publiziert: 17.08.2009 18:18 Uhr
aktualisiert: 19.08.2009 10:45 Uhr
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Würzburgerin wollte Fotografen im Main vor dem Ertrinken retten

Sofije Cubrelji: „Ich hätte ihn so gern gerettet“

Am Morgen nach dem tödlichen Unfall am Sonntagabend auf dem Main ist Sofije Cubrelji noch aufgelöst, kämpft mit Tränen. Eine couragierte Retterin ohne Erfolg: „Ich hätte ihn so gern gerettet, aber ich konnte ihm nicht helfen.“

  • „Schlimm zu sehen, wie jemand untergeht“: Sofije Cubrelji zeigt auf die Stelle im Main, wo der Fotograf ertrank. Die Enttäuschung, dass sie ihn nicht retten konnte, ist ihr ins Gesicht geschrieben.
    FOTO Theresa Müller
Bild von

Die 30-jährige Würzburgerin hatte vom Ufer aus gesehen, wie der Fotograf einer türkisch-syrischen Hochzeitsgesellschaft in voller Montur vom Ausflugsdampfer „Alte Liebe“ in den Main sprang, um einen Teil seiner Kameraausrüstung zu retten.

Umgehend sprang Cubrelji hinterher.

Doch der Mann – „er hat anfangs noch wild mit den Händeln gepaddelt und um Hilfe gerufen“ – versank vor den Augen der Frau in den Fluten.
 
Nachdem ihn die Polizei etwa 25 Minuten später leblos aus dem Wasser gezogen hatte, verstarb er wenig später in der Klinik – das traurige Ende einer Hochzeitsfeier, die so fröhlich begonnen hatte.

Cubrelji erzählt von der „trommelnden“ Musik, die ihren Blick auf die „Alte Liebe“ gelenkt hatte.

Sie war am Alten Kranen mit ihrem Mischlingshund Sorbas unterwegs, mit dem sie an einem Anglerplatz kurz vor der Friedensbrücke ans Wasser ging.

Da sah sie, wie ein aufgeregter Mann an der Reling am Heck der „Alten Liebe“ stand, die kurz zuvor abgelegt hatte.

Sie habe noch gerufen, „Nein, tu es nicht“, doch da sprang der Mann schon über Bord, in Hemd, Hose und Schuhen, und habe gleich um Hilfe gerufen.

Cubrelji – „ich sah sofort, dass er nicht schwimmen konnte“ – zog sich schnell das Kleid aus, kämpfte mit ihren Schnürsandalen und sprang in den Main. Doch bevor sie ihn in Flussmitte erreichte, war der Verunglückte unter der Wasseroberfläche.

„Es ist schlimm sehen zu müssen, wie jemand untergeht“, erzählt sie erschüttert.
 
Fast zeitgleich mit ihr sei ein junger Mann vom anderen Mainufer aus ins Wasser gesprungen, doch „reagiert hat ansonsten erst mal niemand“: obwohl viele Passanten am Ufer standen, obwohl sie vom Wasser aus verzweifelt um Hilfe gerufen habe, obwohl „Sorbas“ am Ufer wild gebellt habe.

Auch habe es einige Zeit gedauert, bis man an Bord der „Alten Liebe“ den Unfall bemerkt und das Schiff gewendet habe. Schließlich seien noch zwei Helfer vom Schiff ins Wasser gesprungen.

Als die Rettungskräfte eintrafen, schwamm die junge Frau entkräftet ans Ufer zurück. Bevor sie mit Unterkühlung ins Krankenhaus gebracht wurde, musste sie noch mitansehen, wie der Verunglückte aus dem Wasser gezogen und reanimiert wurde.
 
„Das war schlimm. Ich habe nur gebetet, dass er überlebt“, sagt sie unter Tränen.

Sofije Cubrelji kämpft niedergeschlagen mit den Gedanken an ihren erfolglosen Rettungsversuch.

Derweilen sind von der Polizei keine weiteren Angaben zum Unglück zu erfahren. Nach Information dieser Zeitung ist der Ertrunkene ein Fotograf kurdischer Abstammung aus Hamm.

Er soll Vater von vier Kindern sein.

Von unserem Redaktionsmitglied Holger Welsch
    
    

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Die neuesten Kommentare

schimmel18 (229 Kommentare) am 17.08.2009 22:30

Alle Achtung

Meine Hochachtung an den Rettungsversuch und mein Beileid an die Familie des Fotografen.
(0)
rossi31 (2 Kommentare) am 17.08.2009 20:56

Beherzte Frau mit weißem Kleid und schwarzen Hund

Diesen Text hab ich bereits zum ersten Artikel geschrieben.
Jetzt weiß ich wenigstens wer die tolle Frau ist.
Hervorgehoben werden sollte hier auch der schnelle und äusserst mutige Einsatz der jungen Frau, die vom Mainkaiufer in den Main zur Rettung sprang. Sie schwamm sehr schnell zur Unglücksstelle. Durch Ihren selbstlosen Einsatz wurden erst viele anderen Leute aufmerksam gemacht. Einer hat daraufhin die Rettungskräfte alarmiert.
Es gibt leider viel zu wenig solch chourachierte Menschen.
An dieser Stelle an diese Frau nochmals; klasse gemacht. Auch wenn es am Ende nicht zum Erfolg führte. Allein der Versuch hat Achtung verdient.
Leider gibt es auch in solchen Situationen Chaoten die sich über das Bellen des Hundes lautstark beschwerden. Ich konnte Ihren verängstigten Hund doch schnell beruhigen. Auch ihr Kleid und ihren Haarreif konnte ich aus dem Wasser fischen.
Auch Helfern sollte geholfen werden.
(0)
zeitung_online (35 Kommentare) am 17.08.2009 19:28

Anerkennung

Größten Respekt der Frau die selbstlos in den Main gesprungen ist um zu helfen. Ich hoffe dass sie sich von dem Schock erholt und das Geschehene -vielleicht auch mit professioneller Hilfe- verarbeiten kann.
(0)
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