iWelt-Marathon

Würzburg, 20.5.2012
iWelt-Marathon Würzburg
    
publiziert: 15.05.2011 19:25 Uhr
aktualisiert: 16.05.2011 15:45 Uhr
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Mit Optimismus in die Marathon-Zukunft

Drei Streckenrekorde und 3610 Teilnehmer in Würzburg – Läufer aus Ostafrika gewinnen alle vier Wettbewerbe
  • Mit Spaß ins Abenteuer Marathon: Die B-Gruppe – die Besten waren schon zwei Minuten vorher gestartet – nimmt die 21,1 oder 41,195 Kilometer in Angriff.
    Fotos (4): Norbert Schwarzott
  • Marathonsieger: Titus Kosgei aus Kenia gewann in Rekordzeit.
  • Dritte im Halbmarathon: Carmen Klenk aus Würzburg.
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Könnte Selbstbewusstsein Flügel verleihen, Günter Herrmann hätte am Sonntag problemlos einen Rundflug über Würzburg machen können. Der Rennleiter des iWelt-Marathons in der Domstadt präsentierte sich nach dem Lauf jedenfalls mit stolz geschwellter Brust.

„Ich bin sehr, sehr zufrieden. Das war unsere bislang beste Veranstaltung. Die Teilnehmerzahl (3610) ist zwar ausbaufähig – irgendwann will ich die 5000er-Grenze knacken –, aber drei Rekorde ohne Antrittsgelder, das gibt sehr viel Optimismus für die nächsten elf Jahre“, sagte der Organisations-Chef und Vorsitzende des ausrichtenden Stadtmarathon-Vereins.

Hatte er im Vorfeld noch die mangelnde Unterstützung durch die Stadt beklagt und von einer unsicheren Zukunft für den Marathon gesprochen, so hörte sich das gestern angesichts der rundum gelungenen elften Auflage wesentlich versöhnlicher an. „Wir machen ehrenamtlich eine sehr gute Veranstaltung. Die Stadt wäre schön dumm, wenn sie das nicht nutzen würde“, sagte Herrmann. Man sei in Gesprächen mit den entsprechenden Gremien und befinde sich „auf einem guten Weg“. Und weil ihm zudem schon gestern zahlreiche Sponsoren die mündliche Zusage gegeben hätten, sich weiter für den Marathon zu engagieren, sehe er sehr optimistisch in die Zukunft.

Es wäre ja auch wirklich zu schade, sollte der Marathon aus Würzburg verschwinden. Zwar nervt er so manchen Anwohner, sorgt für Verkehrsprobleme und den einen oder anderen Stau. Aber was ist das im Vergleich zu den tausenden strahlenden Gesichtern im Ziel vor dem Congress Centrum, wenn die gewaltige, 21,1 oder 42,195 Kilometer lange Aufgabe geschafft und der Kampf gegen sich selbst gewonnen ist. Und was gegen die vielen tausend Zuschauer und 19 Bands an der Strecke, die alle – vom Mädchen mit Down-Syndrom bis zum kenianischen Lauf-Ass – enthusiastisch anfeuern.

Vor allem in der Innenstadt spüren die Läufer diese Begeisterung, und die trägt so manchen zu besonderen Leistungen. Selbst die vier Sieger aus Ostafrika – als Profi-Läufer im Frühjahr und Herbst quer durch Europa unterwegs – waren sehr angetan von der Stimmung und Atmosphäre in Würzburg. Marathon-Gewinner Titus Kipchumba Kosgei sprach von einem „perfekten Tag in einer tollen Stadt“. Obwohl der 23-jährige Kenianer den Kurs als „sehr hart“ empfand, schaffte er die 42,195 Kilometer in 2:14:12 Stunden. Das war persönliche Bestleistung und neuer Streckenrekord. Exakt 90 Sekunden besser als der alte und für Kosgei 3100 Euro Preisgeld wert. Mit 900 Euro zufrieden geben musste sich Marathon-Siegerin Mihiret Anamo Antonios aus Äthiopien. Ihr steckten die 25 Kilometer von letzter Woche in Berlin wohl noch zu sehr in den Knochen, um den Streckenrekord zu knacken. So fehlten ihr am Ende nach 2:39:57 Stunden 77 Sekunden zu einer neuen Bestleistung.

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Die schafften dafür die beiden Gewinner im Halbmarathon. Sowohl Charles Korir (1:03:50) als auch Caroline Kwambai (1:14:48) blieben deutlich unter den alten Rekordmarken (1:05:00/1:15:40) und sicherten sich jeweils 1000 Euro Preisgeld. Wenn es die Terminplanung durch ihren Manager zulässt, wollen beide im nächsten Jahr wiederkommen. In Würzburg zu laufen, sei wegen des „engen und sehr anstrengenden Kurses“ zwar eine „ganz große Herausforderung“, aber die Stimmung sei „klasse“ und die Anfeuerung durch die Zuschauer „großartig“ gewesen.

Großartig fühlten sich im Ziel auch Carmen Klenk und Ulf Sengenberger. Beide waren auf Rang drei gelaufen, die Würzburgerin im Halbmarathon (1:21:16), der Kitzinger im Marathon (2:38:55). Für Klenk bedeutete der „Lauf mit Heimvorteil“ den Saisonhöhepunkt. „Ich wollte hier unbedingt aufs Treppchen“, sagte Klenk. Deshalb hatte sich die 37-Jährige von ihrem früheren Trainer, Streckensprecher und Landtags-Abgeordneten Günther Felbinger extra per Telefon Trainingsanweisungen eingeholt und mit Gerald Lehrieder (LG Würzburg) einen „Hasen“ gesucht. Der 48-Jährige begleitete Klenk bis kurz vors Ziel, um dann selbst die zweite Runde anzuhängen und im Marathon (2:50:30) auf Rang sechs zu laufen („Wahnsinn, dass ich das in meinem Alter noch erleben darf“).

Fast zwölf Minuten vor Lehrieder war Ulf Sengenberger schon im Ziel angekommen (2:38:55). Der 42-jährige Yoga-Lehrer und Betreiber einer Praxis für psychologische Beratung und Psychotherapie hat drei Kinder (5, 4 und eineinhalb Jahre) und trainiert deshalb vorwiegend mit dem Babyjogger. In Würzburg ging er „maximales Risiko“, drückte von Beginn an aufs Tempo. Am Ende, „weich geklopft vom Wind“, ging ihm ein wenig die Puste aus, wurde der Lauf „zu einer Sache des Überlebens“. Sengenberger überlebte als „voll zufriedener und super glücklicher“ Mensch.

Nicht ganz so glücklich war Manuel Stöckert (TSV Ostheim). Lange hatte der deutsche Juniorenmeister im Halbmarathon den drittstärksten Kenianer in Schach gehalten, ihn dann kurz vor Schluss aber doch ziehen lassen müssen. So reichte es in 1:07:07 Stunden „nur“ zu Rang vier. „Schade“, sagte der Oberwachtmeister der Bereitschaftspolizei, der zehn bis 14-mal pro Woche trainiert. Aber dem 22-Jährigen, dessen großes Ziel ist, einmal einen Marathon in 2:10 Stunden zu laufen, gehört die Zukunft. So wie hoffentlich dem Würzburger iWelt-Marathon.

Von unserem Redaktionsmitglied Günther Schwärzer
    
    

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Die neuesten Kommentare

urturm (83 Kommentare) am 16.05.2011 12:06

Da kochen die Glückshormone über!

Das hat sich der ehrgeizige Organisator sicher auch verdient.
Nüchtern betrachtet war es zumindest aus Läufersicht eine ziemlich fade Angelegenheit.
So wenige Zuschauer habe ich die letzten drei Jahre nicht erlebt. Insbesondere auf der zweiten Runde, da wo es weh tut waren die Straßen wie leer gefegt, teilweise hatten sich Bands schon verkrümelt. Keine Musik, keine Zuschauer in der Kaiserstraße bin ich etwa zehn Menschen begegnet - traurig!
Weder die Stadt noch ein großer Teil ihrer Bewohner scheinen sich etwas aus dem Marathon zu machen. Werbung für die Stadt, internationales Publikum, gemeinsam feiern,anscheinend alles wertlos?!
Wen interessieren da die Rekorde, aufgestellt von Läufern aus Afrika?
Die Zahlen, insbesondere im Marathon werden weiter zurückgehen solange es den Zweirundenkurs gibt und Würzburg weiterhin so engagiert bleibt!

Dank an alle, die uns Läufer unterstützt haben!!!
(1)
gossmannsdorfer (77 Kommentare) am 16.05.2011 17:26

Marathon-Zukunft

Hallo Läufer, der Zenit der Teilnehmer- und Zuschauerzahlen scheint überschritten zu sein. Ich laufe am 22. den Hamburg-Marathon (zum 23. Mal) und diesmal sind einige Tausend Teilnehmer weniger gemeldet. Ich hoffe aber, dass die Zuschauermassen auch am Sonntag wieder so toll anfeuern wie bisher immer. Das liegt hier daran, dass die Strecke durch die schönsten Stadtteile führt (Elbe, Hafen, Binnenalster, Außenalster etc.). Ich kenne aber auch die öden einsamen Kurse (z.B. 2 Runden in Bad Füssing im Winter).
Ich hoffe, du warst aber sonst mit deinem Lauf zufrieden - alles Gute
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