publiziert: 02.11.2011 12:03 Uhr
aktualisiert: 02.11.2011 18:27 Uhr
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Theatermacher kontra Prophetin

Werkstattbühne attackiert Universelles Leben – Glaubensgemeinschaft schlägt zurück
  • Wolfgang Schulz Wolfgang Schulz
    FOTO Theresa Ruppert
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Wolfgang Schulz, der Theatermacher und Leiter der Werkstattbühne, arbeitet an einem Stück, in dem er sich mit der Glaubensgemeinschaft Universelles Leben (UL) auseinandersetzt. „Die letzten Worte der Prophetin am Kreuz“ heißt es, eine „tragische Burleske“ ist es. Ab Mai 2012 ist das Stück zu sehen. Drei Rechtshändel hat er schon.

Von Freitag, 4., bis Sonntag, 6. November will Schulz das Publikum in der Werkstattbühne vorbereiten auf das, was kommt. Er hat eine dreiteilige Informationsveranstaltung angesetzt, Titel: „Die Posaune Gottes“. Im Programmheft beschreibt er das UL als „krude Mischung aus Religion, Ufo-Theorien, Esoterik und Antisemitismus“. Er unterstellt „Gehirnwäsche und die systematische Indoktrination ihrer Anhänger“ und zieht Parallelen zwischen UL auf der einen und der Scientology Church und den Nationalsozialisten auf der anderen Seite.

Jetzt hat er Post bekommen, von den Anwälten des Vereins „Das Universelle Leben Aller Kulturen Weltweit“. Eine Unterlassungs- und Verpflichtungserklärung, 21 Behauptungen im Programmheft betreffend, soll er unterschreiben, etwa die, dass das UL einen Großteil seiner Einnahmen durch die Vermarktung von Bio-Produkten erwirtschafte.

Kunstfreiheit?

Die Anwaltskanzlei mit Sitz in Köln schickte auch Unterlassungs- und Verpflichtungserkärungen im Namen des UL-Sprechers Christian Sailer und der Lebe Gesund Steinmühlen-Brot GmbH. Schulz unterstellt Sailer unter anderem Nähe zur Scientology Church, Sailer lässt das als „unwahr“ zurückweisen. „Lebe Gesund“ geht gegen Behauptungen vor, die Schulz gar nicht aufgestellt hat. Die Anwälte beziffern den Streitwert auf insgesamt 35 000 Euro und verlangen rund 1900 Euro Gebühren für ihre Schreiben.

Schulz erklärt im Gespräch mit der Main-Post, er habe weder eine Behauptung zurückzunehmen, noch werde er zahlen. Sein Rechtsanwalt Werner Nied ist zuversichtlich: Die Meinungs- und die Kunstfreiheit werde in der Rechtsprechung „sehr hoch gehalten“. Außerdem fehle dem Verein „Das Universelle Leben Aller Kulturen Weltweit“ die rechtliche Legitimation, fürs UL zu klagen.

Schulz begann, sich mit dem UL zu befassen, als er eine Frau kennen lernte, die glaubt, was das UL verkündet. Er las die Werke der vermeintlichen Prophetin des UL, Gabriele Wittek, und fand, so schreibt er im Programmheft zu „Die Posaune Gottes“, „Anweisungen zur Depersonalisation beziehungsweise zur Entpersönlichung, und damit auch Entsozialisierung“. Was er entdeckte, identifizierte er als „Verwandtschaften des Geistes“ zwischen UL und Faschismus, mit dem Urchristen als Analogie zum Arier. Schulz nennt das UL „neben Scientology eine der gemeingefährlichsten Psychosekten in Deutschland“. Das solle, schreibt er, „landauf, landab verbreitet werden“.

Termine: Freitag, 4. November, 20 Uhr: Satirischer Vortrag von Wolfgang Schulz: „Die Posaune Gottes, oder: Hat die Prophetin noch alle beisammen?“ Samstag, 5. November, 20 Uhr: Prof. Dr. Günther Bittner: „Seherinnen – eine psychologische Erörterung“. Anschließend: Lesungen von Aussteigerberichten. Sonntag, 6. November, 15 Uhr: 1. Verhohnepiepelungen – eine Blütenlese. 2. Die letzten Worte der Prophetin am Kreuz – Szenen-Lesung aus einer tragischen Burleske 3. Seelenfang per Biobrötchen – ein Film des Bayerischen Rundfunks aus dem Jahr 2004. Kontakt: Werkstattbühne, Rüdigerstraße 2, Tel. 1 66 93, E-Mail: kontakt@werkstattbuehne.com. Mehr Informationen: werkstattbuehne.com

Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung
    
    

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Die neuesten Kommentare

deltatango (185 Kommentare) am 02.11.2011 15:28

Das klingt ja ...

... richtig spannend! Mal sehen, ob das UL auch noch was anders zustande bringt als Klagen - Argumente, zum Beispiel ...;-)

Weiter so, Wolfgang Schulz!!!
(0)
klausburkard (874 Kommentare) am 02.11.2011 17:31

ne - anders als klagen

können die nicht! bei uns im ort wohnt ein "abtrünniger uler". der hatte vor ein paar jahren mal ein buch geschrieben und wollte bei uns im pfarrheim darüber eine vorlesung machen und die zuhörer aufklären über die machenschaften des ul und seiner ach so großen prophetin. und prompt ging es ihn ebenso: verfahren - klagen - rechtsstreit. das ende vom lied: es gab keinen vortrag - das buch wurde gestoppt. ja - so ist das mit dem himmlischen jerusalem auf erden, bzw. in greußenheim/hettstadt und in der bahnhofsstraße in würzburg. vielleicht ist ja mit dieser sekte auch mal alles aus, wenn die prophetin die posaune des erzengels michael hört und das zeitliche segnet.
(0)
deltatango (185 Kommentare) am 03.11.2011 11:31

Apropos Posaune ...

... wann ist eigentlich die selbsternannte Prophetin Gabriele das letzte Mal in der Öffentlichkeit gesehen worden?

Weilt sie überhaupt noch unter den Lebenden? Oder ist sie in die Riege der Unsterblichen gewechselt???

Vielleicht wird Greussenheim ja nur deshalb hermetisch abgeschirmt und besser bewacht als damals die DDR-Grenze, um den Mythos der Ewigen Gabriele unnachprüfbar aufrecht zu erhalten...
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