aktualisiert: 13.07.2010 17:10 Uhr
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WÜRZBURG
Regisseur Bernhard Stengele inszeniert Caldéron am Kiliansplatz
Neue Chance für die Weltkugel
Eine defekte Weltkugel aus Plastik mit einem Gewicht von 145 Kilogramm regt zum Nachdenken an. Eigentlich sollte das Riesengebilde an die Fassade des Neumünsters auf dem Kiliansplatz gehängt werden, als Kulisse für Caldérons Welttheater.
Doch bei stürmischem Wind riss gleich mal die Verankerung aus der Plastikkugel. Was tun? „Wir trafen uns mit den Experten der Herstellerfirma und machten uns Gedanken dazu“, sagt Regisseur Bernhard Stengele.
Er holte noch Schauspieler in Kostümen und Masken dazu und die Mitglieder des Mainfranken Theaters spielten mit der Kugel.
Das Ergebnis ist besser als die ursprüngliche Idee, sagt Stengele. „Wir werden die Weltkugel vom Zuschauer aus rechts von der Bühne aber immer noch im Bühnenbereich am Boden fixieren.
Dort haben wir viel mehr Spielmöglichkeiten.“ Den Plastikballon können die Schauspieler nämlich in aufgeblasenem Zustand durch eine Art Reißverschluss betreten. Den Druckverlust gleicht der Ventilator aus, der in der Kugel sitzt.
Der Ballon könnte auch innen beleuchtet oder mit Rauch gefüllt werden. Stengele hat schon eine Idee: „Im Spiel ist ein ungeborenes Kind dabei, dargestellt von einer Schauspielerin.“ Die könnte beispielsweise in der Kugel sitzen, wie in einem Mutterleib.
Diözese als Auftraggeber
Die Diözese Würzburg hat die Produktion beim Mainfranken Theater bestellt, bezahlt sie auch.
Das Stück von Caldéron fügt sich nahtlos in die Reihe „Endspiel. Würzburger Apokalypse 2010“ ein, unter deren Dach sich mehr als 80 Veranstaltungen vereinen. Organisiert wird das Ganze von der katholischen Akademie Domschule.
Ein Open Air-Theater auf dem Kiliansplatz, das ist Premiere und bringt natürlich eine gewisse Spannung. „Wir können erst vier Tage vor der Premiere auf die Bühne und real proben.
Sonst beginnt diese Arbeit bei normalen Produktionen meist schon sechs Wochen vorher“, sagt Stengele. Am Montag Nacht machen die Techniker des Mainfranken Theaters Beleuchtungsproben und am Dienstag Nacht proben die Schauspieler.
Stengele: „In der Nacht deshalb, weil da nicht dauernd Passanten in die Kulisse stolpern.“ Während der zehn Aufführungen tragen die Schauspieler kleine Mikrofone, die Stimmen werden über eine Soundanlage über den Kiliansplatz transportiert.
Im Neumünster spielt der musikalische Leiter des Theaters, Ulrich Pakusch, an der Orgel live zum Stück, die Darsteller singen dazu. Pakusch wird von einer Videokamera gefilmt und auf die hintere Kirchenfassade projiziert, ein toller optischer Effekt, verspricht Stengele.
Neun Schauspieler sind bei Caldérons Welttheater dabei, alle mit fantasievollen Masken. So hat der Darsteller der Macht eine assyrische Gesichtsbedeckung, die Schönheit kommt aus dem Mittelalter. Die Aufführung dauert etwa ein dreiviertel Stunden. Die Tribüne bietet 500 Sitzplätze für Besucher.
In Caldérons Welt-Theater lässt Gott die Welt zur Bühne werden, in der die Menschen das „Spiel vom Leben“ aufführen. Den Figuren bleibt nur wenig Zeit, bevor der Tod sie von der Bühne holt.
Aufführungen: Sonntag, 18., Montag, 19., Dienstag, 20., Donnerstag, 22., Samstag, 24. und Sonntag, 25. Juli, Dienstag, 27., Donnerstag, 29., Freitag, 30. und Samstag 31. Juli, jeweils um 20.30 Uhr. Tickets gibt es im Mainfranken Theater, Im Falkenhaus bei der Tourist Information und an den bekannten Vorverkaufsstellen.
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