iWelt-Marathon

Würzburg, 18./19. Mai 2013
iWelt-Marathon Würzburg
    
publiziert: 20.05.2012 19:58 Uhr
aktualisiert: 20.05.2012 20:12 Uhr
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Die Kettenläufer und der Weltrekord

73 Cabanauten kommen beim Würzburger Marathon angeleint und zusammen nach 6:40 Stunden ans Ziel und nun ins Guinness-Buch
  • Guiness-Weltrekordler: John Caba (Mitte) und seine Kettenläufer.
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Klar, die müssen einfach einen an der Klatsche haben. 42,195 Kilometer rennen ist alleine ja schon stressig genug. Aber angekettet? Zusammen mit 73 teilweise wildfremden Menschen? Wer, bitte schön, hat solche Ideen? John Caba heißt der Mann, der permanent Leute sucht, die eine ähnliche Meinung über aktiven Sport verinnerlicht haben wie er selbst: „Spaß haben, Treffen vereinbaren, Party machen und Sport treiben ohne Druck und ohne Streben nach Platzierungen“ sind die Beweggründe des 50-jährigen Frankfurters, der sich selbst als 29-jährigen Extrem-Fun-Sportler ausgibt und seine Mitstreiter Cabanauten nennt.

    
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Die sind natürlich auch alle 29 Jahre jung, kommen aus vielen Teilen Deutschlands und sogar Europas, kennen sich meistens nur über das Internet – oder sind zusammengeschweißt durch einen der beiden letzten Kettenmarathons. „Wir waren schließlich schon einmal Weltrekordler“, erzählt John Caba, „doch die Engländer haben uns den Eintrag im Guiness-Buch abgejagt. Jetzt holen wir ihn uns in Würzburg wieder“, sprach Caba, der, wenn er nicht gerade Kettenmarathons organisiert, Wettrennen durch die Wüste macht oder in Pamplona vor Stieren davonläuft. „Ein bisschen verrückt ist das natürlich, aber es macht Spaß – und wenn das mit einer Gruppe von Gleichgesinnten geht, macht das doppelt Spaß.“

Halbnackte Wikinger

Kettenmarathon in Würzburg also: Es ist 8 Uhr, am Congress Centrum auf der Startmeile liegt ein gut 40 Meter langes Stahlseil. Alle Meter sind jeweils rechts und links weitere, etwas dünnere Ketten angebracht. Menschen hängen noch nicht an den Karabinerhaken, obwohl John Caba mitgeteilt hat, dass ab 7.30 Uhr angekettet wird. Aber das macht gar nichts, die Leute holen sich noch ihre Startnummern. So langsam aber wird's was: Halbnackte Wikinger, grüne Grashüpfer oder auch einfache, gut gelaunte Läufer scharen sich um die Kette, um sich den Weltrekord zurückzuerobern. Die aktuelle Bestmarke im Guiness-Buch beläuft sich auf 63 Kettenrenner. „2012 wird uns nichts aufhalten können, um diesen Rekord wieder nach Hause zu bringen“ – die Parole ist ausgegeben, jetzt geht es an die Verwirklichung. Die Frauen sollten eigentlich links vorne angekettet werden. Denn sollten sie mal auf der Strecke für kleine Marathonis müssen, geht das ja nicht vor 72 weiteren Augenpaaren. Da wird sich gesammelt und schön vor dem Dixie-Klo gewartet.

John Caba kommt jetzt auch: Verkleidet als Mischung aus Popeye und Sumo-Ringer, mit flauschigen, grünblauen Badelatschen („Ich versuch' mal, mit denen die Marathon-Strecke zu laufen, ansonsten schlepp' ich mal ein paar Turnschuhe mit“), heizt er schon mal die Stimmung an: „Alle da zum Weltrekord?“

Das Abzählen entpuppt sich als schwierig, weil Cabanauten nicht ordentlich deutsch diszipliniert, sondern nur lustig sind. Weil es sich aber um einen offiziellen Weltrekordversuch handelt, schafft es ein Würzburger Anwalt – Jörg Kessel, offiziell für den Guiness-Buch-Eintrag verpflichtet – die Kettenläufer zu zähmen und zu zählen.

„Wo bleibt jetzt das Bier?“

„Wir laufen Kette, Kette laufen wir“, ist der Schlachtruf, der ab und an ergänzt wird mit der Frage: „Und wo bleibt jetzt das Bier?“ Das geht natürlich nicht wegen der drohenden Pinkelpausen. Denn nur 5:30 Stunden haben die Cabanauten Zeit: Wenn nur ein einziger Läufer oder eine einzige Läuferin schwächelt und abgekettet werden muss, ist die Sache gegessen. John Caba stachelt an und beruhigt: „Natürlich wollen wir den Rekord, aber nicht auf Teufel komm raus. Wir stoppen sofort, wenn jemand schwächelt.“

Es ist zehn nach neun, als die Kettenläufer in ihre Trillerpfeifen und zum Angriff auf den Weltrekord blasen. Als Allerletzte gestartet, schnappt sich die durchaus sportliche Gruppe schon in der Mainaustraße die ersten Einzelläufer.

Aber es wird anstrengender, die Hitze kommt dazu, der Durst und die Angst jedes Einzelnen, es nicht zu schaffen. Aus der Gaudi wird natürlich Sport, denn 42,195 Kilometer sind hart. Sehr hart. „Wir hatten massive Probleme, die Hitze hat uns zugesetzt, wir waren knapp dran, aufzugeben“, sagt John Caba irgendwann am späten Nachmittag ziemlich kaputt. Sie schaffen es einfach nicht, in 5:30 Stunden ans Ziel zu kommen. Lange sind die letzten Sololäufer schon beim Duschen, die Polizei hebt inzwischen die Straßensperren auf und bitten die Kettenläufer aufzugeben. „Aber Cabanauten geben nicht auf. Ich habe den Polizisten gefragt, ob wir auf den Gehsteigen weiterlaufen dürfen. Er hat's genehmigt.“

6:40 brauchen die Kettenläufer, dann sind sie am Ziel – und werden mit zwei Überraschungen belohnt: Der Weltrekord der 73 Cabanauten wird anerkannt, und das Organisationsteam – längst schon fertig – macht sich noch mal daran, den Läufern etwas zu essen zu machen. „Das war sensationell. Danke Würzburg“, sagt John Caba, der ziemlich viele Blasen an den Füßen hat. Obwohl er doch mit Plüsch-Sandalen den Marathon absolviert hat. Aber einem Weltrekordler macht das dann auch nichts mehr aus.

Von unserem Redaktionsmitglied Hans-Peter Breunig
    
    

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