aktualisiert: 12.11.2010 17:32 Uhr
Text
Text
WÜRZBURG
Penderecki dirigiert im Dom: 250 Studenten aus Würzburg und Krakau probten ganze Woche
Es soll, so hört man, am Freitagvormittag eine arbeitsintensive Probe gewesen sein. Tags zuvor in Würzburg eingetroffen, stand der weltberühmte polnische Komponist Krzysztof Penderecki im Dom vor über 250 Musikstudenten aus Würzburg und aus Polen am Dirigentenpult und gab der Aufführung seiner eigenen siebten Sinfonie („Seven Gates of Jerusalem – Die sieben Tore Jerusalems“) den letzten Feinschliff.
Seit Montag hatten die 250 Mitwirkenden in täglich zwei Proben das Mammutwerk einstudiert. Deshalb war, zur Verwunderung von Passanten und Touristen, der Kiliansdom seit Sonntag für Besucher geschlossen. Am diesem Samstagabend nun wird die Sinfonie um 20 Uhr im Dom aufgeführt, als einer von acht Beiträgen der Musikhochschule zur Veranstaltungsreihe „Endspiel. Würzburger Apokalypse 2010“ – organisiert vom Kunstreferat der Diözese und der katholischen Akademie Domschule. Einige wenige Karten gibt es noch an der Abendkasse. Gesungen wird im Konzert auf Lateinisch, der sechste Satz auf Hebräisch vorgetragen. Penderecki hatte das Werk zur 3000-Jahr-Feier Jerusalems 1996 geschaffen.
Es ist ein außergewöhnliches Vorhaben, in dem interkulturelle Verständigung über gemeinsame Musik gesucht – und gefunden wurde. „Die Annäherung im Orchester hat hervorragend funktioniert“, berichtet Julia Erche, Projektleiterin seitens der Musikhochschule. Jedes einzelne Pult wurde mit einem Musiker bzw. einer Musikerin aus Würzburg und aus Polen besetzt. Schon dadurch kamen schnell Kontakte zustande. Und musikalisch fand man so gut zusammen, „dass wir Proben ausfallen lassen konnten.“ So blieb Zeit für gemeinsame Unternehmungen, fürs Mittagessen in der Studentenmensa oder am Freitagnachmittag für einen Begegnungsworkshop, betreut von der Jugendbildungsstätte Unterfranken mit mehrsprachigen Referenten. Schließlich sind in den Reihen der Würzburger und der polnischen Studenten (Krakauer Musikakademie) verschiedenste Nationalitäten vertreten.
„Noch nie hat sich unsere Hochschule an ein Werk mit solchen Dimensionen gewagt“, sagte Helmut Erb, Präsident der Musikhochschule, bei einem Empfang für alle Beteiligten am Donnerstagabend im Museum am Dom. Er dankte dem Bistum: „Alleine die Tatsache, dass uns der Kiliansdom so lange zur Verfügung steht, ist eine fantastische Unterstützung“, so Erb nach Mitteilung des Pressedienstes des Ordinariats. Domkapitular Jürgen Lenssen unterstrich den Aspekt der Verständigung: „Wenn über Grenzen geblickt wird, empfangen wir Impulse, die öffnen und frei machen.“
Trotz guter Probenarbeit seien Aufregung und Vorfreude im Orchester spürbar, sagt Projektleiterin Erche. Noch am späten Samstagabend will die eine Hälfte – die Musiker aus Polen – zurück in ihre Heimat fahren. Am Sonntagmorgen folgen ihnen dann die rund 130 Studenten der Musikhochschule und Mitglieder des Monteverdichores. Am Montagabend gastiert das deutsch-polnische Orchester unter Pendereckis Leitung mit „Seven Gates of Jerusalem“ in Rzeszów, rund 180 Kilometer östlich von Krakau. Der Auftritt ist eines der Eröffnungskonzerte nach Renovierung der dortigen Konzerthalle.
Diesen Artikel
Die neuesten Kommentare
|
ulieck (5 Kommentare) am 13.11.2010 12:54
Musik kennt keine GrenzenEine tolle Sache zur Völkerverständigung! Gratulation und gutes Gelingen! |
(0)
|

Wetter
















