publiziert: 27.03.2008 13:55 Uhr
aktualisiert: 31.03.2008 13:42 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text WÜRZBURG/SCHWEINFURT
Sensation: Farbfilm vom Kriegsende

Bewegte Bilder aus Würzburg und Schweinfurt

Auf Trampelpfaden bewegen sich Menschen durch die Trümmerwüste des fast völlig zerstörten Würzburg; über ihnen lacht ein strahlendblauer Himmel. In Schweinfurt schaffen deutsche Kriegsgefangene mit nacktem Oberkörper bei Kugelfischer Ordnung. Ein Journalist des BR hat diese sensationellen Farbfilm-Sequenzen vom Mai 1945 in einem US-Archiv entdeckt.

  • Der Würzburger Hauptbahnhof im Mai 1945. Das Bild stammt aus einem etwa dreiminütigen Farbfilm, den ein amerikanischer Kameramann kurz nach Kriegsende gedreht hat. Der Film aus dem Nationalarchiv in der US-Hauptstadt Washington ist in voller Länge auf mainpost.de abrufbar.
    REPRO MAIN-POST
  • Deutsche Kriegsgefangene schaffen am 28. Mai 1945 in Schweinfurt in den Ruinen von Kugelfischer Ordnung. Auch das Filmdokument aus Schweinfurt kann auf mainpost.de betrachtet werden.
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Bild von
2 Bilder
„Vermutlich wurden diese Bilder für einen nie fertiggestellten Farbfilm gedreht, der den Vormarsch der US-Army von der Normandie bis nach Berlin darstellen sollte“, sagt BR-Redakteur Stefan Meining. Bei den Recherchen für seine Dokumentation „Franken unter dem Hakenkreuz“, die am Montag, 31. März, um 22.45 Uhr im Bayerischen Fernsehen gezeigt wird, fand er die völlig unbekannten Aufnahmen in den National Archives in Washington.

Bilder Video: Schweinfurt im Mai 1945
Bilder Video: Würzburg im Mai 1945

Dass sich wenige Wochen nach der verheerenden Bombardierung Würzburgs zaghaft neues Leben in den Ruinen regte, ist bekannt. Niemals zuvor aber war zu sehen, wie Menschen scheinbar selbstverständlich durch die traurigen Reste der Stadt gehen oder radeln, die einmal eine der schönsten in Deutschland gewesen war.

Heinrich Weppert von der Würzburger Geschichtswerkstatt, einem Kreis von Hobbyhistorikern, brauchte fünf Stunden, um durch den Vergleich mit alten Fotos die im Film gezeigten Gebäude und Straßen zu ermitteln. Denn: Der amerikanische Kameramann sparte die bekannten und leicht identifizierbaren Ruinen aus. Weder die ausgebrannte Residenz noch der Dom oder die im Mittelteil gesprengte Alte Mainbrücke sind zu sehen.

    
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Stattdessen zeigt der Film in brillanten Farben den zerstörten Hauptbahnhof, den heutigen Kardinal-Faulhaber-Platz und die Maxstraße; nur einer der Obelisken auf dem Residenzplatz ist kurz zu erkennen.

Die Schweinfurt-Sequenz dokumentiert, dass Kriegsgefangene, bewacht von einem GI, bereits kurz nach Kriegsende anpackten mussten. Hier hat die Filmkamera vor allem zerstörte Fabrikgebäude der kriegswichtigen Kugellager-Industrie eingefangen.

In Stefan Meinings TV-Dokumentation kommt als Zeitzeuge Wilhelm Böhm (78), der ehemalige Vorsitzende des Historischen Vereins Schweinfurt, ausführlich zu Wort. Er erläutert, was es bedeutete, als Jugendlicher im Dritten Reich zu leben.

Im Mittelpunkt des TV-Films steht der Aufstieg des Nationalsozialismus in Franken seit 1920 und die Etablierung der NS-Macht ab 1933. Nach dem missglückten Hitler-Putsch vom November 1923 kam Franken eine Schlüsselrolle zu: Während sie im protestantisch geprägten Mittel- und Oberfranken überdurchschnittlich gute Wahlergebnisse verzeichnete, blieben die Erfolge im überwiegend katholischen Unterfranken allerdings lange Zeit eher bescheiden.

Im Anschluss strahlt das Bayerische Fernsehen um 23.30 Uhr nochmals die Dokumentation „Jahre des Überlebens – Die Amerikaner in Franken“ aus. Der Film aus dem Jahr 2004 schildert die Besatzungszeit, die mit der Einnahme von Aschaffenburg im März 1945 begann. Die zunächst als Feinde betrachteten Amerikaner entwickelten sich rasch zu Freunden und Verbündeten, deren Lebensart bewundert und nachgeahmt wurde.

  
Von unserem Redaktionsmitglied Roland Flade
    
    

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