publiziert: 22.12.2011 14:57 Uhr
aktualisiert: 22.12.2011 15:12 Uhr
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Universal-Hilfsmittel für den Alltag

Viele Sehbehinderte nutzen moderne Technik wie Smartphones und Tablet-Computer
  • Pause beim BFW-Unterricht: Sven Picker, Sven Lotter, Stefan Hermanns und Cem Tören (von links) nutzen Smartphones und Tablet-PCs, um ihr Seh-Handicap im Alltag auszugleichen.
    Foto: Marcus Meier
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Smartphones und Tablet Computer stehen auf dem Wunschzettel für Weihnachten ganz oben – auch bei Menschen mit Seheinschränkung. Denn Blinde und Sehbehinderte kommen mit den modernen Kommunikationsmedien viel besser klar, als man denkt, heißt es in einer Pressemitteilung des Berufsförderungswerks (BFW) Würzburg, eines Bildungszentrums für blinde und sehbehinderte Menschen.

Touch-Screens sind für blinde Menschen nicht nutzbar – sollte man meinen. Ohne tastbare Elemente mit dem Finger auf der glatten Bildschirmfläche zu navigieren, das erscheint unmöglich. Die vier blinden und stark sehbehinderten BFW-Teilnehmer Sven Lotter, Cem Tören, Stefan Hermanns und Sven Picker beweisen das Gegenteil. Sie nutzen die neue Technik, um im Alltag besser klar zu kommen. Das klappt richtig gut. Dank integrierter Sprachausgabe, Vergrößerungssoftware – und fleißigem Üben.

Die BFW-Absolventen nehmen ihre Smartphones und Tablet-PCs nicht nur zum Telefonieren, E-Mails schreiben, im Internet surfen oder Audiodateien hören zur Hand. Durch das Aufspielen diverser Anwendungen – Apps genannt – haben sie ihre Smartphones und Tablet-PCs zu einem universellen Hilfsmittel für Sehbehinderte gemacht.

Smartphone als Hilfsmittel

Sven Lotter und Cemen Tören können mit ihren Smartphones zum Beispiel Licht und Farben erkennen, sich beim Einkaufen die Namen von Produkten vorlesen lassen oder die Navigationsfunktion nutzen, um Bushaltestellen zu finden. „Ich nutze das Ding inzwischen jeden Tag“, erläutert der 40-Jährige Sven Lotter der sich erst im Juni von seinen Kurskollegen für das Smartphone als Universal-Hilfsmittel begeistern ließ.

Cem Tören dagegen ist schon immer Technik-Freak und legt sein SmartPhone ungern länger als eine Unterrichtsstunde beiseite. Der angehende Physiotherapeut sah vor einem Jahr noch rund 20 Prozent, heute sieht er nur noch hell und dunkel.

Anders als ihre blinden Kurskollegen können die beiden stark sehbehinderten BFW-Teilnehmer Sven Picker und Stefan Hermanns auf einen kleinen Sehrest bauen. Zusätzlich zum Smartphone nutzen sie daher einen Tablet-PC, der neben der Sprachausgabe auch eine Vergrößerungssoftware besitzt und verschiedene Kontraste anzeigen kann. Für User mit Sehrest ist der Tablet-PC vor allem bei Lesen von Texten und Büchern oder dem Surfen im Internet die erste Wahl, heißt es in der Pressemitteilung des BFW.

Interessant ist für Sehbehinderte auch das Anzeigen von Bus- und Bahnverbindungen, die Barcode-Erkennung von Produkten oder das Vorlesen von fotografierten Straßenschildern. Der Wermutstropfen: Für sie sind nur Anwendungen nutzbar, die mit Sprachausgabe funktionieren. „Das sind nicht mal 0,1 Prozent aller angebotenen Anwendungen, obwohl die meisten Apps mit Sprachausgabe zu bedienen wären“, so die einhellige Meinung.

    
    

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