aktualisiert: 06.02.2012 16:23 Uhr
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WÜRZBURG
Würzburger Berufsfeuerwehr übt Eisrettung
Im Ernstfall nach 15 Minuten keine Überlebenschancen mehr
Die Opferrolle will niemand gern übernehmen. Aber sich bei minus 14 Grad Luft- und gerade mal vier Grad Wassertemperatur freiwillig zu melden, um einen ins Eis Eingebrochenen zu spielen, ist schon bewundernswert. Hilmar Schömig mimt rund eine Stunde lang das Opfer und lässt sich daebi mehrmals und auf verschiedene Arten von seinen Kollegen der Berufsfeuerwehr Würzburg aus dem Seitenarm des Mains an der Naturheilinsel retten. Die seit Tagen herrschenden Gefriertruhen-Verhältnisse bescheren den Floriansjüngern die hierzulande seltene Situation, um diese Notfälle wirklichkeitsnah zu üben.
Etwa 20 Meter vom Ufer entfernt steckt Hilmar Schömig in einem sauber herausgesägten Eisloch und wedelt heftig mit den Armen. Oberbrandmeister Georg Janser hat sich schon den Überlebensanzug übergestreift, stürmt die Böschung hinunter und begibt sich aufs Eis. Er trägt ein Spinboard, das ähnlich wie eine Rettungstrage aussieht. Rutschend nähert er sich dem Opfer, legt sein Hilfsmittel neben ihm ab. Sofort packt er den Verunglückten unter den Armen und hievt ihn auf das Spinboard, das an einer Leine befestigt ist. Vom Ufer aus zieht jetzt Oberbrandmeister Thorsten Müller-Janson die Trage an Land.
„Gewisse Ruhe ist nötig“
„Wichtig ist, dass der Verunglückte nicht wild um sich schlägt“, betont Janser. Während des gesamten Einsatzes ist zudem „eine gewisse Ruhe nötig“, jeder muss sich auf den anderen verlassen können. „Das Hand-in-Hand-Arbeiten ist unabdingbar.“ Weder er noch sonst ein Kollege des insgesamt 17-köpfigen Einsatzzuges der Feuerwehr hat schon einmal eine „echte“ Eisrettung erlebt. Das liegt daran, weil es in der Region nur wenig Wasserflächen gibt. Nichtsdestotrotz nutzt man – sofern es „Väterchen“ Frost zulässt – einmal pro Jahr die Möglichkeit, diese Notfälle zu üben.
„Die Kollegen waren sehr schnell, mir ist in meinem Trockentauchanzug noch warm“, meint Hilmar Schömig nach seiner Rettung. Er betont, dass es ihm ohne gerade Kanten am Eisloch sehr schwierig bis unmöglich wäre, selbst wieder aus dem klirrend kalten Wasser zu kommen.
Winter in Unterfranken
Der Winter hat die Region fest im Griff. Schlittschuhlaufen bei Münsterschwarzach, ein Eisbrecher auf dem Main und die Rettungsübung der Würzburger Berufsfeuerwehr. (Video Diem)
Winter in Unterfranken
„Bei solchen Bedingungen wie heute würde jemand, der ins Eis einbricht, rund 15 Minuten überleben“, erklärt Brandinspektor und Lehrtaucher Oliver Binder in sachlichem Ton. Er leitet am Ufer stehend die Übungen, die insgesamt rund eineinhalb Stunden dauern. Der Körper würde auskühlen, der Puls langsamer, die Organe schalteten ab. Letztendlich würde das Unfallopfer untergehen.
Einige Male üben die Feuerwehrmänner ebenfalls die Rettung mit zwei Leitern. Mit diesen Hilfsmitteln verteilt der Retter sein Gewicht auf eine größere Fläche. Die Gefahr, selbst durch die Eisdecke zu brechen, wird geringer. Kniend auf den Leitern bewegt sich der Helfer langsam auf die Unfallstelle zu. „Genau das ist auch der Nachteil dieser Rettungsart, normalerweise ist das Spinboard das Mittel der Wahl“, sagt Binder.
Eine weitere Alternative stellt die Rettung mit dem Flachwasserboot dar, das jetzt die Helfer zu Eis lassen. Die Berufsfeuerwehr hat dieses Boot, das vor allem bei Hochwasser eingesetzt wird, erst seit einigen Monaten, es feiert „Premiere bei der Eisrettung“. Es ist leicht und hat Räder, sodass es drei Männer mühelos übers Eis schieben können. Gerade fischen sie Hilmar Schömig erneut aus dem Wasser und bringen ihn an Land.
Verbindung zum Taucher
Anschließend macht sich Taucher Volker Johannes bereit. Er soll nach einem bereits untergegangenen Opfer suchen; dieser Ernstfall wird aber nur simuliert. Durch die Eisdecke sind die aufsteigenden Luftblasen zu sehen. Plötzlich knallt es: Das Eis knackt, aber es bricht nicht. Keine Gefahr für Oliver Binder, der neben dem Eisloch steht und die Leine - die Verbindung - zum Taucher hält.
Auf einmal piepen die Funkgeräte der Feuerwehrmänner, die vom Ufer aus die Szene beobachten. Brandmelderalarm im Botanischer Garten. Sie rennen zu den Fahrzeugen – mit Blaulicht und Martinshorn verschwinden sie. Nur wenige Sekunden später, als auch die Drehleiter folgen soll, gibt es Entwarnung: Es handelt sich um einen Fehlalarm.
Derweil hält Taucher Volker Johannes eine kleine Unterwasserkamera hoch. Ein Pressevertreter hatte sie ihm gegeben, damit er unter der Eisdecke filmt. Die Kamera war ihm jedoch entglitten, obwohl die Sicht nur rund einen Meter beträgt, entdeckte er sie jedoch wieder.
„Ich bin mit den Übungen zufrieden“, zieht Oliver Binder am Ende eine Bilanz. „Trotzdem gibt es immer noch etwas zu verbessern, um die Arbeitsabläufe zu optimieren.“
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