aktualisiert: 04.09.2011 18:27 Uhr
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REGION WÜRZBURG
Tiefe Sorgenfalten
Ernüchterndes Ergebnis einer Feuerwehr Großübung im Industriepark Klingholz
Äußerst lehrreich war für sechs Feuerwehren und fast 90 Aktive aus dem Inspektionsbereich Mitte eine Großübung, die am frühen Samstagnachmittag auf dem Gelände der Spedition Raben im Industriepark Klingholz stattfand. Das Ergebnis: Im Ernstfall ist die Wasserversorgung nicht zufriedenstellend und die Rettung von Menschen aus dem obersten Geschoss des Verwaltungsgebäudes nur über eine Drehleiter möglich.
Diese ernüchternden Erkenntnisse zogen Kreisbrandrat (KBR) Heinz Geißler und die Führung des Inspektionsbereichs Mitte um Kreisbrandinspektor (KBI) Alois Schimmer und Reichenbergs Bürgermeister Karl Hügelschäffer aus der Übung. Tiefe Sorgenfalten waren Geißler, Schimmer, Hügelschäffer und dem Niederlassungsleiter der Spedition Raben, Bernhard Kroll, am Ende der rund 80 Minuten dauernden Einsatzübung auf die Stirn geschrieben.
Kein zweiter Rettungsweg
Als Einsatz-Szenario wurde ein Brand mit verrauchtem Treppenhaus des 1200 Quadratmeter großen, und drei Stockwerke hohen Verwaltungsgebäudes neben der 4300 Quadratmeter großen Lagerhalle der Spedition Raben angenommen. Der Verwaltungstrakt weist keinen zweiten Rettungsweg aus. Deshalb müssen eingeschlossene Personen im Notfall von außen über Leitern gerettet werden.
Erschwerte Menschenrettung
Wie die Übung zeigte, ist die Menschenrettung allerdings speziell aus der obersten Etage des Verwaltungsgebäudes mit der gewöhnlichen Ausrüstung der beteiligten Freiwilligen Feuerwehren aus Albertshausen, Darstadt, Fuchsstadt, Essfeld, Lindflur und Reichenberg, nicht machbar. Denn die mobilen Vierfach-Steckleitern der Wehren reichten nur bis zum zweiten Obergeschoss. Die in der obersten Etage vermeintlich eingeschlossenen Personen konnten nur durch die nachträglich angeforderte Drehleiter der Ochsenfurter Wehr aus dem Gebäude evakuiert werden. Die reine Anfahrtszeit der Drehleiter betrug 15 Minuten. Eine schier endlose Zeit im Ernstfall. Und alleine etwa 60 Personen an Personal befinden sich an einem normalen Arbeitstags im Verwaltungsgebäude, wie Niederlassungsleiter Bernhard Kroll betonte.
Neben der Menschenrettung bildete die Wasserversorgung die zweite große Herausforderung der Einsatzübung. „Um einen Löscheinsatz effektiv durchführen zu können, ist eine Wasserentnahme von 192 Kubikmeter pro Stunde gefordert“, erklärte Schimmer.
Massiver Druckabfall
Rund um das 26 000 Quadratmeter große Firmengelände wurden von fünf Hydranten aus die Leitungen zu den Pumpen gelegt. Eingangs- und Ausgangsdruck wurden von den Maschinisten erfasst und an die zentrale Einsatzleitung vor Ort übermittelt. Auch hier ein ernüchterndes Ergebnis: Im Ernstfall gibt die Wasserversorgung die geforderte Menge an Löschwasser nicht her, wie ein massiver Druckabfall im Leitungsnetz bestätigte.
Dringender Handlungsbedarf
Für die Feuerwehr-Führung, die Gemeinde Reichenberg als zuständige Kommune und die Firmenleitung der Spedition Raben ergibt sich aus der Einsatzübung dringender Handlungsbedarf. Den Bau von Zisternen nannte ein Vertreter der Feuerwehr als eine Möglichkeit, im Ernstfall Löschwasser in ausreichender Menge zur Verfügung zu haben. Alternativen zur Menschenrettung sind aber weitaus dringlicher.
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