aktualisiert: 28.10.2010 17:07 Uhr
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REGION WÜRZBURG
Rettung für Rinder, Schweine und Katzen
Landwirt ist überfordert – Tierschützerin braucht Unterstützung
Alle Kühe haben Namen. Anna heißt die schöne, beige. Sie steht mit ihrem Kälbchen Martha auf der Weide. Martha wird nicht mit Milchaustauscher ernährt. Tag und Nacht ist sie bei ihrer Mutter, trinkt an ihrem Euter. Wer Marthas Vater ist, weiß man nicht so genau. Erich, der alte Bulle und Max, der junge, sind oft mit den Kühen zusammen. Wäre sie kein Rindvieh, könnte man sagen, dass Martha ein Kind der Liebe ist.
Und sie wird geliebt. Bauer Wilhelm K. (Name geändert) hängt an seinen Tieren. Er hat sie nicht, um Geld mit ihnen zu verdienen. Er hält sie, weil er sie mag. Alle seine Rinder. Die Schweine Pauline und Pünktchen, die aus einer Massentierhaltung gerettet wurden. Die 100 Enten, die über seinen Hof im Kreis Würzburg watscheln. Die 20 Hühner, die 15 Katzen. Die Tiere fühlen sich wohl bei Bauer K. Alle sind freundlich und kein bisschen scheu.
Es könnte alles so schön sein – wenn Bauer K. jünger wäre und wenn er ein bisschen mehr Geld hätte. Aber Bauer K. ist über 70. Seine Gesundheit ist angeschlagen, die Arbeit fällt ihm schwer. 650 Euro Rente hat er. Das ist wenig für einen Menschen. Und viel zu wenig für einen Menschen und so viele Tiere.
Bauer K. erzählt das alles nicht selbst. Er will nicht mit der Presse sprechen. Eigentlich will er gar nicht reden. „Er möchte nur seine Tiere retten“, sagt Susanne Pfeuffer vom Verein Tierrechte Aktiv. „Herr K. hat früher im Schlachthof gearbeitet. Er erträgt es nicht mehr, wenn Tiere getötet werden“.
Eine Bekannte des Bauern hat die Tierschützerin auf Herrn K. aufmerksam gemacht. „Er ist überfordert“, sagt Susanne Pfeuffer. Tag und Nacht seien die Kühe auf der Weide. Das Gras, das sie fressen, mähe der Bauer mit der Hand und trage es zu den Tieren. Und er bringe ihnen mehrmals täglich Wasser. „240 Liter in zwei Gießkannen, von denen jede zehn Liter fasst.“
Jetzt kommt der Winter und der Bauer habe es nicht geschafft, den Stall vorzubereiten. Geld für Heu habe er genau so wenig wie Kraft, die Tiere zu versorgen. „Er weiß nicht, wie es weitergehen soll“, sagt Susanne Pfeuffer.
In seiner Not bat Bauer K. das Veterinäramt um Hilfe bei der Vermittlung der Tiere. „Wir haben Kontakt zwischen ihm und dem Tierpark Sommerhausen hergestellt“, sagt Veterinäramtsleiterin Susanne Greiner-Fischer. Hier hätten die Kühe unterkommen können. Anna und Martha, Elke, Liesl, Linda, Waltraud, Milka, Monika, Susi.
„Herr K. hat früher im Schlachthof gearbeitet. Er erträgt es nicht mehr, wenn Tiere getötet werden.“Susanne Pfeuffer Verein Tierrechte Aktiv
Wahrscheinlich aber nicht bis zu ihrem natürlichen Ende. „Nach einer gewissen Zeit wären sie geschlachtet worden“, vermutet Susanne Pfeuffer. Und für Max und Erich, die Bullen, wäre im Tierpark kein Platz gewesen. Als Bauer K. das klar wurde, habe er geweint.
Nun ist es der Tierschützerin gelungen, eine andere Bleibe für die Kühe zu finden. Tierfreunde in Schleswig-Holstein wollen die Kühe aufnehmen. „Sie können dort bleiben, bis sie eines natürlichen Todes sterben.“ Auch für Max und Erich hat Susanne Pfeuffer in Norddeutschland ein neues Zuhause aufgetan. „Einen Hof, wo die zutraulichen Bullen nicht geschlachtet, sondern als Therapietiere eingesetzt werden.“ Pünktchen und Pauline, die Schweine, werden künftig auf einem Gnadenhof im Rheinland leben.
Zehn der 15 Katzen werden eingefangen, geimpft und kastriert - und ziehen dann zu einem Katzenfreund. Die anderen fünf werden auch kastriert, bleiben bei aber Bauer K. Genau wie ein Teil der Enten. „Herr K. kann sich noch um sie kümmern“, sagt die Tierschützerin, „ganz ohne Tiere würde er verkümmern“.
Die 20 Hühner wird Susanne Pfeuffer selbst aufnehmen. Sie hat einen eigenen Gnadenhof in Gollhofen-Gollachostheim. 40 Tiere beherbergt sie hier. Ausgesetzte Ziegen, vor dem Schlachthof gerettete Schweine, Hühner aus Legebatterien, vernachlässigte Kaninchen, dreibeinige Katzen, blinde Hunde. . . „Die Hähne werden sich freuen, wenn die Hühner von Herrn K. bei uns einziehen“, sagt sie.
Bevor das soweit ist, muss der Transport der Rinder und Schweine in ihre neue Heimat organisiert werden. „Vielleicht findet sich ja ein Viehhändler, der die Tiere fährt“, sagt Susanne Pfeuffer. Um die Formalitäten kümmere sie sich, der Tierarzt sei schon bestellt. „Die nötigen Blutuntersuchungen, die Kastrationen und die Klauenpflege werden viel Geld kosten“, sagt die Tierschützerin und hofft auf Spenden von Tierfreunden.
Wer helfen will, kann das tun: Kontakt: Susanne Pfeuffer, Tel. (0171) 88 80 597. Spenden: Tierrechte Aktiv e.V., Verwendungszweck „Gnadenhof“, Raiffeisenbank Konto 154040, BLZ 74260100.
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julius (48 Kommentare) am 28.10.2010 21:53
Wie schön!Es freut mich sehr, daß diesem Menschen und seinen Tieren geholfen werden konnte! |
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