publiziert: 03.04.2013 17:08 Uhr
aktualisiert: 05.04.2013 12:04 Uhr
» zur Übersicht Stadt Würzburg
    
    
Artikel
 
    
 
    
 

Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text
Würzburg ist kein guter Platz für Nazis

Braune Aufmärsche treffen in Würzburg auf massiven Widerstand quer durch die Gesellschaft
  • Foto: T. Obermeier
    Mai 2005: 8000 demonstrierten für Demokratie.
  • Foto: N. Schwarzott
    März 2013: 600 machten nur widerwillig den Weg frei.
Bild von
2 Bilder

Würzburg Der Aufmarsch von knapp 90 Neonazis am vergangenen Samstag ist ein Vorgeschmack dessen gewesen, was in vier Wochen auf die Stadt zukommt. Das „Nationale und Soziale Bündnis 1. Mai“, eine Ausgeburt des Neonazi-Netzwerks „Freies Netz Süd“, will mit einer „volkstreuen Demonstration“ den Internationalen Tag der Arbeit zum braunen Protesttag machen.

Bis zu 600 Gegendemonstranten verhinderten am Wochenende friedlich den Marsch durch die Innenstadt. Anstatt durch Kaiserstraße und Juliuspromenade zum Echter-Denkmal zu gelangen, mussten die Neonazis, begleitet von einem starken und schwer gerüsteten Polizeiaufgebot, den Weg über Röntgenring und Koellikerstraße nehmen. Ihre Kundgebungen gingen in Sprechchören und Pfiffen unter.

Würzburg ist kein guter Platz für Nazis. Bis zur Machtübernahme 1933 unterlagen sie in den Wahlen der katholischen Zentrumspartei. Nach dem Krieg ließen sich Nationalsozialisten, wie überall, in hohen Ämtern nieder. Als aber der Nervenarzt Elmar Herterich zu Beginn der 1960er Jahre ihre Taten und Verstrickungen aufdeckte, war die braune Seilschaft nicht mehr einflussreich genug, sie auf ihren Posten zu halten.

Als 1970 Hunderte Rechtsextreme aus der ganzen Bundesrepublik in der Frankenhalle die „Aktion Widerstand“ gründeten, antworteten die Würzburger mit einer großen Demonstration; Medien im In- und Ausland berichteten.

Ungestört kann in Würzburg keiner rassistische oder antisemitische Propaganda betreiben, immer gehen Hunderte dagegen auf die Straße. (Neo-)Nazi-Aufmärsche provozieren in Würzburg traditionell unüberhör- und unübersehbares Bekenntnis zu einer freien, weltoffenen und demokratischen Gesellschaft.

Als die NPD im Jahr 2005 das Gedenken an die Zerstörung Würzburgs vom 16. März 1945 für ihre Zwecke instrumentalisieren wollte, riefen die Religionsgemeinschaften, unterstützt von Gewerkschaften, Parteien und Dutzenden weiterer Organisationen und Initiativen, zur Demonstration „Würzburg bunt statt braun“ auf – etwa 7000 kamen. Weitere 1000, Leute aus dem linken Spektrum, gingen in einer zweiten Gegendemonstration auf die Straße und störten massiv den Auftritt von 200 Neonazis.

Fünf Jahre später kündigten Rechtsradikale einen Aufmarsch zum 1. Mai an, kamen dann aber nicht. Dennoch gingen an diesem Tag 6000 Menschen für die Demokratie auf die Straße. Vor einem Jahr, im Januar, als die Mordserie des NSU offenbar wurde, demonstrierten 1000, aufgerufen von der evangelischen Kirche, für eine offene und tolerante Gesellschaft, in der kein Platz für Hass ist.

Tausende Nazi-Gegner erwartet

Das „Freie Netz Süd“ organisiert seit mehreren Jahren Aufmärsche zum 1. Mai. Frank Firsching, Vorsitzender der DGB-Region Würzburg-Schweinfurt und ein Sprecher von „Würzburg ist bunt“, spricht von einer „Besorgnis erregenden Entwicklung“. Die Neonazis radikalisierten sich. Beflügelt durch den NSU-Terror trauten sie sich, noch massiver in der Öffentlichkeit aufzutreten. Andererseits aber freue er sich, weil „es in Würzburg gelingt, ein breites gesellschaftliches Bündnis zu stellen, das sich den Nazis inhaltlich entgegenstellt“.

Und nicht nur inhaltlich. Anzeichen mehren sich, dass die linke Szene nicht daran denkt, die Neonazis am 1. Mai auch nur einen Schritt weit kommen zu lassen. Das Bündnis „Würzburg ist bunt“ dagegen will den Aufmarsch nicht blockieren, sondern im Anschluss an die Demonstration am Unteren Markt ein großes Fest der Demokratie feiern. Der Gewerkschafter Firsching rechnet mit wieder mit mehreren 1000 Teilnehmern.

Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung
    
    

Diesen Artikel

Kontakt Redaktion     An Bekannten versenden     Druckversion
    
    

»Alle 9 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

Jackrrrr (172 Kommentare) am 04.04.2013 18:03

4. Macht im Staat

So wünsche ich mir die Medien: Völlig kritiklos.
Kein Wort darüber, dass die Stadt sinnloserweise die Demo verboten hat (die Niederlage vor Gericht war absehbar) und damit zur Demobilisierung des Bürgerlichen Widerstands maßgeblich beigetragen hat (und nebenbei nochmal n hübsches Sümmchen an Geld verbrannt haben dürfte): In Kitzingen 600 GegendemonstrantInnen und in Würzburg auch. Da Würzburg etwa 6 mal so viele Einwohner hat, hätten trotz Semesterferien eine 4-Stellige Zahl an GegendemonstrantInnen Würzburg gut zu Gesicht gestanden.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
raymond (928 Kommentare) am 04.04.2013 12:45

absolut richtig ....

finde auch das diese Leute , keines falls wieder Fuss fassen duerfen , noch besser waere es ...wieder Arbeitsplaetze zu schaffen , von den man leben , kann und nicht auch noch steuerlich die Abwanderung der Unternehmen ins Ausland zu foerdern , dies kann auf die Dauer nicht gutgehen , leider hat unsere Regierung dies noch nicht erkannt .. grinsen grinsen grinsen
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
appeldorn (826 Kommentare) am 04.04.2013 07:18

Das ist echtes demokratisches Verhalten.

Das Bündnis "Würzburg ist bunt" will sich vernünftig verhalten und im Gegensatz zu den Linken den Aufmarsch nicht blockieren. Das zeigt, wie geschickt man den Nazis die kalte Schulter zeigen kann, ohne auf deren Agitation hereinzufallen.
Das "Auge-um Auge-Denken" der Linken hingegen ist ein Ansinnen, das wenig durchdacht ist und den politischen Gegner nur aufbaut und stark macht.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
Satzung (95 Kommentare) am 04.04.2013 13:38

Bündnisgrundlage "Würzburg ist bunt"

Würzburg ist bunt, nicht braun!
Gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai 2013 in Würzburg!

Das sogenannte „Freie Netz Süd“ hat für den 1. Mai 2013 einen Aufzug angemeldet. Beim „Freien Netz Süd“ handelt es sich um Akteure der militanten Neonaziszene. Sie bezeichnen sich als „nationale Sozialisten“, verfügen über ausgeprägte Strukturen in Süddeutschland, unterhalten institutionelle Beziehungen zu Faschisten in ganz Europa und verfolgen einen sogenannten Plan des „Antikapitalismus von Rechts“.

In den vergangenen Jahren hat eine drastische Radikalisierung der im „Freien Netz Süd“ versammelten Personen stattgefunden. So führen die Spuren des menschenverachtenden Terrors des „Nationalsozialistischen Untergrundes (NSU)“ hin zu Unterstützern des „Freien Netz Süd“. Die Organisatoren vertreten eine extrem antidemokratische, verfassungsfeindliche und rassistische Haltung. Der angekündigte Aufmarsch gewaltbereiter Rechtsextremisten begründet die Pflicht zum Widerstand aller Bürgerinnen und Bürg
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
Satzung (95 Kommentare) am 04.04.2013 17:35

Fortsetzung der Bündnisgrundlage "Würzburg ist bunt"

er der Stadt.

Das Bündnis gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai ist sich darüber einig, dass der 1. Mai in Würzburg gemeinsam als internationaler Maifeiertag und als Tag des Bekenntnisses zu Freiheit und Frieden, zu Gerechtigkeit, Völkerversöhnung und Menschenwürde friedlich begangen wird. Es ist der Tag, an dem gute Arbeit, gerechte Löhne und ein starker Sozialstaat im Mittelpunkt stehen.

Das Bündnis ist sich darüber einig, dass Rechtsextremismus in Würzburg keine Chance haben darf. Rassismus, Ausländerhass, Gewalt, die Verfolgung von Minderheiten, sowie die Hetze gen Linke, Gewerkschafter und Anderdenkende sind mit den Werten einer aufgeklärten Gesellschaft nicht vereinbar. Das Bündnis gegen den Naziaufmarsch am 1. Mai sieht es als seine Verpflichtung an, solidarisch Maßnahmen in die Wege zu leiten, um alten und neuen Nazis am 1. Mai in Würzburg eine klare Absage zu erteilen.

Darüber hinaus treten wir für ein Verbot des „Freien Netz Süd“ ein.
lädt ... nicht eingeloggt noch nicht bewertet schon bewertet ()
Der Diskussionszeitraum für diesen Artikel ist abgelaufen. Sie können daher keine Beiträge zu diesem Artikel verfassen.
    
Anzeige

Testen Sie Ihr Wissen 

Unser wöchentliches Quiz
Acht Fragen rund um ein aktuelles Thema. »mehr
    

Ȇbersicht ePaper

Mainpost Wuerzburg
  Ausgabe:
  Main-Post Würzburg
  Datum:
  22.12.2014

    
Anzeige

Leserbriefe 

Schreiben Sie uns
Wenn Sie uns einen Leserbrief schreiben wollen, dann können Sie das direkt hier tun. »mehr

Prospekte

 

Beilagen