etwa einer halben Million Euro erwirtschaften wird.

Kurz vor den Haushaltsberatungen wurden die Zahlen nun angeglichen, so dass der Genehmigung des Wirtschaftsplanes eigentlich nichts im Wege zu stehen schien. Demnach erhöht sich der Theaterzuschuss im Jahr 2014 um 132 000, 2015 um 255 000 und 2016 um 380 000 Euro. Nächstes Jahr muss das Theater mit dem bisherigen Zuschuss von rund 7,5 Millionen Euro auskommen. Dem stimmte der Stadtrat am ersten Tag der Haushaltsberatungen zu, auch wenn sich 17 Stadtratsmitglieder dagegen aussprachen.

Auch aus dem Theater selbst wurden während der Haushaltsberatung Sparvorschläge vorgelegt. So sollen im nächsten Jahr 207 000 Euro gespart werden. Für 2014 sind Einsparungen von 635 000, für 2015 von 743 000 und für 2016 von 920 000 Euro vorgesehen. Denn 2015/16 wird es wieder einen Zuschuss des Bezirks Unterfranken geben.

Dass es dennoch zu einer heftigen Debatte kam, lag daran, dass zum Wirtschaftsplan auch ein Investitionsplan gehört. Und in diesem stand, dass 2014 für den Umbau der Frankenhalle vier Millionen Euro vorgesehen sind.

Das wollte FDP-Stadtrat Karl Graf, einer der schärfsten Kritiker des Frankenhallen-Projekts, nicht mittragen. Alt-Oberbürgermeister Jürgen Weber hingegen hielt die Einsparungszusagen des Theaters für unrealistisch.

Also musste eine „Goldene Brücke“ her. OB Georg Rosenthal schlug vor, den Begriff Frankenhalle zu streichen, denn es sei egal wie eine Übergangsspielstätte heiße und wo sie sich befinde. Einrichten müsste man sie so oder so.

Da witterte Graf Morgenluft. Wenn dies geschehe, gehe er davon aus, dass die Verwaltung bereit sei, sich langsam vom Projekt Frankenhalle zu entfernen. Erbost und energisch widersprach der OB diesem Gedankenspiel.

Und es gab noch einen Haken: Ohne Zustimmung zum Wirtschaftsplan für das Theater wäre der gesamte Stadthaushalt nicht genehmigungsfähig gewesen und die beschlossenen Mittel hätten dem Theater nicht zur Verfügung gestellt werden können. Also wurde schließlich das böse F-Wort Frankenhalle aus dem Investitionsplan gestrichen und der Wirtschaftsplan bei zwei Gegenstimmen angenommen.

Förderzusage aus München

Während der Beratungen ließ der OB einen fünfseitigen Brief der Regierung von Unterfranken verteilen, in dem die zuständigen Münchner Ministerien den Förderbedarf für die Theatersanierung und den Umbau der Frankenhalle als Übergangs- und spätere zweite Spielstätte anerkennen. Aus dem Kunstministerium hieß es, eine zweite Spielstätte könne durch eine erhöhte Vorstellungszahl die Wirtschaftlichkeit des Theaters erhöhen. Eine Förderung der Frankenhalle sei jedoch nur in dem Maße möglich, wie sie für kulturelle Zwecke genutzt würde: 60-prozentige Nutzung für Kultur ermöglicht 60 Prozent der Maximalsumme. Über die Höhe der Förderung könne man sich erst dann äußern, wenn die Stadt exaktere Angaben mache.

OB Rosenthal wertete die Zusage als „ermutigendes Signal“. Kulturreferent Muchtar Al Ghusain bezeichnete die Zusage als „Meilenstein“, weil damit der Bedarf einer weiteren Theater-Spielstätte anerkannt werde.

Von unserem Redaktionsmitglied Karl-Georg Rötter
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

»Alle 12 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

steve67 (1223 Kommentare) am 26.11.2012 21:47

Kopfschüttel

- Goldene Brücke wurde gebaut- welch Euphemismus für die Tatsache, dass Abermillionen Steuerzahlergeld aus dem Fenster geworfen werden....
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
dr.moeselgruber (31 Kommentare) am 26.11.2012 18:18

Die Partei ist gegen dieses Kultur

da es nur von Hoddendodden, Langhaarigen und Linken samt ihrer abartigen Phantasien und ihrer pathologischen Gleichmacherei dominiert wird, während die Brauchtumspflege, insbesondere die Volkstänze, immer mehr in den Hintergrund geraten. Daher fordert die Partei von ihrer Regierung eine sofortige Trockenlegung diese Sumpfes: Landräte hört die Signale!
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
peterlesbub (578 Kommentare) am 26.11.2012 11:52

Prinzipiell

stehe ich ohne wenn und aber zum Stadttheater, Spielplan hin oder her. Ohne Stadttheater wäre Würzburg doch um sehr viel ärmer.
Auch finde ich, das das Geld für den laufenden Betrieb gut angelegt ist. Jedoch fragt man sich schon, ob eine zweite Spielstätte, gerade bei der Vielfalt der freien Theater, unbedingt notwendig und auch solide finanzierbar ist.
Hat man schon mal daran gedacht, den Theaterbetrieb während der Umbaupause ruhen zu lassen, jedoch in dieser Zeit das Parsonal anderweitig weiterzubeschäftigen. Ich könnte mir gut vorstellen, das künstlerische Personal in dieser Zeit z.B. bei Schultheaterprojekten o.ä. einzusetzen. Auch wären Aufführungen in anderen Orten möglich, z.B. in den Hallen im Landkreis. Das setzt natürlich Abstriche in der Bühnentechnik voraus, aber was Maßbach schafft, müsste auch anderweitig möglich sein. Ich bin mir sicher, eine derartige Lösung, die durchgerechnet werden müsste, dient allen. Voraussetzung: Straffe Zeitspanne beim Theaterumbau !
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
rebnik (636 Kommentare) am 26.11.2012 22:23

keine Ersatzspielstätte - Ensemble auf Wanderschaft schicken!

Zitat von peterlesbub
das Personal anderweitig weiterzubeschäftigen. Ich könnte mir gut vorstellen, das künstlerische Personal in dieser Zeit z.B. bei Schultheaterprojekten o.ä. einzusetzen
eine gute Idee. Zunächst staffelt man die Sanierungsarbeiten so, dass das Haus möglichst bald wieder bespielbar ist. Orchester, Schauspieler, das Ballett treten währenddessen einfach anderswo auf, warum nicht in Schulen, im alten Mozartgymnasium, Veranstaltungshallen, Museen, in den Posthallen, meinetwegen in irgendner Fabrik, Residenz, Festung, Kirchen!, es gibt doch so viele Kirchen in WÜ, da ließe sich doch bestimmt was machen. Das Ensemble geht auf Tournee, gerne auch im Landkreis, dort können sie doch wunderbar Werbung für sich machen.

Das mit der Frankenhalle finde ich auch zu groß und überdimensioniert, kostet zu viel... wenn man mal mehr Mut zu Spontanität und mehr Mut zum Improvisieren hätte könnte vieles einfacher sein. Was für ein nervtötender Eiertanz um diese blöde Frankenhalle!
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
Maslow (27 Kommentare) am 26.11.2012 14:18

Theater

So oder so ähnlich wäre das gut, denn dass das Theater dringend ein Update benötigt, ist unbestreitbar. Andererseits wäre es eben auch schön, der Frankenhalle eine neue Bestimmung zu geben - muss ja kein Theater sein. Denn um langsam zu verfallen, ist die Anlage zu schade.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen. Sie können daher keine Beiträge zu diesem Artikel verfassen.
    
Anzeige

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema. »mehr
    

Ȇbersicht ePaper

Mainpost Wuerzburg
  Ausgabe:
  Main-Post Würzburg
  Datum:
  23.10.2014

    
Anzeige

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr

Prospekte

 

Beilagen