publiziert: 06.08.2012 18:07 Uhr
aktualisiert: 08.08.2012 12:04 Uhr
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Wahlkampf in der Kaiserstraße

Seit 2008 wird der Umbau geplant, beginnen soll er nun nächstes Jahr – Die Geschäftsleute sind sauer
  • Foto: THOMAS OBERMEIER
    Prachtstraße? Seit fünf Jahren plant die Stadt die Erneuerung der Kaiserstraße, immer wieder verzögerte sich der Umbau.
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Die nächste Kommunalwahl ist zwar erst 2014, der Wahlkampf aber ist eröffnet: mit einem öffentlichen Briefwechsel zwischen CSU-Politikern und Oberbürgermeister Georg Rosenthal, in dem es um die Verschönerung der Kaiserstraße geht. Deren 1,4 Millionen Euro teurer Umbau ist seit 2008 geplant, 2009 hatte ihn der Stadtrat beschlossen – und seitdem ist das Projekt in der Warteschleife. Jetzt lastet die CSU dem SPD-Oberbürgermeister an, mit der Verzögerung Fördergelder aufs Spiel zu setzen. Auch der Marketingverein „Würzburg macht Spaß“ (WümS) kritisiert das Rathaus – siehe unten das Interview mit Geschäftsführer Leonard Landois.

Worum geht's? Aus der Fast-Food-Billigladen-Straße soll wieder ein schönes Entree in die Würzburger Innenstadt werden. Dieses Ziel ist nicht neu. Ende der 90er Jahre hatte der damalige Oberbürgermeister Jürgen Weber eine „zeitnahe“ bauliche Umgestaltung versprochen, mit der Planung werde „umgehend“ begonnen. Unter Pia Beckmann versuchte die mittellose Verwaltung die Anwohner dazu zu bringen, zumindest Pflaster und Gehsteige zu erneuern – dieser Versuch scheiterte.

Ideen-Wettbewerb ausgelobt

Ziemlich nah schien die Stadt dem Umbau dann unter Georg Rosenthal: 2008 lobte das Baureferat einen Ideen-Wettbewerb für die Umgestaltung aus. Im Siegerentwurf der Würzburger Architekten Kaiser und Juritza liegt die Straße auf ebenerdigen Niveau, die einzelnen Bereiche sind durch unterschiedliche Oberflächenbeläge voneinander abgeteilt und Gehsteig, Anlieferspur und Laternen verschwinden.

Laut Rathaus gibt es mehrere Gründe, warum die Pläne bislang in der Schublade liegen: Die vom Staat vorgesehenen Untersuchungen zur Darstellung der förderfähigen Defizite der Innenstadt hätten viel Zeit gekostet, ebenso das umfangreiche Genehmigungsverfahren für den in der Kaiserstraße vorgesehenen Halt der neuen Straba-Linie. Und dann sind da noch Baumaßnahmen der Stadtwerke, die vor dem Umbau erledigt werden sollen. Mit diesen aber solle Ende August begonnen werden und im nächsten Jahr der Umbau starten.

Teile der CSU machen dagegen den OB für die jahrelange Verzögerung verantwortlich. So schrieb Sabine Wolfinger, Vorsitzende des CSU-Ortsverbands Stadtmitte, in einer Pressemitteilung, dass dieser sich weder für die Umgestaltung der Straße noch für das geplante Straßenmanagements stark mache. Deshalb sei die staatliche Förderung gefährdet.

Der OB reagierte verschnupft: „Es empfiehlt sich, bei der Stadt nachzufragen, bevor man Vorwürfe erhebt. Von einer Gefährdung der Fördergelder für die Kaiserstraße kann keine Rede sein“, antwortete er in seinem Brief an die Presse auf die Kritik der CSU. Das Geld für das Quartiersmanagement sei bereits zugesagt.

Darauf reagierten wiederum die CSU-Landtagsabgeordneten Barbara Stamm und Oliver Jörg: „Es kann nicht sein, dass Oberbürgermeister Rosenthal so tut, als hätte die Stadt ihre Hausaufgaben in Sachen Kaiserstraße bereits erledigt“, schrieben die Politiker der Presse. Denn den Bewilligungsantrag zur Umgestaltung der Kaiserstraße habe die Stadt nach wie vor nicht eingereicht und eine weitere Verzögerung des Projektes könne dazu führen, „dass die weitere Unterstützung der Stadt für diese Maßnahme in Frage gestellt wird“.

Der Sprecher der Regierung von Unterfranken, Johannes Hardenacke, sagt, seine seine Behörde rate der Stadt, „den Förderantrag bald möglichst auf den Weg zu bringen“. Eine genaue Frist könne er aber nicht nennen, da die Entscheidung über den Verbleib im maßgeblichen Städtebauförderungsprogramm letztlich der Bund trifft. Die Regierung werde die Stadt selbstverständlich, auch im Falle der Kaiserstraße, weiterhin nach besten Kräften beraten und unterstützen. Rathaussprecher Christian Weiß erklärt, dass der Antrag „noch in diesem Jahr“ gestellt wird.

Quartiersmanagement bei WümS

Darauf wartet auch „Würzburg macht Spaß“ (WümS). Denn der Verein wurde vor zwei Jahren einstimmig vom Stadtrat dazu auserkoren, das Quartiersmanagement der Kaiserstraße zu übernehmen, das die Baumaßnahme begleiten soll. „Seitdem fragen wir in regelmäßigen Abständen im Rathaus nach, wann es denn endlich los geht“, sagt Geschäftsführer Leonard Landois. Der Verein hat derzeit zwei hauptamtliche Mitarbeiter. Für das Straßenmanagement, das zur Hälfte mit staatlichen Mitteln gefördert wird, müsse er noch eine Kraft ins Boot holen. Verärgert über die ständigen Vertröstungen sind laut Landois die Geschäftsinhaber und Hausbesitzer in der Straße. „Sie glauben allmählich nicht mehr, dass der Umbau überhaupt noch kommt.“

Von unserem Redaktionsmitglied MANUELA GÖBEL
    
    

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»Alle 9 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

scheva (225 Kommentare) am 07.08.2012 18:02

Vorsicht, nicht ablenken....

...das ist mir zuviel Wahlkampf (....die Schwarzen müssen ja vor gefühlter Kraft kaum Gehen können, wenn sie jetzt schon so drauf los bollern....) - bitte eines nicht vergessen: der wahre OB heisst BAUMGART - und ER war und ist es, der da munter und zum Ausleben seiner Machtgeilheit die Fäden zieht - nach dem Sinn darf man nicht fragen, das führt bei anderen Suchtkranken auch nicht weiter. ER zieht halt seine Lusthochphasen aus dem "wer unter mir OB ist, ist mir wurscht"-Gefühl. Das will immer mal wieder getestet werden, egal wo. Und die Kaiserstraße ist halt eines seiner Spielfelder. Nun ja, (fast) der gesamte Stadtrat hat ihm ja vor kurzem wieder den Freibrief zum grenzenlosen Ausleben seiner Gelüste ausgestellt, also bitte nicht wundern wenn ER sich auch demntsprechend gebärdet.
(3)
karlgraf (72 Kommentare) am 07.08.2012 16:48

reutjo hat Recht

es ist so, die csu hat 18 Stimmen im Rat - da hat man gar nichts über die Kaiserstraße gehört. Karl Graf, Mitglied des Stadtrats
(3)
diemuddervompiercinghuber (13 Kommentare) am 07.08.2012 09:25

Herrlich der 60-Jährigen bayerisch SED-like Einheitspartei CSU...

geht der A* mal wieder auf Grundeis. Grund genug für Dachstuhl-Jörg und Renten-Stamm einen von der ganz qualifizierten Sorte vom Stapel zu lassen; denn jeder weiß csU-Politik zeichnet sich durch tatsächliche politische Leistung aus, zwinkern .
(5)
peter_pan (1102 Kommentare) am 07.08.2012 08:33

..so geht csu-politik....

........jahrelang das ruder in der hand halten - nichts tun und danach die schuld den bösen roten und grünen in die schuhe schieben.

unsere gelernte spezialistin für agitation und propaganda (lügen, betrügen, verdrehen) macht es vor in berlin und die amigos in würzburg überholen sie dabei.
(9)
reutjo (2187 Kommentare) am 06.08.2012 20:51

ist es denn nicht so .... ?? !!!

das trotz verlorener (csu)-' OB-Wahl 2008 ' diese Partei doch nach wie vor
einen grossen Einfluss im Stadtrat hat ??
Wenn die Kaiserstrasse gar so drängend ist, dann ...... hätte man in den
zurückliegenden Jahren seit dem ' spd-OB ' durchaus Möglichkeiten gehabt,
sich im weisen Rat ein bisschen auf die Zehen zu stellen.
So aber; auf diese Weise um den 'OB-Sitz' zu kämpfen ..... ist nicht besonders
" christlich. Zuviel Schaum .....
(7)
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