publiziert: 16.04.2010 14:00 Uhr
aktualisiert: 16.04.2010 17:14 Uhr
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"Platzwunde" war lebensgefährlich - Polizei entschuldigt sich

Mutter des Opfers nach Schlägerei von Polizei enttäuscht

Die Meldung in der Main-Post klang nicht besonders spektakulär: Am vergangenen Sonntag, so hieß es im Polizeibericht, hätten sich in der Pleicherschulgasse sechs junge Männer mit drei anderen geschlagen. Einer sei „durch einen Schlag ins Gesicht“ umgefallen, „mit dem Hinterkopf auf der Straße“ aufgeschlagen und in eine Klinik gebracht worden.

Was in der Pleicherschulgasse passiert ist, war aber nicht so arglos, wie es der Polizei zunächst erschien. Der 19-Jährige, der ins Krankenhaus gefahren wurde, erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

„Lukas hatte einen Schädelbasisbruch und eine Vene in seinem Kopf war verletzt“, erzählt seine Mutter Brigitte H. „Es war reines Glück, dass kein Blut in sein Gehirn gelaufen ist“. Dreieinhalb Stunden hätten die Ärzte den Schüler operiert. Heute gehe es ihm „den Umständen entsprechend“. Brigitte H. wollte, dass die Polizei erfährt, dass ihr Sohn um sein Leben kämpfen musste. „Noch am Sonntag, während der Operation, habe ich dort angerufen“, sagt sie.

Weil sie nicht ernst genommen fühlte, informierte sie die Beamten am Montag erneut über den Zustand ihres Sohnes. „Aber es wurde nicht aufgenommen.“ Die Mutter fühlte sich hilflos. „Ich hatte den Eindruck, die suchen gar nicht nach den Tätern.“

Start der Ermittlungen

Am Dienstag, zwei Tage nach der Schlägerei, bekam sie einen Anruf vom Leiter der Polizeiinspektion Würzburg Ost, Walter Ehmann. „Er entschuldigte sich“, erzählt Brigitte H., „und er versprach mir, dass die Ermittlungen jetzt beginnen und er sich persönlich darum kümmert“.

Polizeisprecher Heiko Sauer wehrt sich gegen den Vorwurf, seine Kollegen hätten die Brisanz der Schlägerei falsch eingeschätzt. „Das kann man so nicht sagen“, erklärt er im Gespräch mit der Redaktion. Für die Beamten habe es „zunächst so ausgesehen“ als habe Lukas H. „nur eine Platzwunde“. Die Schwere seiner Verletzungen sei „erst später erkannt worden“. Sauer bescheinigt seinen Kollegen, sie hätten am Tatort „vorbildlich gearbeitet“. Versäumnisse habe es nicht gegeben, die Polizei habe den Fall von Anfang an „sehr ernst genommen“. Es seien Fotos gemacht und „zahlreiche Zeugen festgestellt“ worden.

Zwei davon sind Christian und Benedikt, Freunde von Lukas H., mit denen er an diesem Abend unterwegs war. „Lukas und Christian haben aus Spaß gerangelt“, erzählt Benedikt. Plötzlich hätten sich sechs „südländische Typen“ vor den Freunden aufgebaut. „Die suchten Streit“, sagt Benedikt, „da bin ich mir ganz sicher“. Er vermutet, dass die Schläger Kampfsport-Erfahrung haben. „Sie haben ganz gezielt mit den Fäusten auf unsere Köpfe geschlagen.“ Benedikt hatte nach der Schlägerei „vier bis fünf Beulen am Kopf und eine blutige Lippe“. Es seien wuchtige Schläge gewesen, sagt er. „Ich ging zwar nicht zu Boden, war aber kurz weg getreten.“

Auch Christian war offenbar eine Weile bewusstlos. „Ich habe gesehen, wie Lukas die erste abbekommen hat“, erzählt er. Laut Benedikt hat auch er einen Faustschlag gegen den Kopf bekommen. Aber daran erinnert er sich nicht mehr. „Ich weiß, dass ich am Boden lag und zwei Mann auf mich eintraten.“

Folgeschäden nicht absehbar

Benedikt und Christian wurden am Freitag, fünf Tage nach dem Vorfall, von der Polizei vernommen. Benedikt ist zuversichtlich, dass er die Schläger auf Fotos wiedererkennen würde. Auch Christian denkt, dass er „zumindest einen“ identifizieren könnte. Bislang hat die Polizei ihnen noch keine Bilder von registrierten Straftäter gezeigt. „Das soll nächste Woche passieren“, sagt Benedikt. Lukas H. liegt noch im Krankenhaus. „Die Folgeschäden seiner Verletzungen sind noch nicht absehbar“, sagt seine Mutter.

Von unserem Redaktionsmitglied Gisela Schmidt
    
    

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»Alle 17 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

toto (623 Kommentare) am 20.04.2010 11:35

zwiebelfisch

Zu Recht aufs Maul bekommen? Es bekommt keiner "zu Recht" aufs Maul. Randale gemacht? Waren Sie dabei?
(0)
zwiebelfisch (82 Kommentare) am 18.04.2010 07:44

arme Opfer?

Eventuell haben die drei Jungen Männer doch zurecht ein paar aufs Maul bekommen. Nachts um drei Uhr Randale machen und sich jetz als arme Opfer fühlen.
(0)
adon52 (254 Kommentare) am 18.04.2010 07:03

Ärgerlich ist für mich

daß die Meldung der Mainpost offenbar auf dem Polizeibericht vom 12.04.2010 aufbaut, aber daß die die Inhalte ein unterschiedliches Bild der Tatnacht ergeben.
Wenn nachts um 3 Uhr 3 junge Männer in der Straße Radau machen und dabei von 2 Männern aufgefordert werden, aufzuhören, kann daß auch andere Gründe haben.
Da sie offensichtlich der Aufforderung nicht folgten, holten die 2 Mann Verstärkung und danach war dann wohl Ruhe.
Das ist Selbstjustiz und natürlich nicht ok.
Daß die Polizei den Fall anfangs offenbar als zwar traurige, aber leider immer wiederauftretende Tätlichkeit behandelte, kann ich auch irgendwie verstehen.
(0)
lifeexplorer (2908 Kommentare) am 17.04.2010 19:34

@ tamagotchi 17.04.2010 | 19:06 Danke für den...

Zitat "tamagotchi":

"Mit "Reflexartig" diskriminieren Sie auf subversive Art und Weise Andersdenkende. Sie sind jedenfalls kein Heiliger, so viel steht fest."

Sehen Sie, genau DAS trifft den Nagel meiner kritischen Ausführungen auf den Kopf: Ihr in nur wenigen Minuten erfolgter "Zuschlag", auf jemanden der lediglich ANMAHNT zu differernzieren. Er ist nichts leider als widerliche Beleidigungen meiner PERSON.

Genau das ist aber das VERWERFLICHE an Leuten wie Ihnen, die weder gewillt sind, einen Kommentare offensichtlich richtig zu lesen, noch zu VERSTEHEN, aber dafür umso heftiger auf alles wild feuern, was ihnen nicht passt. Und das mit wüsten Unterstellungen und pers. Diskreditierungen! traurig

Zitat: "Welche latente Deutschenfeindlichkeit muss hinter Ihrem Kommentar stecken?"

"Den Rest Ihres Kommentars kommentiere ich nicht mehr.
Zuviel Unwissen drinne. Fast scheint es, als verteidigen Sie die Täter."


Jeder Leser, kann selbst nachschauen, dass diese boshaften Unterstellungen frei erfunden sind und ich NIRGENDWO solches getan hätte. Aber Hauptsache man hat den Poster erst mal beschuldigt und diffamiert, in die Defensive gedrängt. Reicht ja schon! traurig

Mehr braucht man dazu nicht zu sagen.
Q.E.D. traurig

LE
(0)
tamagotchi (14 Kommentare) am 17.04.2010 19:06

Den Kommentar kann man so nicht stehen lassen

Der "lifeexplorer" instrumentalisiert hier diesen Fall und macht "linke" Politik auf dem Rücken der 3 Opfer. Sie sollten sich was schämen!

Zitat "lifeexplorer":
"Welche latente Ausländerfeindlichkeit muss hinter solchen Äußerung doch stecken? [traurig]"

Diesen Ball spiele ich Ihnen direkt zurück:
Welche latente Deutschenfeindlichkeit muss hinter Ihrem Kommentar stecken? [traurig]

Zitat "lifeexplorer":
"Reflexartig wird inzwischen von einer bestimmten Klientel in unserem Land unterstellt, es gäbe einen 'Ausländerbonus' bei Straftaten vor unseren Gerichten und sogar bei den Ermittlern."


Mit "Reflexartig" diskriminieren Sie auf subversive Art und Weise Andersdenkende. Sie sind jedenfalls kein Heiliger, so viel steht fest.

Wieso nennen Sie nicht die "bestimmte Klientel" beim Namen?

Zitat "lifeexplorer":
"Die Wahrheit auf unseren Straßen sieht ganz anders aus!"

Haben Sie denn begriffen, was in der Pleich vor sich gegangen ist?

Den Rest Ihres Kommentars kommentiere ich nicht mehr.
Zuviel Unwissen drinne. Fast scheint es, als verteidigen Sie die Täter.

Mein Mitgefühl und meine Genesungswünsche gelten jedenfalls den 3 Opfern.
(0)
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