publiziert: 24.01.2012 18:36 Uhr
aktualisiert: 24.01.2012 18:53 Uhr
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Stadtbaurat Christian Baumgart steht vor seiner Wiederwahl

Trotz Kritik ist er mit seiner Bilanz zufrieden - „In Würzburg geht sehr vieles voran“
  • Archivfoto: Theresa Müller
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Würzburg An diesem Donnerstag steht die dritte Wiederwahl von Christian Baumgart (58) im Stadtrat an. Während die Volksvertreter mit der Arbeit des seit November 1994 amtierenden Stadtbaurates zufrieden sind, kritisieren Bürger ihn häufig für das Forum-Haus und bemängeln zu moderne oder zu wenig Stadtentwicklung. Kritik, die Baumgart selbstbewusst zurückweist.

Frage: Wie hat die Ära Baumgart Würzburg bislang geprägt?

Christian Baumgart: Mein Ziel war, mehr aus Würzburgs Lage am Fluss zu machen. Vom Kulturquartier am Alten Hafen über Kranenkai, den Felix-Freudenberger-Platz bis zur Löwenbrücke und darüber hinaus haben wir nicht nur einen zuverlässigen Hochwasserschutz, sondern auch hohe Stadtqualität gewonnen. Ergänzend sind neue Wohngebiete in Zellerau, Rottenbauer, Lengfeld und Versbach entstanden. Neue Firmen haben sich angesiedelt und Bau- und Sozialreferat haben die Quartiere Heuchelhof und Zellerau sozialverträglich vorangebracht.

Mozart-Areal oder Bahnhofsumfeld stehen nicht auf ihrer Erfolgsliste, obwohl Sie seit Jahrzehnten daran planen.

Baumgart: Die Bahnhofsplanung mit den Arcaden wurde durch den Bürgerentscheid gestoppt. Jetzt saniert die Bahn von sich aus und ohne städtische Kostenbeteiligung Bahnhof und Verkehrsstation und die städtische Entwicklung von Vorplatz und Busbahnhof wird unter anderem mit der geplanten Linie 6 abgestimmt. Mit der Verwertung der Grundstücke von Mozartschule und Faulhaber-Platz wird sich der Stadtrat im Februar beschäftigen.

Zum gefühlten 100. Mal. Der Aracden-Entscheid ist fünf Jahre her und weder am Mozart- noch am Bahnhof-Areal weiß die Stadt, was sie will. Warum dauert in Würzburg alles so lange?

Baumgart: Diese pauschale Kritik zeigt, wie sehr die negative und ausufernde Diskussion einzelner Vorhaben den Blick auf das Große und Ganze verstellt. Dabei geht völlig unter, dass sehr vieles vorangeht. Ich wünsche mir in einigen Debatten manchmal etwas mehr Toleranz, Gelassenheit und Weitblick.

Sie sind zufrieden, wenn Sie durch die Innenstadt gehen?

Baumgart: Ja. Die Umgestaltungen von beispielsweise Juliuspromenade, Dominikaner- und jetzt Peterplatz machen die Stadt deutlich attraktiver. Die Vergrößerung des unteren Marktplatzes mit der verkehrsberuhigten Rückermainstraße und dem Schenkhof sind eine weitere Steigerung der Stadtqualität. Die Umgestaltung von Eichhorn- und Spiegelstraße wird in den nächsten Wochen im Stadtrat behandelt.

Der autofreie Marktplatz hat den Preis des Forum-Hauses, das nach wie vor viele Würzburger erzürnt. Würden Sie es heute noch mal so bauen?

Baumgart: Das Bauwerk ist städtebaulich völlig in Ordnung, mir persönlich gefällt – abgesehen von einigen Details – auch die Gestaltung. Im übrigen findet das Haus durchaus auch viel Zustimmung, die äußert sich nur weniger lautstark.

Das geplante Hochhaus in der Augustinerstraße droht den Volkszorn ähnlich zu entzünden. Wäre es nicht besser gewesen, wenn sich die Stadt nach der Räumung des Ämtergebäudes 2005 nicht sofort auf einen Hochhaus-Neubau festgelegt hätte?

Baumgart: Es mag sein, dass heute die Bewertung anders ausfallen würde. Die Forderung allerdings, dass ein eventueller Neubau nicht mehr die Höhe des Vorgängers erreichen dürfe, hielte ich für falsch. Die Bewertung, dass Neues generell schlechter als Altes ist, kann nicht gelten. So wäre keinerlei Stadtentwicklung mehr möglich.

Stadtentwicklung muss aus Beton und Glas sein?

Baumgart: Eine Stadt muss immer auch Neues zulassen, um sich weiter zu entwickeln. Jede Epoche muss das Recht auf ihre Bauten haben, sonst hätten wir nie Stadtbilder wie es sie heute gibt. Welche Architektur letztendlich stadtbildverträglich ist, wird regelmäßig von den nachfolgenden Generationen entschieden.

Die Architektur des Kulturspeichers findet Zustimmung. Negative Schlagzeilen hat er durch Fensterputzen a la Schilda gemacht. Mit dem Ausmaß des Lamellen-Problems sind Sie nur stückchenweise heraus gerückt. Haben Sie Glaubwürdigkeit verspielt?

Baumgart: Das mag Ihre Wahrnehmung sein, ist aber falsch. Bei Beginn der Arbeiten wussten wir nicht, dass eine veränderte Befestigung sinnvoller und letzten Endes auch wirtschaftlicher ist.

Das haben Sie erst nach der Berichterstattung im Mai 2011 eingeräumt. Allerdings dementierten Sie damals die genannten Kosten von 315 000 Euro. Heute liegen diese bei 400 000 Euro.

Baumgart: Ich kann und werde mich nur zu Kostenschätzungen äußern, die zum Zeitpunkt der Fragestellung vorliegen.

Kritik am Baureferat wird auch am Zeller Bock geübt. Hat die Verwaltung die Planfeststellung durch mangelhafte Vorbereitung verzögert?

Baumgart: Nein. Das Planfeststellungsverfahren soll durch die Regierung von Unterfranken noch im Januar abgeschlossen sein und läuft bis jetzt sehr zügig. Bei günstigem Verlauf können wir noch in diesem Jahr mit den Arbeiten beginnen.

Wem nützt die Kommission für Stadtbild und Architektur? Investoren sehen diese bisweilen als Hemmschuh und Verhinderungsgremium.

Baumgart: Die Kommission macht in ihren öffentlichen Sitzungen die Diskussionen um einzelne Bauprojekte völlig transparent und offen. Einzelne Projekte wurden so schon in einem frühen Stadium verbessert.

Wenn der Stadtrat Sie am Donnerstag wiederwählt: Wie sieht Würzburg in sechs Jahren aus?

Baumgart: In einem schnell wachsenden, vielfältigen und attraktiven Stadtteil Hubland findet die Landesgartenschau statt, in der Innenstadt gibt es neue und qualitativ hochwertige Einzelhandelsflächen, wir haben einen gestärkten ÖPNV, weniger Oberflächenparkplätze und mehr Aufenthaltsqualität, es gibt ein deutlich verbessertes Radwegenetz und etliche breit akzeptierte Neubauten.

Ihre Rolle in dieser Entwicklung?

Baumgart: Ich begleite und berate den Stadtrat. Ich sehe mich eher in der Rolle eines Managers, der hilft, qualitative Stadtentwicklung und gute Architektur zu ermöglichen und durchzusetzen.

Von unseren Redaktionsmitgliedern Manuela Göbel und Holger Welsch
    
    

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»Alle 16 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

scheva (100 Kommentare) am 25.01.2012 20:05

Würzburg = hoffnungslos

Baumgart macht, was er will, und das kann man nicht ihm zum Vorwurf machen, sondern der Politik - die lässt ihn nämlich machen. Also, liebe Leute, wem dies oder jenes nicht passt: packt euch eure Stadträte, die (fast) alle hintenrum, schön fränkisch halt, über den Herrn Stadtbaurat abkotzen, aber ebenso (fast) alle die Pfoten heben werden, wenn um seine Wiederwahl geht. Und im Übrigen bin ich alles andere als ein Baumgart-Anhänger, aber man kann sich nun streiten, ob sein Negativkonto nicht ungefähr gleich dick ist wie das des Stadtrats und seiner Fraktionen. Über das wirkliche Niveau dieses Stadtbaurats sagt ja sein sattes Eigenlob über die Sch.....bude auf dem Marktplatz alles. Eine Stararchitektin wie Zaha Hadid baut in der Zellerau, und das Herz unserer Stadtmitte wird mit einem Musterstück an daneben gegangenem Provinzialismus versaut. Wohlgemerkt: dass dort wieder gebaut wurde, dass der Marktplatz endlich wieder geschlossen wurde, alles ok - aber dort wäre nicht niedrigstes, sondern höchstes Gestaltungsniveau angesagt gewesen.
(2)
Icon (14 Kommentare) am 25.01.2012 13:10

Na ja - Baumgarts "Modern WÜ"

Das Eckhaus am Grafeneckhart (Comma - S.Oliver) wurde z.B. mit Metall verkleidet. In der Dom- und Schönbornstraße sollten alle Gebäude aus Stein sein wie z.B. das neue S. Oliver Haus. Die Fenster im Hochformat mit Sprossen und nicht im Querformat.
Warum kann sich Hr. Baumgart für bestimmte Stadtbereiche mehr am Denkmalsschutz orientieren? Ausgestellte Fenster und exzessive Werbebeleuchtung in der Domstraße.
Modern bauen ja - aber nicht ein Materialmischmasch in der Altstadt.
Viel hätte besser gemacht werden können und wurde leider versaut, gerade in letzter Zeit.
(1)
schwarzmann (74 Kommentare) am 25.01.2012 11:01

Stuck!!!

Stuck! Genau - und noch mehr Stuck!! Überall!! Stuckstuckstuckstuck......
Der meinungsführende (oder am lautesten schreiende?) Würzburger brauch einen Stadtbaurat der alles im Falkenhaus-Stil baut. Dann wäre die Schreihälse zufrieden.
Ein Zitat, dessen Urheber ich mir leider nicht gemerkt habe: "Die Residenz war seinerzeit das Modernste und Spinnertste Gebäude Europas. Mit den heutigen Würzburgern wäre diese nie gebaut worden".
(3)
steve67 (750 Kommentare) am 25.01.2012 11:52

Was

hat dieser Kommentar mit Baumgarts Fähigkeiten zu tun? Soll das eine Verteidigungsrede für ihn sein, weil er gern modern baut? Da hat wohl jemand was falsch verstanden.
(2)
peterlesbub (330 Kommentare) am 25.01.2012 09:05

Gewünscht hätte ich mir, wie so oft

dass bei einigen Antworten von Seiten der MP kritisch nachgefragt worden wäre. Mir scheint, die Fragen wurden Herrn Baumgart schriftlich vorgelegt, von ihm schriftlich der MP eingereicht und dann kommentarlos zum Druck gegeben. Kritischer Journalismus sieht für mich anders aus.
(3)
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