publiziert: 26.02.2009 16:01 Uhr
aktualisiert: 26.02.2009 17:48 Uhr
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Über Ochsenfurt nach Rom

Förderverein will Via Romea zu einer europäischen Kulturstraße machen

28 deutsche Städte gründeten vor wenigen Tagen den Förderverein „Romweg – Abt Albert von Stade“. Mit dabei sind auch Ochsenfurt, Aub und Würzburg. Ihr Ziel ist es, einen mittelalterlichen Pilgerweg für den Tourismus zu erschließen und so eine Kulturstraße von europäischem Rang zu schaffen. Der Jakobsweg steht Pate für den ehrgeizigen Plan.

  • Die Gründer des Fördervereins Romweg bei ihrem Treffen im niedersächsischen Hornburg. Mit dabei die Ochsenfurter Zuckerfee Astrid Hoffmann und Bürgermeister Rainer Friedrich.
    FOTO Susanne Müller
Bild von

Im Mittelalter reisten Pilger auf der Route von Norddeutschland in die ewige Stadt Rom.

Einer von ihnen war Abt Albert von Stade, der sich im Jahr 1236 auf den Weg machte und mit seinen Aufzeichnungen der Nachwelt einen der frühesten bekannten Reiseführer hinterließ. Als „Via Romea“ ist die Route überliefert.

  
 
(Für eine größere Ansicht auf die Grafik klicken)

Giovanni Caselli, Ethnologe und Buchautor aus dem toskanischen Bibbienda, hat es sich gemeinsam mit seinem deutschen Freund Uwe Schott zum Ziel gesetzt, die alte Pilgerstraße dem Vergessen zu entreißen.

Jahrelang waren sie mit Vorarbeiten beschäftigt. Verbündete fanden sie nun in den Städten, die Abt Albert von Stade einst in seiner Reisebeschreibung namentlich benannt hatte.

Ein erstes Treffen von Bürgermeistern und Tourismusmanagern aus den genannten Kommunen fand im März letzten Jahres in Ochsenfurt statt.

Die Stadt liegt auf halbem Weg zwischen dem Ausgangspunkt Stade an der Elbmündung und Bozen, der südlichsten deutschsprachigen Stadt entlang der Route.

Damals waren weitere Vorarbeiten für die Erschließung des Pilgerwegs vereinbart worden und die Gründung eines Fördervereins.

In Hornburg am Harz, der Geburtsstadt von Papst Clemens II., wurde dieser Förderverein nun gegründet.

Mit dabei auch Ochsenfurts Bürgermeister Rainer Friedrich, Zuckerfee Astrid Hoffmann und Werner Binnen vom Vorstand des Partnerschaftsvereins. Bürgermeister Friedrich wurde ebenso wie der Würzburger Tourismus-Manager Peter Ottinger als Beisitzer in den Vorstand des Fördervereins gewählt.

Ehrgeizige Ziele

Die Mitglieder haben sich ehrgeizige Ziele gesetzt. Die Via Romea soll Anerkennung als „Europäische Kulturstraße“ ein Titel, der sie gleichstellen würde mit dem „Camino“ nach Santiago die Compostela oder der historischen „Via Francigena“ von Rom nach Canterbury.

Das Europäische Institut für Kulturstraßen in Luxemburg verwaltet die Liste historischer Wege. Ein Eintrag dort würde dem Romweg die Förderung durch die Europäische Union eröffnen.

Die Stadt Ochsenfurt setzt große Hoffnungen in das Projekt. Das Wandern auf alten Pilgerstraßen, ob aus religiösem oder touristischem Antrieb, hat in den vergangenen Jahren enormen Zuspruch erfahren.

Die Stadt Ochsenfurt hat ihrer Lage am Schnittpunkt mehrere historischer Pilgerwege bereits im vergangenen Jahr mit einem eigenen Angebot Rechnung getragen.

In Zusammenarbeit mit Stadtpfarrer Oswald Sternagel entstand ein spezieller Prospekt. Eine Reihe von Geschäften und Gasthäusern gewähren ausgewiesenen Pilgern Vergünstigung. Zu erkennen sind sie an einem Aufkleber mit der Pilgerstab und Jakobsmuschel.

Als nächstes hat man sich vorgenommen den ursprünglichen Verlauf der Via Romea genau zu erforschen. Stadtarchivar Peter Wesselowsky will in alten Archiven nach Aufzeichnungen darüber zu suchen.

Ein Arbeitsgruppe um Werner Binnen hat sich zur Aufgabe gemacht, den Weg zwischen Meiningen und Rothenburg in einzelnen Abschnitten zu erkunden. Unterstützung dabei hat die Stadt Aub zugesichert.

Gemeinsam mit den Beiträgen der übrigen Mitglieder soll daraus eine zusammenhängende Wegbeschreibung werden. Zumindest den deutschsprachigen Abschnitt der Via Romea will man so durchgehend erschließen.

In Oberitalien vereinigt sich der Romweg mit anderen, bereits gut ausgewiesenen Routen, darunter die Via Francigena.

Touristischer Anziehungspunkt

Nach dem Wunsch des Fördervereins soll aus dem Romweg nicht nur ein touristischer Anziehungspunkt werden. Die Gründer möchten auch die gegenseitigen Beziehungen der Städte entlang der alten Kulturstraße fördern.

Verschiedene Arbeitsgruppen kümmern sich in den nächsten Wochen um den genauen Wegverlauf, um Pilgerunterkünfte, um ein geschütztes Symbol für den Pilgerweg und um grenzüberschreitende Kontakte.

Im Mai berät der Vorstand des Fördervereins in Würzburg die ersten Ergebnisse, ein nächstes Konsultationstreffen ist im Juni in Garmisch Partenkirchen geplant.

Andreas Memmert. Stadtdirektor von Hornburg und Gründungsvorsitzender des Fördervereins, jedenfalls ist voller Optimismus: „Die Via Romea soll eine exklusive europäische Marke werden“, sagte am Rande der Gründungsversammlung.

Von unserem Redaktionsmitglied Gerhard Meissner
    
    

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