publiziert: 07.03.2013 17:33 Uhr
aktualisiert: 09.03.2013 12:06 Uhr
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Steinzeitliches aus der Tiefe des Marktplatzes

Tonscherben belegen eine Siedlung bereits vor Christi Geburt

Freudige Überraschung im Röttinger Untergrund: Bei archäologischen Grabungen auf dem Marktplatz sind viele Scherben aus der Zeit vor Christi Geburt gefunden worden. Derart viele, dass Archäologen davon ausgehen, dass es bereits vor 4000 Jahren eine jungsteinzeitliche Siedlung im Röttinger Zentrum gab. Ein neuer Aspekt in der Geschichte der frühmittelalterlichen Stadt.

  • Verbundene Mauersteine: Was Grabungsleiter Andreas Friedl vor der Spitalkirche gefunden hat, könnten Hinweise auf die Stadtmauer sein.
  • Scherben der Vergangenheit: Die Funde aus der Jungsteinzeit (links) unterscheiden sich deutlich von den mittelalterlichen Tonscherben.
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1230 wird das zunächst hohenlohische Röttingen erstmals urkundlich erwähnt. Der Name der Stadt geht auf eine frühmittelalterliche „Siedlung des Roto“ zurück. 1103, so ist in der Röttinger Stadtgeschichte nachzulesen, soll der Edelfreie Diemar von Roto umfangreiche Besitzungen an das Kloster Hirsau verschenkt haben.

Dass es aber hier bereits lange vor Roto – nämlich zwischen 3000 bis 1000 vor Christus – eine Siedlung gab, war den Geschichtsschreibern bislang nicht bekannt.

Kleine, steinerne Zeugnisse, belegen nun, dass es bereits im Neolithikum (Jungsteinzeit) Vorfahren der Röttinger gab. Gefunden hat sie Andreas Friedl. Er arbeitet als wissenschaftlicher Grabungsleiter für Dieter Heyse, der in Schwarzach am Main sein Büro für Ausgrabungen und Dokumentationen hat. Parallel zu den Bauarbeiten auf dem Röttinger Marktplatz und in der Judengasse – hier wird unter anderem gerade die alte Wasserleitung ausgetauscht – hat Friedl sieben der sogenannten Sondierungsgrabungen durchgeführt.

Sie werden vom Landesamt für Denkmalpflege vor allem in historischen Altorten verlangt, wo bereits Bodendenkmäler bekannt sind. Den Röttingern kosten diese Grabungen etwa 50 000 Euro. Gegraben wurde auch nur dort, wo gerade gebaut wird. Alles, was tiefer liegt oder nicht von den Baumaßnahmen umfasst ist, bleibt unentdeckt.

„Unter Umständen können diese Kosten förderungsfähig sein“, sagt Bürgermeister Martin Umscheid. Nämlich dann, wenn bei den gesamten Ausschreibungskosten noch Luft ist. Dann würden 60 Prozent davon aus der Städtebauförderung übernommen werden. Wie auch immer, auf die Herstellungskosten, die von den Anliegern zu zahlen sind, will die Stadt die Mehrkosten nicht umlegen.

Unter den Keramikfunden waren auch Scherben aus dem achten und neunten Jahrhundert und aus dem Hochmittelalter (11. bis 13. Jahrhundert). „Aber das war zu erwarten“, sagt Dieter Heyse. Die einzelnen Funde werden nun genau dokumentiert und in Karten eingezeichnet. Alles zusammen ergibt eine umfassende Dokumentation.

Die Fundstellen selbst, werden zugeschüttet. Im Hinblick auf diesen Bericht werden die Fundstücke noch einmal genauer untersucht. Dabei hilft den Archäologen die Zusammensetzung des Tons, die Brennart, eventuelle Ränder.

Bürgermeister Umscheid überlegt nun, ob die Stadt nicht beim Landesamt für Denkmalschutz beantragen soll, Eigentümerin der wertvollen Funde zu werden. „Immerhin sind sie ein Stück Stadtgeschichte“, sagt Umscheid. Und vielleicht gibt es demnächst noch eine Sensation aus Röttingen zu berichten.

Bei einer Grabung an der Spitalkirche hat Friedl verbundene Mauersteine entdeckt. Eventuell könnten dies Hinweise auf eine ältere Stadtmauer sein, die bereits vor dem 13. Jahrhundert die mittelalterliche Stadt an der Tauber umfriedet hat.

Von unserem Redaktionsmitglied THOMAS FRITZ
    
    

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