aktualisiert: 18.03.2010 16:15 Uhr
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ALLERSHEIM
"Typische Landsynagoge": Schandfleck mit Geschichte
Zeugnis der jüdischen Geschichte in Franken
Hauptstraße 20 im Giebelstädter Ortsteil Allersheim: Da fällt ein Haus zusammen. Decken sind durchgebrochen, eine Außenwand sieht aus, als hätte eine Abrissbirne eingeschlagen. Das marode Gemäuer an der Hauptstraße ist eine Gefahr für die Allgemeinheit.
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Altes Haus ohne Zukunft: Den jüdischen Allersheimern war das Haus in der In Hauptstraße 20 Synagoge und Gemeinde-Mittelpunkt. Um die 300 Jahre ist es wohl alt. Bis 1880 hatten so viele Juden das Dorf verlassen, dass das Haus seine religiöse Bedeutung verlor. Jetzt ist es baufällig, der Gemeinderat ist für einen Abriss.Fotos: Thomas Obermeier
Seit 1998 steht es auf der Denkmalschutzliste und „keiner“, sagt Giebelstadts Bürgermeister Helmut Krämer, „weiß, warum“. Die Eigentümer wollen das Haus abreißen, die Giebelstädter Gemeinderäte stimmten zu.
Das Haus steht auf der Liste, weil es bis 1880 der Mittelpunkt der jüdischen Allersheimer war. Egon Johannes Greipl, der Generalkonservator des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege, beschreibt es als „eine typische Landsynagoge, die, ebenso wie die Veitshöchheimer Synagoge, mehrere Nutzungen unter einem Dach vereinte“.
Ein Rabbiner hatte hier seine Wohnung, hier trafen sich die Gläubigen zum Gebet und zum rituellen Tauchbad, der Mikwe.
Mehr als 90 Mitglieder zählte die jüdische Gemeinde in Allersheim nie, und das war im Jahr 1816, bei einer Gesamtbevölkerung von 331 Menschen.
Weil ihre Wirtschaftskraft begrenzt war, ist das Gebäude, errichtet als Fachwerkkonstruktion, „bedeutend kleiner“ als anderswo, teilt Greipl mit.
Früher hätten die jüdischen Gemeinden häufig solche Gebäudetypen gebaut, heute gebe es nur noch wenige davon. Das Allersheimer Haus sei „aus diesem Grund ein wichtiges Zeugnis der jüdischen Geschichte und Sachkultur in Franken“.
Hermann Eidel lebt seit bald 50 Jahren im Giebelstädter Ortsteil Allersheim, er dient der Gemeinde als zweiter Bürgermeister. Eidel sagt, bis vor wenigen Jahren habe keiner im Ort von der Synagoge gewusst. Nicht in der Grundschule, noch in der Heimatkunde sei davon die Rede gewesen. An den Stammtischen, beim Frühschoppen sei das alte Haus kein Thema; für die Leute sei uninteressant, wer da früher lebte. Ein Gemeinderatsmitglied habe das baufällige Gemäuer einen Schandfleck genannt, und die Allersheimer stünden auf der Seite des Eigentümers, der es abreißen will. Denn keiner könne sich vorstellen, „was man daraus entwickeln könnte“, auch er nicht.
Die Würzburger haben einem Gymnasium den Namen ihres Bischof Friedrich von Wirsberg gegeben; seinem Nachfolger Julius Echter von Mespelbrunn widmeten sie eine Straße, ein Spital, ein Hefeweizen. 1560 vertrieb Bischof Friedrich die jüdischen Würzburger. 1575 verschärfte Bischof Julius das Dekret, das Juden verbot,...
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