publiziert: 08.02.2012 18:25 Uhr
aktualisiert: 09.02.2012 14:40 Uhr
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Studenten-Wohnungsnot: Würzburg, ist das dein Ernst?
2 Bilder
Mit Beginn des aktuellen Semesters wurde es eng in Würzburg: So viele Studenten wie noch nie strömten in die Universitätsstadt. Einen Studienplatz hatten sie sicher, aber vielen fehlte eine Unterkunft. „32 379 Studierende und 3386 Wohnheimplätze. Würzburg, ist das dein Ernst?“ fragt FH-Student Andreas Drosdz. Der angehende Kommunikationsdesigner thematisiert in einer seiner Arbeiten die Wohnungsnot der Würzburger Studenten.
Herr Drosdz, als 2010 Ihr Studium begann, ergatterten Sie einen der Wohnheimplätze. Sie waren also von der Wohnungsnot nicht betroffen?
Andreas Drosdz: Tatsächlich war der Ansturm damals noch nicht so groß. Aber leicht war es trotzdem nicht, obwohl ich mich schon sehr früh um eine Wohnung bemüht habe. Die Wohnheime hatten lange Wartezeiten. Ich bekam erst sehr spät die Zusage für ein Zimmer in Grombühl. Die Lage war nicht optimal, weil ich ja immer ins Hubland musste. Im Sommersemester bin ich in eine WG gezogen – nachdem ich mir ungefähr 50 angeschaut hatte. Die Wohnungsnot war überall ein großes Thema.
Haben Sie im Freundeskreis darüber diskutiert?
Drosdz: Ja, einige mussten ewig pendeln, weil sie keine Bleibe fanden. Auf WG-Zimmer kamen teilweise 80 Bewerber. Die Besichtigungen waren dementsprechend oberflächlich und die Chance, das Zimmer zu bekommen, war gering. Und die Wohnheime waren schnell voll. Das kann ja auch nicht aufgehen: 7000 Erstsemester und 3300 Plätze.
Und darauf soll Ihre Bilder aufmerksam machen?
Drosdz: Genau. Für die Veranstaltung „Soziale Kampagnen“ sollten wir ein Thema wählen, das uns persönlich am Herzen liegt. Dafür hat man im Studium ja zum Glück noch die Freiheit, ehe man sich später im Beruf nach seinem Auftraggeber richten muss. Ich musste nicht lange überlegen, um auf das Thema Wohnungsnot zu kommen. Dann habe ich erstmal recherchiert: im Internet, beim Studentenwerk, in der Zeitung. Ich habe auch WGs angerufen. Im Kurs haben wir dann überlegt, welche Zahlen herausstechen und wie die Kampagne aussehen könnte.
Sie haben sich für fünf Fotos entschieden, die jeweils aus zwei Motiven bestehen. Warum?
Drosdz: Ich finde, damit lässt sich die Thematik am besten vermitteln. Außerdem sorgen die Bilder für eine gewisse Dramatik. Sie verraten nicht zu viel, sondern lassen nur erahnen, an welchen Plätzen sie entstanden sein könnten. Die Bilder sollen zeigen, was passieren kann, wenn man tatsächlich keine Wohnung findet.
Auf den Bildern sind keine Menschen zu sehen, stattdessen nur handgeschriebene Briefe.
Drosdz: Ja, diese Anonymität sollte einen erhobenen Zeigefinger verhindern. Vielmehr möchte ich den Betrachter zum Nachdenken anregen. Jeder kann sich angesprochen fühlen. Die Texte habe ich mir jeweils überlegt, nachdem das Motiv für die rechte Seite feststand. Die stammen übrigens alle aus Würzburg.
Ein Bild zeigt eine Abendszene im Park. Der dazugehörige Brief liegt auf einer Parkbank: „Nimm deine bisherige Arbeit bitte ausgedruckt mit. Hab hier keine Steckdosen.“ Ist das nicht übertrieben?
Drosdz: Klar, die Briefe sind teilweise überzogen, aber das ist so gewollt. Sie sind für sich genommen ja schon dramatisch, denn wer schreibt heute noch Briefe?
Was wollen Sie mit dieser Kampagne erreichen?
Drosdz: Natürlich wäre es schön, wenn sich etwas ändert. Ich habe dieses Projekt ja nicht für mein Portfolio gemacht, sondern weil ich das Thema wichtig finde. Vielleicht kann ich Leute dazu bringen, ein Zimmer zur Verfügung zu stellen, das sie sonst nicht nutzen. Natürlich sind auch die offiziellen Stellen angesprochen, etwas an der Situation zu ändern. Ich werde das Studentenwerk auf jeden Fall zur Ausstellung einladen.
Er ist der Herr der Wohnheime: Frank Tegtmeier vom Studentenwerk Würzburg betreut zurzeit elf Wohnanlagen sowie die Planung von zwei neuen Bauprojekten. Schon zu Beginn des Wintersemesters bezeichnete er die Wohnsituation in Würzburg als angespannt. Und auch für das kommende Sommersemester rechnet er wieder mit Engpässen.
Herr Tegtmeier, um mit den Worten von Student Andreas Drosdz zu sprechen: 32 379 Studierende und 3386 Wohnheimplätze – ist das Ihr Ernst?
Frank Tegtmeier: Wir arbeiten daran, dass sich diese Situation ändert. Zurzeit sind 146 neue Wohnheimplätze im Bau, die zum Wintersemester 2012/2013 fertig werden. Am Hubland planen wir ein weiteres Wohnheim mit 150 Plätzen. Wir hoffen, dass die Bauarbeiten noch dieses Jahr beginnen können.
Der Ansturm im letzten Jahr war absehbar. Hätte das Studentenwerk nicht vorsorgen können?
Tegtmeier: Im Mai 2011 haben wir noch 48 neue Plätze eingeweiht. Natürlich wäre es wünschenswert, noch mehr Plätze anbieten zu können. Aber das Problem ist die langfristige Planung: Wir haben eine Belegungsbindung von 45 Jahren und die Mietpreise können wir nur alle drei Jahre anpassen. Der Bau eines Wohnheims ist eben mit viel Arbeit und Aufwand verbunden.
Wie viele Plätze müssen Sie anbieten?
Tegtmeier: Das Innenministerium empfiehlt, dass für 15 Prozent der Studierenden ein Platz zur Verfügung stehen sollte. Bei uns liegt die Quote momentan bei 11 Prozent. Man sollte aber beachten, wie viele Studierenden überhaupt in einem Wohnheim wohnen wollen. Umfragen sprechen da von 13 Prozent.
Wird es zu Beginn des Sommersemesters wieder Probleme geben?
Tegtmeier: Ich befürchte, dass die Lage wieder angespannt sein wird. Aktuell stehen auf unserer Warteliste 700 Personen. Gleichzeitig sind alle Plätze belegt. Normalerweise verzeichnen wir Anfang April rund 500 Ein- und Auszüge. Aber ich gehe davon aus, dass es in diesem Jahr deutlich weniger sein werden, weil die Studierenden in Würzburg keine Alternative finden, wie zum Beispiel eine WG.
Welche Chancen haben die Bewerber denn dann überhaupt, ein Zimmer zu ergattern?
Tegtmeier: Das ist schwer zu sagen. Ich möchte keine Prognosen abgeben, zumal sich in den kommenden drei Monaten noch viel ändern kann. Im Moment sind die Chancen noch vollkommen offen.
Haben Sie noch andere Möglichkeiten, Studenten in eine Unterkunft zu vermitteln?
Tegtmeier: In unserer Privatzimmervermittlung stehen momentan 70 Angebote. Außerdem beteiligen wir uns am Projekt „Wohnen für Hilfe“. Studierende können dabei günstig oder sogar kostenlos in einem Zimmer unterkommen, wenn sie dem Vermieter – meist ältere Menschen – im Haushalt zur Hand gehen.
Im Oktober haben Sie Notunterkünfte für Studenten angeboten. Wurden die genutzt?
Tegtmeier: Ja, wir haben 16 Notunterkünfte im Studentenhaus zur Verfügung gestellt, die die Wohnungsnot ein wenig lindern sollten. Bis Dezember haben aber alle Studierenden, die dort untergebracht waren, eine andere Bleibe gefunden.
Werden Sie sich die FH-Ausstellung und die Kampagne „Wohnungsnot“ anschauen?
Tegtmeier: Wieso nicht? Wenn wir eingeladen werden und es zeitlich passt, spricht doch nichts dagegen. Für uns ist das Thema schließlich wichtig und an zusätzlichen Informationen sind wir immer interessiert.
Die Ausstellung des Fachbereichs Gestaltung der Fachhochschule ist am Freitag, 10. Februar, von 14 bis 19 Uhr und am Samstag, 11. Februar, von 10 bis 17 Uhr im neuen FH-Gebäude im Sanderheinrichsleitenweg zu sehen.
Regine Beyss
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»Alle 6 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare
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minsimai (24 Kommentare) am 13.03.2012 16:19
...und gleichzeitig.......werden immer mehr Wohnhäuser energisch saniert, oft müssen dann die Mieter raus, da Mietswohnungen werden zur Eigentumswohnungen gemacht oder durch die Sanierung eine Familie die Wohnung nicht mehr leisten kann. Folge: die Mietpreise steigen , weil eben so viele auf der Suche sind....ob Studenten/innen, Familien, usw.....die Lage ist für viele Menschen sehr ernst geworden, da bezahlbare Wohnungen immer knapper werden. |
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45acp (194 Kommentare) am 10.02.2012 08:26
Studenten können auch mal im Freien pennen............wir brauchen nach den Vorfällen der letzten Tage jede Wohnung für Asylanten......... |
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DMA (691 Kommentare) am 10.02.2012 08:13
Bei der Wohnplatzvergabewird hoffentlich auch darauf geachtet, dass Zimmer an die vergeben werden, die nicht auch von ihren Eltern aus zur Uni fahren könnten. Es gibt doch einige, die unbedingt zum Studieren aus dem Elternhaus ausziehen wollen (oftmals entgegen der Präferenzen der Eltern, die dann auch gerne zur Finanzierung der Unterkunft zur Kasse gebeten werden), obwohl es locker auch vom "Kinderzimmer" aus ginge. Die nehmen dann denen die Zimmer weg, deren Elternhaus sich nicht im näheren Umkreis befindet. Übrigens kenne ich auch Studenten von Außerhalb, die sich Zimmer in umliegenden Gemeinden genommen haben. Denen geht es halt ums Studieren und weniger um das Nachtleben
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45acp (194 Kommentare) am 10.02.2012 08:27
trifftgenau ins Schwarze........ |
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asazyma (309 Kommentare) am 09.02.2012 14:55
Stadtbau und StudentenwerkHaben Sie mitbekommen, dass die Stadt nur wenig mit Studentenwohnheimen zu tun hat, weil die meisten vom Studentenwerk angeboten werden? Wie sollen denn Wohnheimzimmer für so viele kurzfristig aus dem Boden gestampft werden? |
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