publiziert: 01.02.2012 16:08 Uhr
aktualisiert: 01.02.2012 16:16 Uhr
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Probleme für Behinderten mit Umzugswünschen

Sichtlich unzufrieden mit der aktuellen Situation waren fast alle, die bei der Podiumsdiskussion „Menschenrecht Selbstbestimmt Wohnen“ der Organisation „WüSL – Selbstbestimmt Leben Würzburg“ teilnahmen. Beklagt wurde zu wenig statistisches Material, um den Bedarf an behindertengerechten Wohnungen einzuschätzen, zu wenig öffentliches Bewusstsein für die Notwendigkeit behindertengerechten Bauens und auch zu wenig staatliche Förderung, um das Ziel, barrierefreies Wohnen für alle, zu erreichen.

Angesichts des demographischen Wandels müsste es ein hohes Engagement für einen barrierefreien Umbau von Wohnungen und Häusern geben, doch stattdessen fährt die Bundesregierung das Zuschussprogramm „Altersgerecht Umbauen“ auf Null. So die Kritik von Stadtbaurat Christian Baumgart. Unbefriedigend sei weiter, dass das Thema „Barrierefreies Bauen“ auch nach Jahren der Aufklärungsarbeit in der Praxis zu wenig umgesetzt werde. Baumgart: „Wir haben in Würzburg rund 800 Baugenehmigungsverfahren im Jahr. In lediglich rund 50 Fällen lassen sich die Bauträger auf eine Beratung zum Thema Barrierefreiheit durch uns ein.“

Wunsch nach eigener Wohnung

Es gibt hier und da auch in Würzburg behindertengerechte Wohnungen in Topqualität, doch die muss man sich leisten können, so Klaus Honsel von der Seniorenvertretung: „Wer genug Geld hat, kann in Würzburg auch mit einer Beeinträchtigung gut leben. Doch welche Möglichkeiten haben Menschen, die von Hartz IV oder einem prekären Job existieren müssen?“ Eine Feststellung, der Barbara Windbergs von WüSL zustimmte: „Was barrierefrei gebaut wird, ist in vielen Fällen keine Option für Leute mit kleinem Geldbeutel.“ Dies sei denn auch der Hauptgrund dafür, dass behinderte Menschen in Heimen wohnen bleiben, obwohl sie sich nichts mehr als eigene vier Wände wünschen.

Nicht ganz unschuldig an der laut Windbergs „katastrophalen Wohnsituation“ für Menschen mit Handicap sei aber auch die öffentliche Hand. „Mir ist es unverständlich, wie nach Inkrafttreten der UN-Behindertenkonvention noch immer Institutionen gefördert werden können“, erklärte sie. Menschen, die dort lebten, hätten nur „verengte Möglichkeiten“, sich zu entfalten. Was eine Zuhörerin, deren Sohn in einem Heim lebt, bestätigte: „In diesem Heim gibt es nicht einmal für jeden Bewohner ein Einzelzimmer. Was bedeutet, dass erwachsene Menschen mit einem ihnen Fremden jahrelang ein Zimmer, eine Toilette und ein Waschbecken teilen müssen. Bis heute ist das Realität!“

Katastrophale Datenlage

Bauherren verwerfen Pläne mit behindertengerechter Gestaltung nicht zuletzt deswegen, weil das Risiko zu groß scheint, dass die Wohnungen nicht vermarktet werden können. Dass die Nachfrage so schwer einzuschätzen ist, liegt laut Hans Sartoris, Geschäftsführer der Stadtbau, an der „katastrophalen Datenlage“. Behinderte Menschen, die eine Wohnung suchen, haben keine zentrale Anlaufstelle. Weshalb ihre Anzahl nicht erfasst wird. Die eigenen Bauprojekte der Stadtbau verdeutlichten allerdings jüngst, dass die Nachfrage in der Tat „enorm“ ist.

Wohnraum, gerade auch barrierefreien, zu fördern, dafür ist in Bayern Ministerialrat Gottfried Weiß zuständig. Der hat zwei große Sorgen. Zum einen drohe das Thema „Energieeffizienz“ die Thematik des barrierefreien Bauens in den Hintergrund zu rücken. Zum anderen sei die behindertengerechte Modernisierung des Altbaubestands ein Problem. Was Hans Sartoris bestätigte: „Von unseren 5100 Wohnungen müssten wir eigentlich 1000 abreißen, wenn wir in Sachen Barrierefreiheit wirklich einen großen Schritt nach vorn kommen wollen.“

Von unserer Mitarbeiterin Pat Christ
    
    

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