aktualisiert: 01.11.2011 17:17 Uhr
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WÜRZBURG
Unterschiedliche Typen von Geistern
Erfolgreiches Jazzfestival in Würzburg – Ausdrucksstarke Musik
Mit der ganz und gar ungewöhnlichen Instrumentierung aus zwei Kontrabässen eröffnete das Würzburger Duo Irmi Haager und Christian Kraus das Sonntags-Programm des 27. Jazzfestivals der Jazz-Initiative Würzburg. Ihr dritter Preis beim diesjährigen Confusion-Wettbewerb an der Würzburger Hochschule für Musik führte die beiden und ihre bayerisch grundierten Improvisationen direkt auf den Programmplatz, der lange Jahre dem Würzburg Jazz Orchester (WJO) vorbehalten war, das sich in diesem Frühjahr aufgelöst hat.
Dezent und zugleich ausdrucksstark präsentierten Haager/Kraus ihre eigenwillige, geradezu minimalistische Variante von Jazz: Belohnt wird der Zuhörer mit traumhaft schönen Melodien, mit kristallklarem Gesang und feinstens ausgetüftelten Elektronik-Klängen.
Nicht minder ungewöhnlich und ästhetisch überraschend die Performance der ebenfalls an der hiesigen Musikhochschule preisgekrönten Formation „Mamsell Zazou“. Das Quartett aus Philipp Staffa (Gitarre), Martin Knorz (Fender Rhodes, Moog), Fabian Hönes (Schlagzeug) und der charismatischen Frontfrau Christine Börsch-Supan begeistert mit der nonchalanten Selbstverständlichkeit, mit der sie ihr scheinbar aus allen Zeiten gefallenes poetisches Konzept auf die Bühne zaubern. Entscheidend geprägt ist es vom Expressionismus der späten 1910er und frühen 1920er Jahre. Inhaltlich verhandelt es verschiedene Ausprägungen des Begriffes „Heimat“. Höchst erstaunlich wie die jugendliche „Mamsell Zazou“ – alle vier Beteiligten sind deutlich unter Dreißig - aus all diesen Elementen eine eigene Handschrift entwickelt, die Kreativität und Stilwillen perfekt verbindet.
Eine weibliche Jazz-Stimme mit magischer Intensität und Wirkung, nämlich die von Peggy Herzog, stand auch im Zentrum des neuen Zyklus „Ghost“, mit dem der Pianist und Komponist Peter Fulda am Vorabend von Halloween zur musikalischen Geisterstunde lud. Florian Trübsbach (Saxophon), Dirk Mündelein (Gitarre), Robert Landfermann (Bass)und Daniel Prätzlich (Schlagzeug) vervollständigen das Sextett.
Sie erwecken unterschiedlichste Typen von Geistern mit ihren typischen Klangfarben zum Leben: u. a. den Fluss-Geist, den Trost-Geist, den dezenten Geist oder den Geist auf dem Dachboden, der „immer nur spielen will“. Ein begeisterndes geisterhaftes Panoptikum, dass allen sechs Individualisten reichlich Freiraum für die jeweils eigenen musikalischen Dämonen ließ.
Den sanften Rausschmeißer gab dann das Quartett um den Gitarristen und Absolventen der Würzburger Hochschule Markus Hollinger. Was in der konventionell anmutenden Besetzung Piano (Alexander Wiegand), Bass (Felix Himmel) und Schlagzeug (Fabian Hönes) sehr vertraut anmutet, offenbart in kürzester Zeit allerhand Überraschungen. Denn Markus Hollinger sucht in seinen Eigenkompositionen die Jazz-Elemente in disparate Musik-Reviere wie Pop, Rock, Heavy Metal, Country, Drum'n'Bass und Free Music auszudehnen.
Das ergibt ein stilistisch höchst abwechslungsreiches, also kurzweiliges Repertoire auf einer entspannten, lyrischen Basis. Gerade recht, um im Geiste die zwei aufregenden Festival-Tage noch mal Revue passieren zu lassen: In seiner Rückbesinnung auf die historischen Wurzeln als Plattform für die Innovativsten der Region förderte das 27. Würzburger Jazz-Festival einem neugierigen und begeisterungsfähigen Publikum Aufregendes und bundesweit absolut Konkurrenzfähiges zu Tage.
Kein Wunder, dass ein strahlender und entspannter Jörg Meister als Festival-Chef am Ende höchst zufrieden von „einem rundum gelungenen Jazz-Wochenende“ in Würzburg sprach.
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