publiziert: 30.10.2009 15:38 Uhr
aktualisiert: 30.10.2009 15:48 Uhr
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Theaterneubau ist nicht zu bezahlen

Vorschlag der Wirtschaftsjunioren stößt auf Ablehnung – Probleme auch mit Unesco

Das Mainfranken Theater ist mal wieder in den Schlagzeilen. Nicht nur mit künstlerischen Höchstleistungen wie der „Orestie“. Vielmehr haben die Wirtschaftsjunioren einen Abriss ins Spiel gebracht – und einen Theaterneubau auf dem Gelände des Mozartareals.

  • Das sanierungsbedürftige Mainfranken Theater in Würzburg. CTW
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An Stelle des Theaters könne dann ein Shoppingcenter entstehen. Alles Unfug, heißt es im Rathaus.

So lebhaft die Debatte im Internetforum unserer Zeitung daherkommt und so mancher das Ei des Kolumbus in Händen zu halten glaubt – die aktuelle Diskussion um eine Verlegung des Theaters auf den Kardinal-Faulhaber-Platz und das Mozartgelände hat viel von einem Déja-Vu-Erlebnis.

Es war bereits im Oberbürgermeister-Wahlkampf Anfang 2008, als der damalige SPD-Kandidat Georg Rosenthal genau diese Option ins Spiel brachte.

Man solle, so meinte der heutige Oberbürgermeister, zumindest ernsthaft darüber nachdenken.

In der Zwischenzeit wurde diese Vision geprüft – und selbst von Rosenthal verworfen. Bereits im August vergangenen Jahres, 100 Tage nach Amtsantritt, hatte er den Plan ad acta gelegt. „Die Kubatur des Theaters passt nicht aufs Mozartgelände“, sagte er damals unserer Zeitung.

Nun haben die Würzburger Wirtschaftsjunioren einen erneuten Anlauf genommen. In einem Arbeitskreis hatten sie Informationen über die Stärkung Würzburgs als Einkaufsstadt gesammelt. Auf dem Moz-Areal, wo nach Beschluss des Stadtrates ein Einkaufszentrum mit mindestens 13 500 Quadratmeter Verkaufsfläche gebaut werden soll, sehen die Jungunternehmer Probleme mit Denkmalschutz und Verkehr (wir berichteten).

Deshalb plädieren sie für das nahe Theatergelände als alternativen Standort für ein Shoppingcenter. Das Theater, so ihre Idee, könnte am Mozartareal neu gebaut werden.

Eine kühne Idee, die im Rathaus nur Kopfschütteln hervorruft. Schon die Generalsanierung des Theaters am derzeitigen Standort (ab der Spielzeit 2011/12) kostet nach Berechnungen des Baureferats fast neun Millionen Euro – in der Schmalspurversion. Allein dies wäre schon ein Batzen Geld für die chronisch klamme Stadt.

Ein Neubau jedoch würde mit geschätzten Kosten von mindestens 40 Millionen Euro zu Buche schlagen – auch wenn diese Zahl offiziell keiner nennen will. Die Stadt selbst spricht von einem „mittleren zweistelligen Millionenbereich“.

Die vielen euphorischen Stellungnahmen in unserem Internetforum will die Stadtverwaltung jedenfalls nicht unkommentiert stehen lassen – und verweist auf die angespannte Haushaltslage. Auch die Nachbarschaft des Mozartareals zum Weltkulturerbe der Residenz spreche gegen einen dortigen Theaterneubau. Warum?

Die besonderen Erfordernisse eines Theaters mit Bühnenaufbau und -maschinerie, so Rathaus-Sprecher Christian Weiß, ergäben beim Neubau eine „gewaltige Höhe“. Schon das bestehende Theater ist über 20 Meter hoch.

Die Stadt befürchtet allein dadurch eine Beeinträchtigung des Unesco-Weltkulturerbes, so „dass wir die Diskussion um die Dresdner Elbbrücke und einen drohenden Verlust des Status Weltkulturerbe auch hier führen würden.“

„Träumen darf man immer gerne.“

Klaus Heuberger, kaufmännischer Theaterleiter

Ein modernes Stadttheater passe ferner mit seinen Größenanforderungen nicht auf das vorhandene Grundstück. Mozartareal und Kardinal-Faulhaber-Platz sind zusammen rund 9500 Quadratmeter groß.

Selbst der kaufmännische Theaterleiter Klaus Heuberger hält den Vorschlag der Theaterverlegung für völlig unrealistisch. „Träumen darf man immer gerne“, sagte er am Freitag unserer Zeitung. „Natürlich würden alle 250 Kollegen gerne ein neues Theater nehmen.“ Visionen seien zwar notwendig, man dürfe aber das Machbare nicht nicht aus den Augen verlieren.

Er sehe weder die „politischen noch die finanziellen Gegebenheiten“ für einen Theaterneubau. Man sei glücklich, dass der Stadtrat die Generalsanierung des Mainfranken Theaters mit allen Ressourcen des Haushaltes angehe.

Von unserem Redaktionsmitglied Andreas Jungbauer
    
    

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