aktualisiert: 06.02.2012 15:36 Uhr
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THÜNGERSHEIM
Sechs Monate sind nicht genug
Zwei Abiturientinnen aus Thüngersheim wollen mit dem Verein „Fonelisco“ langfristig Auslandshilfe leisten
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Rechnen, Schreiben, Lesen: Jeden Vormittag unterrichtete Abiturientin Leonie Klüpfel aus Thüngersheim in dem tansanischen Mwanza in Afrika die Vorschulkinder.Foto: Privat -
Ins Herz geschlossen: Gemeinsam arbeiteten Johanna Weber (rechts) und Leonie Klüpfel in einem Waisenhaus im tansanischen Mwanza.Foto: Privat -
Langfristige Hilfe: Mit dem Verein „Fonelisco“ möchte Abiturientin Johanna Weber aus Thüngersheim Waisen- und Straßenkindern in Mwanza, wie der siebenjährigen Martha, auch nach ihrer Rückkehr aus dem tansanischen Land weiterhin unterstützen.Foto: PRIVAT
Sie waren ein halbes Jahr unterwegs – Johanna Weber und Leonie Klüpfel, zwei Abiturientinnen aus Thüngersheim –; besuchten einen anderen Kontinent, lebten in einem fremden Land, lernten eine neue Kultur kennen. Im Dezember kehrten die beiden nach Hause zurück. Im Gepäck hatten sie dabei neben schönen Erinnerungen vor allem eines: Eine ehrgeizige Idee.
„Wir möchten auch auf lange Sicht helfen“, erklären die beiden Abiturientinnen und denken dabei vor allem an „Fonelisco“, einen kleinen tansanischen Verein, der sich in Mwanza um Waisen- und Straßenkinder kümmert. Von Juni bis Dezember 2011 unterstützten die beiden jungen Frauen die Einrichtung als Freiwillige und gestalteten den Tagesablauf mit, arbeiteten und betreuten die Kinder. Das Problem: „Freiwillige helfen für eine bestimmte Zeit, aber dann sind sie wieder weg und alles ist wie vorher.“ Die beiden Frauen möchten das ändern.
Noch bevor sie aus Tansania zurückkehrten, gründeten ihre Familien daheim deshalb einen deutschen Ableger von „Fonelisco“. Der Verein soll das Waisenhaus in Mwanza hauptsächlich finanziell unterstützen. „Es fehlen regelmäßige Spenden“, erklärt Johanna Weber. „Denn eine staatliche Unterstützung gibt es nicht – selbst für registrierte Einrichtungen.“ Dabei muss der Verein unter anderem für das Schul- und Essensgeld der Kinder aufkommen. Auch hohe Mietkosten fallen an, weil das Grundstück nicht Eigentum des Vereins ist. „Die elf Mitarbeiter bekommen manchmal monatelang keinen Lohn, weil kein Geld da ist“, berichtet Leonie Klüpfel. „Aber sie sind auf den Job angewiesen.“
„Unsere Hilfe war bei Fonelisco mehr als willkommen.“T T
Insgesamt 59 Kinder zwischen drei und 23 Jahren wohnen derzeit im Fonelisco-Haus. Gegründet wurde die tansanische Organisation bereits 2003. Initiator Joseph Mabinga Elias ist Einheimischer – so wie all seine Mitarbeiter auch. Ausländische Freiwillige, die sich gerne in Afrika engagieren würden, werden nur selten auf den kleinen Verein aufmerksam.
Auch Johanna Weber landete nur durch Zufall auf seiner Internetseite. Für sie stand schon lange fest, dass sie vor ihrem Studium gerne für einige Zeit nach Afrika gehen würde. Ihre langjährige Freundin Leonie Klüpfel schloss sich an. „Unsere Hilfe war bei Fonelisco mehr als willkommen“, erzählen die beiden. Um die Organisation der Reise mussten sie sich allerdings selbst kümmern.
In Mwanza angekommen, wohnten sie in einem kleinen Haus, das ebenfalls der Organisation gehört. Pro Monat zahlten sie rund 250 Euro für Unterkunft und Verpflegung an den Verein. Vormittags unterrichteten die jungen Frauen die Vorschulkinder, die zwischen drei und sechs Jahren alt sind. „Wir haben erst einmal eine Art Stundenplan eingeführt“, erinnert sich Weber. „Damit das Ganze ein wenig Struktur bekommt.“ Lesen, Schreiben und Rechnen standen auf dem Programm. Nachmittags kümmerten sie sich um die älteren Schüler, die die Grundschule im Ort besuchen, und halfen ihnen bei den Hausaufgaben.
„Die Kinder sind uns in der Zeit natürlich sehr ans Herz gewachsen“, sagen die zukünftigen Studentinnen. „Ist ja klar, wenn man so viel Zeit miteinander verbringt.“ Deswegen stand für sie außer Frage, dass sie Fonelisco auch nach ihrer Abreise weiterhin unterstützen wollen. „Wir müssen unseren Verein nun erst einmal bekannt machen und Freunde und Bekannte motivieren, Mitglied zu werden“, sagt Klüpfel. Auch eine Kooperation mit dem Würzburger Mwanza e.V. ist in Planung. Doch Weber und Klüpfel sind optimistisch. Im Januar konnten sie bereits 2500 Euro nach Tansania überweisen. Bei der ersten offiziellen Veranstaltung, einem Vortrag im Thüngersheimer Pfarrheim, spendeten die rund 130 Besucher 506 Euro.
Privat sparen die beiden indes für ihre nächste Reise nach Tansania. „Wir wollen natürlich noch einmal nach Mwanza“, sagen sie. „Die Menschen dort sind einfach immer fröhlich und man ist überall willkommen. Und auch das Zwischenmenschliche spielt eine viel wichtigere Rolle als hier in Deutschland.“ Hier in Deutschland fehlt ihnen diese Mentalität ab und zu. „Ich habe einfach immer das Gefühl, ich habe keine Zeit“, findet Weber und ihre Freundin ergänzt: „Und es gibt immer Probleme, wo eigentlich keine sind.“
Bei weiteren Fragen stehen Familie Weber unter Tel. (0 93 64) 8 91 60 und Familie Klüpfel unter Tel. (0 93 64) 99 85 zur Verfügung. Spenden können überweisen werden auf das Konto: Fonelisco e.V., Kontonr. 4 57 48, BLZ 790 692 71, Raiffeisenbank Thüngersheim.

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