aktualisiert: 14.12.2010 17:53 Uhr
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RIMPAR
Unterschriften für die Synagoge
Engagierte Rimparer wollen einen öffentlichen Zugang zum ehemaligen Gebetshaus
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Aktive Rimparer: Bettina Lezuo, Hannelore Mintzel und Guido Bausenwein haben Unterschriften für einen öffentlichen Zugang zur ehemaligen Synagoge gesammelt und sie im Rathaus an Bürgermeister Burkard Losert übergeben.Foto: irene konrad -
Die ehemalige Synagoge in Rimpar besitzt ein kleines Türmchen.
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Kunstgeschichtlich bedeutsam: Im Innern der ehemaligen Rimparer Synagoge sind noch Wandmalereien erhalten.
Engagierte Rimparer Bürger haben einen erneuten Rettungsversuch für die ehemalige Synagoge gestartet. Am Montag überreichten Hannelore Mintzel, die evangelische Pfarrerin Bettina Lezuo und Guido Bausenwein im Rathaus Bürgermeister Burkard Losert eine Unterschriftenliste. 137 Rimparer hatten binnen weniger Tage mit ihrem Namen bezeugt, dass sie sich für die denkmalgeschützte ehemalige Synagoge in Rimpar einsetzen.
Um einen öffentlichen Zugang zur einstigen Synagoge zu schaffen, bitten sie den Marktgemeinderat, ein Grundstück neben der einstigen Synagoge zu kaufen. Dessen Besitzer signalisieren Gesprächsbereitschaft.
Marktgemeinderat berät
Am Donnerstag, 16. Dezember, steht der Zugang zur Rimparer Synagoge auf der Tagesordnung der Sitzung des Marktgemeinderats, und zwar im nichtöffentlichen Teil, weil es um Grundstücksangelegenheiten geht. „Im Raum steht eine sechsstellige Summe im niedrigen Bereich“, äußert sich Bürgermeister Losert noch etwas bedeckt über die Möglichkeit, ein der einstigen Synagoge benachbartes Grundstück mit 435 Quadratmeter kaufen zu können. Für Hannelore Mintzel und ihre Mitstreiter ist dieser Grundstückankauf „eine einmalige, nicht wiederkehrende Chance“. Die Sprecherin des Arbeitskreises Pogromgedenken sieht in der ehemaligen Synagoge ein Kulturgut, „für das sich aller Einsatz lohnt".
Synagoge entstand 1792
Spätestens seit November 2008 bei einer Gedenkstunde an die Pogromnacht in Rimpar vor 70 Jahren ist sich ein Kreis engagierter Bürger einig, dass sich die Synagoge aus dem Jahr 1792 in einem unhaltbaren Zustand befindet. Dabei gilt sie mit ihren noch vorhandenen Wandmalereien im Innenraum und dem angebauten Treppenturm mit eckiger Turmhaube als einmalig in ganz Franken. Der Turm wurde 1838 aufgrund der wachsenden jüdischen Gemeinde als Aufgang zu einer neuen Frauenempore gebaut.
Heute ist der ehemalige Gebetsraum in Privatbesitz. Seit der Zerstörung 1938 wurde die Synagoge als Lagerraum und Stall genutzt. Aktuell dient sie einem Kleintierzüchter als Hühnerstall. Beim Novemberpogrom 1938 war die Synagoge besonders im Innenraum schwer beschädigt worden. Aber sie wurde damals von den SA-Schergen nicht abgebrannt. „Das lag wohl an der engen Bebauung rund um die Synagoge“, mutmaßt Bürgermeister Losert. Die umliegenden Gebäude sollten wohl nicht gefährdet werden.
Die einstige Synagoge ist nicht mehr im Bewusstsein vieler Rimparer. Mit dem Ankauf des benachbarten Grundstücks könnte sich das ändern. „Irgendwann einmal“, wenn die Finanzen der Marktgemeinde einmal besser sind, wird es im Einvernehmen mit dem Besitzer vielleicht einmal möglich sein, die ehemalige Synagoge vor dem Verfall zu retten.
Keine leichte Entscheidung
Dass die Gemeinde aufgrund ihrer derzeitigen Finanzlage ein Grundstück in der Ortsmitte kaufen sollte, wird im Ratsgremium umstritten sein. Die Marktgemeinde befindet sich angesichts ihrer Schuldenlast auf einem „rigorosen Sparkurs“ und ist froh, dass sie in den letzten drei Jahren die Pro-Kopf-Verschuldung senken und den Haushalt einigermaßen sanieren konnte.
Mit Herzblut
Es gibt laut Bürgermeister Losert aber „einen Sanierungsstau, allein bei Straßen und Kanälen“ und „einen gewaltigen Einbruch bei der Gewerbesteuer“. Dabei stehen der Gemeinde mit dem Bau der Umgehungsstraße gewaltige Ausgaben in zweistelliger Millionenhöhe ins Haus. Die Unterzeichner für den Ankauf des Grundstücks hoffen dennoch mit Herzblut, dass die Abstimmung im Marktgemeinderat zugunsten der ehemaligen Synagoge ausgeht. „Damit wäre ein erster Schritt gemacht, der Türen offen hält“, erklärt Mintzel.
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deltatango (185 Kommentare) am 14.12.2010 18:29
Ein Gotteshaus ...... als Hühnerstall!!! Und das nicht im Jahr 1942 sondern 2010.Als sich marodierende Soldateska ähnliches im Dreissigjährigen Krieg und bei Napoleons Feldzügen mit den Kirchen erlaubt hat, war die Empörung - verständlicherweise - groß. Diese Nutzung des ehemaligen Gebetshauses ist eine Schande. Die Gemeinde tut gut daran, das Gebäude zu kaufen und es würdig umzuwidmen. Ganz davon abgesehen, dass dieses Haus schon aufgrund seines Alters eigentlich denkmalgeschützt sein sollte. Und schliesslich haben es einige ehemalige Rimparer jüdischen Glaubens in der sogenannten "Neuen Welt" zu Rang und Namen gebracht. Wenn ich mich nicht irre, haben die Gründerväter des ehemals renommierten Bankhauses Lehman Brothers genau dort gebetet. Der alte Lehman würde sich allerdings im Grabe herumdrehen, wenn er wüsste, was aus seiner Bank, nicht mehr in Familienbesitz, geworden ist. Schließlich hat das Gebäude auch einen hohen architektonischen Wert, denn erstens gibt es nicht mehr viele der alten Landsynagogen und zweitens hat das Haus durchaus einen gewissen Charme. Es weiter verkommen zu lassen bedeutete, den Menschen, die dort ihrem Glauben nachgingen und aufgrund ihrer Abstammung verfolgt, vertrieben und ermordet wurden, abermals Unrecht zu tun. Zwar nicht nach den Buchstaben des Gesetzes, aber ethisch und moralisch. Wenn die Rimparer eine Spendenaktion zugunsten des Erwerbs und der Sanierung starten: ich bin als Würzburger dabei! |
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