aktualisiert: 15.05.2011 19:38 Uhr
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WÜRZBURG
Was Marathonläufer so alles treiben, bevor es losgeht
Beobachtungen am CCW
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Ein Tape für den zwickenden Oberschenkel: Martin Müller aus Retzstadt wird von Physiotherapeutin Sabine Stelter vor dem Start fit für den Halbmarathon gemacht.
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Dichtes Gedränge: Eine halbe Stunde vor dem Marathon-Start wollten auch viele Läufer noch mal auf die Toilette.Fotos: Patrick Wötzel
Einer kauft noch Laufschuhe, die meisten wollen noch mal auf Toilette. Bevor am Sonntag pünktlich um 9 Uhr die Böllerschützen des Kleinkaliberschützenvereins Lengfeld die Teilnehmer des iwelt-Marathons auf die Strecke schickten, pflegten diese teils unterschiedlichen Vorbereitungen aufs große Rennen. Beobachtungen am Treffpunkt Congress-Centrum eine Stunde vor dem Start:
8.01 Uhr: Die letzten Absperrungen sind aufgestellt, die ersten Streckenposten haben ihre Positionen eingenommen, der Aufbau der Verpflegungsstände an der Strecke läuft. Im unteren Foyer des CCW, wo die meisten Teilnehmer ihre Kleider abgeben, ist noch alles ruhig. Mindestens zwei Stunden sind die Läuferinnen und Läufer zu diesem Zeitpunkt schon auf den Beinen und haben ein leichtes Frühstück zu sich genommen. Wer regelmäßiger Kaffeetrinker ist, darf auch vor dem Marathon nicht darauf verzichten, sagt Lauf-Profi Gerald Lehrieder: „Sonst kann man leicht Entzugskopfschmerzen bekommen.“
8.12 Uhr: Der Trubel geht los. Hunderte Frauen und Männer werden sich in der kommenden halben Stunde um die Kleiderabgabe drängen, die letzten Nachzügler füllen im CCW ihre Startunterlagen aus. Viele haben sich auf der Talavera oder anderen Parkplätzen an ihrem Auto lauffertig gemacht, die Brustwarzen abgeklebt, die Beine durch das Einreiben mit einem speziellen Öl auf die Strapazen vorbereitet. Beim Warmlaufen im Ringpark nutzen einige Männer die Gelegenheit, sich noch einmal zu erleichtern, die Nervosität vor dem Start drückt manchem Läufer auf die Blase. Im CCW stehen bis kurz vor dem Start stehen lange Schlangen vor allen Toiletten, drinnen herrscht großes Gedränge. „Platzangst darf man da nicht haben“, sagt einer.
8.19 Uhr: Kilian Schmierer ist nervös: Der 23-jährige Fußballer aus Giebelstadt will seinen ersten Marathon laufen. „Mir tut jetzt schon alles weh, das ist wohl eine Kopfsache“, sagt er. Vor den Steigungen, die im Frauenland gleich zweimal auf ihn warten, hat er besonders großen Respekt. Spätestens nach viereinhalb Stunden möchte er im Ziel sein und spürt einen gewissen Druck: „An der Strecke gibt es keine 500 Meter ohne Zuschauer, da will ich auf keinen Fall abbrechen.“
8.27 Uhr: Viele Läufer informieren sich noch an den Ständen der Marathon-Messe. Einer kauft sich schnell noch ein paar nagelneue Laufschuhe, andere probieren die neuesten isotonischen Getränke oder Powerriegel.
8.32 Uhr: Je näher der Start rückt, desto voller und unruhiger wird es im und um das Congress-Centrum. Manche tippeln nervös umher wie Rennpferde vor dem Start, andere sitzen mit geschlossenen Augen und Kopfhörern im Ohr ruhig da und konzentrieren sich.
„Mir tut jetzt schon alles weh“Kilian Schmierer, Marathon-Neuling
Völlig entspannt wartet Peter Kraus aus Maßbach auf den Start. An der fünfstelligen Nummer auf rotem Hintergrund lässt sich erkennen, dass er bereits zum elften Mal in Würzburg an den Start geht. „Wenn man schon 30 Marathons hinter sich hat, dann geht man das ganz ruhig an“, sagt Kraus. Zehn Minuten zuvor hat er noch kurz die Augen zugemacht, 15 Minuten vor dem Start steht Warmlaufen auf dem Programm.
8.38 Uhr: Langsam wird es ernst. Schuhe werden noch einmal neu geschnürt, Trinkgürtel zurecht gerückt. Kein Kleidungsstück darf zwicken, kratzen oder reiben. Martin Müller aus Retzstadt lässt sich von Physiotherapeutin Sabine Stelter noch schnell den rechten Oberschenkel tapen, der seit ein paar Tagen zwickt. Trotzdem denkt er nicht daran, auf seinen Start im Halbmarathon zu verzichten. „Aufhören kann ich immer“, so Müller.
8.53 Uhr: Während die Teilnehmer am „Walking Day“ schon an der Startlinie stehen, ergießt sich der Strom der Marathon- und Halbmarathonteilnehmer aus dem CCW. Sie starten in drei Blöcken, je nach Schnelligkeit und Leistungsvermögen, und müssen sich richtig einordnen. Auf der Straße stehen sie dicht an dicht. Trotz der kühlen Temperaturen dürfte niemand frieren.
8.55 Uhr: Der erste von vier Böllerschüssen, die Walker gehen los. Fünf Minuten später ist der erste Läuferblock dran, die schnellsten sprinten mit den Afrikanern aus der ersten Reihe los.
9.10 Uhr: Noch dreimal hat es auf der Friedensbrücke gekracht, alle Läufer sind unterwegs. Halbmarathon-Sieger Charles Korir wird um 10.04 Uhr als Erster die Ziellinie überqueren. Die letzten Marathonläufer müssen bis 14.30 Uhr im Ziel sein.
13.08 Uhr: Kilian Schmierer hat drei Stunden, 59 Minuten und 50 Sekunden für seinen ersten Marathon gebraucht. „Es war so schlimm, wie es mir vorgestellt habe, ich hatte einen Krampf nach dem anderen“, sagt der 23-Jährige anschließend. Besonders schwierig seien die letzten drei Kilometer gewesen. „Aber die Aussicht, unter vier Stunden laufen zu können, hat mich noch einmal besonders motiviert.“
ONLINE-TIPP
Alle Infos und Bilder zum Marathon: www.mainpost.de/marathon
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Die neuesten Kommentare
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eddipost (18 Kommentare) am 15.05.2011 22:25
Neuer Kandidat für "invasiven" Journalismus?Also der Gerald (Dr. Lehrieder) kam ziemlich zeitgleich mit mir um 8:20 Uhr am CCW an. Nur mal so Herr Wötzel. Und natürlich völlig irrelevant, aber Herr Schmierer hat 3:59:25 gebraucht. Waren wir wohl schon mental beim nächsten Stammtisch? |
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