aktualisiert: 21.09.2010 15:17 Uhr
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WÜRZBURG
Publikum hat einen Heidenspaß bei „4 nach 40“ im Chambinzky
Wenn der Computer abstürzt und der Fahrstuhl stecken bleibt, kann man leicht in erhebliche Turbulenzen geraten. Beide „Schreckensszenarien“ boten sich den Besuchern des Theater Chambinzky“: Der desolate Kassenrechner versagte zur absoluten Unzeit seinen Dienst, verzögerte die Kartenausgabe und strapazierte die Geduld der Wartenden. So begann die Premiere der Komödie „4 nach 40“ exakt um 25 nach 8.
Das einzige, was danach noch klemmte, war der imaginäre Fahrstuhl. Doch der gehörte zur Bühnenwirklichkeit und bot auf wenigen Quadratmetern Platz für reichlich Spaß auf den Brettern und im voll besetzten Saal.
Aus der Feder des Österreichers Fritz Schindlecker stammt diese „Posse mit Musik“. Nach der makellosen Premiere im „Chambinzky“ unter der nuancierten Regie von Martina Esser versteht man, warum dieses Stück seit fünf Jahren im Alpenland tolle Bühnenerfolge feiert: Eine im Grunde einfache Story hat der 57-jähriger Autor mit witzigen Ideen sowie überraschenden Effekten gespickt und mit einer gut verträglichen Prise Klamauk gewürzt.
Zwei Frauen und zwei Männer wollen nach oben und schaffen es nur knapp über den 40. Stock. Dann stoppt der Lift und das Quartett hängt in der Luft. Nach den ersten zaghaften gegenseitigen Tastversuchen entpuppt sich die einzige Tatsache, die die Vier verbindet. Alle haben vor kurzem das vierte Lebensjahrzehnt erreicht und sind somit im doppelten Sinne „4 über 40“.
Die Charaktere, die in dieser luftigen, aber keinesfalls lustigen Höhe aufeinander treffen, könnten unterschiedlicher kaum sein. Aus dieser Konstellation entwickelt sich ein Heidenspaß und das Publikum wird für den verschleppten Beginn mit üppiger Komödienkost mehr als entschädigt.
Als umtriebiger Wichtigtuer und jedem Selbstzweifel abholten Witzbold schiebt sich Gilbert Sedelmaier in den Vordergrund. Thorsten Rock in der Rolle dieses Viel- und Blödschwätzers beherrscht die enge Fahrgastzelle mit vehementer Beweglichkeit. Eine rasante Nervensäge, die bei dem mitgefangenen Wolfgang die Sicherungen durchbrennen lässt. „Halt doch endlich mal dein blödes Maul!“ schreit der sonst introvertierte Latein- und Musiklehrer außer sich – und keiner hört ihn! Er hat nämlich per Fingerschnipp seine Leidensgefährten in Trance versetzt. Er, wie auch die anderen, nutzt diesen Trick, um seine innersten Gefühle nur dem Publikum zu eröffnen.
Dann holt er mit dem gleichen Schnalzer die Mitspieler zurück und mimt wieder den tief zerrütteten, von den Irrungen eigener Fleischeslust in den Bankrott getriebenen Selbstmordkandidaten. Herrlich komisch wirkt Martin Hanns, wenn ihn die aufkeimende Liebe zu Petra packt und ins Leben zurückführt.
Die Angebetete gibt Monique Marten hinreißend Profil: sie lebt freudig mit der Distanzarmut der Einfältigen, ist leicht zu begeistern und hält das Klimakterium für eine drohende Umweltkatastrophe.
Elvira bringt ein anderes Kaliber zum Vorschein. Als promovierte Juristin schwelgt Monika Schiefer in herablassender Ironie und pseudointellektuellem Hochmut. Doch die coole Fassade gerät gewaltig ins Wanken, wenn sie mit ihrem vor Auffahrt abgesprungenen Ex-Verlobten abrechnet
Langer Beifall für gelungenes Spiel und reichlich Spaß.
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