publiziert: 06.02.2012 15:07 Uhr
aktualisiert: 06.02.2012 15:18 Uhr
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Sechs Herz-Lungen-Professoren kämpfen gegen den Feinstaub

  • In Sorge: Sechs Würzburger Mediziner machen wich Gedanken über die Feinstaub-Belastung in Würzburg.DPA
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Hochkarätige Medizin-Professoren sind in der Regel Einzelkämpfer. Sechs Würzburger Professoren, Spezialisten für Herz und Lunge, machen nun gemeinsam mobil gegen die hohe Feinstaubbelastung in Würzburg. Sie sind aufgrund ihrer Erfahrung „in großer Sorge um den dramatischen Anstieg der Feinstaubbelastung in Würzburg“. In einer Erklärung fordern sie die Politiker in der Stadt zum sofortigen und wirksamen Handeln auf.

Sie unterstützen die jüngsten Forderungen des Verkehrs-Clubs Deutschland (VCD) nach Geschwindigkeitsbeschränkungen und Umweltzonen. Eine wirklich wirksame Maßnahme wäre für sie aber, die neue sechsspurige Autobahn A 3 am Heuchelhof in einem Tunnel verschwinden zu lassen. Dafür einzutreten sei jetzt allerhöchste Zeit, um eine folgenschwere Fehlentwicklung zu stoppen.

Unterzeichnet ist die Erklärung von den Professoren Dr. Gustav Ertl (Internist und Kardiologe), Dr. Berthold Jany (Internist und Pneumologe), Dr. Rainer Leyh (Herzchirurg), Dr. Malte Meesmann (Internist und Kardiologe), Dr. Michael Schmidt (Internist und Pneumologe) und Dr. Wolfram Voelker (Internist und Kardiologe). Sie weisen darauf hin, dass Feinstaub oft Ursache für Herz-, Kreislauf- und Lungenerkrankungen ist und die Lebenserwartung verkürzt. In vielen wissenschaftlichen Studien konnte gezeigt werden, dass die kleinen Feinstaubpartikel PM 2,5 zu Herzinfarkt und plötzlichem Herztod führen können.

Dritthöchste Belastung in Bayern

Die zulässigen Grenzwerte an der Würzburger Messstelle am Stadtring Süd seien im letzten Jahr an 36 Tagen überschritten worden. Das sei die dritthöchste Feinstaubbelastung in Bayern. In der Stadt werde seit Jahren auf die Gesundheitsgefahren durch den Feinstaub hingewiesen. Man habe mit dem Luftreinhalteplan versucht, dem Problem Herr zu werden. Es habe sich aber gezeigt, dass die Maßnahmen nicht ausreichen. Zwar seien alle Maßnahmen sinnvoll, eine einmalige Chance zur Verminderung der Feinstaubbelastung in Würzburg ergibt sich aber jetzt durch den Ausbau der A 3 die auf 5,3 Kilometer Länge das Stadtgebiet durchquert. Sie trägt nach Meinung der Mediziner ganz erheblich zur sogenannten Hintergrundbelastung des Würzburger Talkessels bei.

Jetzt sei die einmalige Chance, die offene Autobahn zwischen den Anschlussstellen Heidingsfeld und Randersacker in einen Tunnel zu verlagern. Das würde die Autobahnstrecke um 739 Meter verkürzen, den Höhenunterschied um 44 Meter vermindern und bei 35 Millionen Fahrzeugen pro Jahr allein wegen der kürzeren Strecke den Kraftstoffverbrauch um vier Millionen Liter verringern. In der Erklärung heißt es weiter, der Durchgangsverkehr produziere pro Autobahnkilometer sieben Kilogramm Feinstaub pro Tag. In einem Tunnel könnten über die Vorteile der Streckenverkürzung hinaus weiter 85 Prozent Feinstaub weggefiltert werden.

Die Forderung der Mediziner, sich für den Tunnel stark zu machen, ging an den Oberbürgermeister der Stadt und an alle Politiker in Stadt und Landkreis. Initiator ist der Kardiologe Professor Voelker, der lange Vorsitzender der Gesundheitsinitiative Heuchelhoftunnel war, sich aber auf seine berufliche Arbeit an der Universität Würzburg konzentrieren muss. Er hatte schon frühzeitig auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse von Schädigungen des menschlichen Organismus durch Feinstaub hingewiesen.

Von unserem Redaktionsmitglied

Richard Wust

    
    

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»Alle 21 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

1934 (198 Kommentare) am 07.02.2012 22:32

Professoren oder Investoren?

So ganz geheuer war mir der aufopferungsvolle Kampf des Herr Prof. Dr. Voelker für den Tunnel nie. Was er sagte, klang in meinen Ohren irgendwie aufgesetzt, künstlich. Vor allem fehlte es mir an einer komplexen, ganzheitlichen und grenzüberschreitenden Auseinandersetzung des Professors mit seinem Tunnel-Hobby. Dass seinerzeit das Gerücht umging, dass sich eine Investorengruppe aus dem medinzinisch-technischen Umfeld für die Rastanlage als eine Art Gesundheitszentrum interessieren würde, hat sich meine Meinung über Herrn Prof. Voelkers tatsächlichen Ziele etwas abgerundet. Der heutige Artikel scheint aber dem Gerücht oder auch vielleicht vieler Bürger Meinung Auftrieb zu geben, dass es den Professoren-Team sowohl um die Gesundheit der Bürger geht als auch um eigene wirtschaftliche Interessen. Professoren leben ja auch nicht von Brot alleine.

Wenn den Herren Professoren in der Tat so viel an der Gesundheit der Bürger liegen sollte, dann müssten ihnen die der Kinder erst recht eine Herz- und Lungenangelegenheit sein -oder?

Deshalb meine Frage an Herrn Prof. Voelker: Wie kann es sein, dass die Kinderklinik am Mönchberg, direkt neben der Stadtautobahn, noch nicht geschlossen wurde bzw. warum das keine Forderung von Ihnen ist? Oder hat Ihnen Ihr Tunnelblick die Sicht auf das Krankenhaus verwehrt?

Stattdessen fordern Sie einen Tunnel auf der einen Seite des Heuchelhofs, um die andere Seite als Baugebiet ausweisen zu können. Ist doch schon etwas komisch, oder?
(0)
steve67 (750 Kommentare) am 07.02.2012 13:51

Mag sein

dass da auch die Tunnel-Lobby dahintersteckt. Trotzdem verwundert, dass sich Lungenspezialisten nicht von den Tatsachen eines Besseren belehren lassen, von wegen Umweltzone: http://www.mainpost.de/ueberregional/politik/brennpunkte/Feinstaubwerte-2011-trotz-Umweltzonen-zu-hoch;art112,6600144
(0)
dasistmirdochzuviel (120 Kommentare) am 07.02.2012 14:31

Genau!

Nichts anderes fordern auch die Arzte: Umweltzonen sind Hilfsmittel zweiter Wahl!

Viel sinnvoller ist es unnötigen Verkehr zu vermeiden. Und dies wird genau durch einen Tunnel erreicht: Strecke deutlich kürzer, keine unnötigen Steigungen und man kann die Luft sehr gut Filtern, wo viel Feinstaub entsteht, egal wie das Wetter mal wird. grinsen
(1)
glaubt-nicht-alles (210 Kommentare) am 07.02.2012 11:06

Ich frag'mich schon,

warum die sich jetzt erst und vsl. zu spät zu Wort melden???
(2)
dasistmirdochzuviel (120 Kommentare) am 07.02.2012 12:31

Eine Frage für die nächsten 100 Jahre

Ich denke das werden wir uns noch in 100 Jahren fragen warum wir diese einmalige Chance nicht genutzt haben. traurig
Dem Professor kann man allerdings keinen Vorwurf machen! Er sagt es schon seit Jahren!
(1)
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