publiziert: 11.10.2011 18:52 Uhr
aktualisiert: 12.10.2011 18:33 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text ROTTENBAUER/FUCHSSTADT
Erschossene Krähen empören Tierschützer

Bauer hängt auf Feld in der Gemarkung Reichenberg/Fuchsstadt tote Krähen zur Abschreckung am Kopf auf
  • Mittelalter in moderner Flur: Das Ende einer Krähe in der Flur zwischen Rottenbauer und Fuchsstadt erregt zumindest die Naturschützer.
    Foto: Susan Leugner
Bild von

Als Susan Leugner vor wenigen Tagen mit ihrem Hund in der Flur zwischen Rottenbauer und Fuchsstadt spazieren ging, traute sie ihren Augen nicht. An durch Folien bedeckten Gärsilos am Feldrand hingen – an den Köpfen aufgehängt – zwei tote Krähen. Ein fürchterlicher, besonders für Kinder unzumutbarer Anblick, meint sie empört. Vor allem weil sie in dem martialischen, mittelalterlichen Szenario absolut keinen tieferen Sinn erkennen kann. Vermutet wurden bei den toten Tier zunächst geschützte Saatkrähen, die in der Stadt und im Umland seit Jahren verfolgt werden.

Als ehrenamtlich aktive Tierschützerin schaltete Susan Leugner den Tierschutzverein ein, dieser wiederum die Polizei, die seit Freitag ermitteln wollte. Es geht es nämlich nicht nur um eine moralische Frage, sondern um mögliche Verstöße gegen die Tierschutz- und Naturschutzgesetzgebung.

Auf Nachfrage unserer Redaktion hatte die Polizei die Tiere bis Dienstagmittag allerdings noch nicht gesehen. Am späten Nachmittag meldete sich die Polizeiinspektion Land bei der Redaktion. Laut Aussage eines Polizisten, der auch Jäger sei, handle es sich bei den Tieren nicht um Saatkrähen, sondern um ungeschützte Rabenkrähen. Diese seien nach Aussagen des Landwirts tatsächlich geschossen und zur Abschreckung aufgehängt worden, um die Ernte zu schützen. Die Krähen würden die Folien aufhacken und den Futtermais herauspicken, so die Polizei.

Gleich ob Saat- oder Rabenkrähen – nach einer Woche am „Galgen“ wurde nur noch ein totes Tier zerfleddert und zerwurmt vor Ort gefunden. Mit einem wütenden Landwirt und einigen Fragezeichen.

Dass hier in jedem Fall ein justiziabler Verstoß vorgelegen hätte, sollte es sich um Saatkrähen handeln, davon geht Anne Schneider von der Landesgeschäftsstelle des Bundes für Vogelschutz aus. Saatkrähen sind nach dem Bundesartenschutzgesetz als besonders gefährdet eingestuft und deshalb besonders geschützt.

Ein Abschuss wird grundsätzlich nur mit Genehmigung erlaubt, ebenso eine Vergrämung. Sollten die Tiere vorher vergiftet worden sein, liegt ein besonderer Verstoß gegen die Naturschutzgesetze vor. Im Raum Würzburg gibt es noch die größten Saatkrähen Kolonien Bayerns. Soweit sie zuletzt in Heidingsfeld oder im Frauenland auftauchten, wurden sie auch massiv bekämpft. Vor allem wegen ihres Lärms und der Verschmutzung während der Brutzeit, die allerdings nur wenige Wochen dauert.

Die Kreisvorsitzende vom Bund Naturschutz, Karin Miethaner-Vent, ist zwar einmal mehr empört, aber kaum überrascht. „Es gibt hier offensichtlich Krähen-Hasser“, sagt sie, wahrscheinlich müsse man hier in Würzburg dem langen Register ein neues Kapitel hinzufügen. Sie erinnert daran, das auch in Heidingsfeld schon einmal Krähen an der Stadtmauer aufgehängt worden sind. Die Kolonien werden in Würzburg hin- und hergetrieben. Rabenvögel seien bei den Leuten unbeliebt.

Welche Beweggründe ein Landwirt aber heute haben könnte, auf diese Weise seiner Wut gegen Krähen Ausdruck zu verleihen, sei ihr unverständlich. Dass sie junge Saaten fressen, sei längst wissenschaftlich widerlegt. Miethaner-Vent weiß natürlich auch, dass Jäger schon immer etwas gegen Rabenvögel haben, weil sie angeblich Schäden bei Jungtieren wie Hasen anrichten und Nesträuber bei Vögeln sein sollen. Doch da sei gar nichts bewiesen. Und nach wie vor gebe es in der Stadt regelrechte „Vernichtungsaktionen“ gegen die Krähen.

Das Thema, dass Krähen verdächtigt werden, in der Landwirtschaft Schäden anrichten, ist nicht neu. Deshalb gibt es Untersuchungen vom Mageninhalt der Tiere, die schon weit über 100 Jahre alt sind, und zu keinen anderen als neuere wissenschaftliche Erkenntnisse kommen. Demnach ernähren sich die Krähen zum größten Teil von Regenwürmern, verschiedenen Schneckenarten und Käfern. Daneben auch von Säugetieren wie Mäuse, allerdings auch von Vogelgelegen.

Von unserem Redaktionsmitglied Richard Wust
    
    

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»Alle 60 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

fuertiere (233 Kommentare) am 09.11.2011 14:30

gegen die Jagd !!!

Zugvögel wie Wildenten, arktische Gänse, Schnepfen und Wildtauben sind beliebte Zielscheiben in Deutschland. Hier beschränkt sich die "Hege" oft ausschließlich auf den Abschuss. Rund 1,5 Millionen Zugvögel werden in jedem Jahr in Deutschland geschossen Beliebt ist daneben auch die Jagd auf handzahme Wildtiere, vor allem Wildschweine, in so genannten "Jagdgattern".
Effektive Jagdkontrollen fehlen, anders als in allen anderen EU-Ländern, in Deutschland weitgehend. Sie müssen hier nämlich von den Jägern selbst vorgenommen werden. Illegale Greifvogelabschüsse, Vergiftungsaktionen gegen "Raubwild" und andere Verstöße gegen Jagd- und Naturschutzrecht sind deshalb in vielen Revieren immer noch an der Tagesordnung.
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Jagdgegner (4 Kommentare) am 14.10.2011 19:12

Respektlose Hobbyjäger

......da die Hobbyjäger keinerlei Respekt vor dem Leben der Tiere haben und zudem auch noch das Töten dieser Tiere zum Zeitvertreib machen, dürfen diese Hobbyjäger nicht auf den Respekt hoffen, den sie anderen Lebewesen absprechen.
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Jagdgegner (4 Kommentare) am 14.10.2011 17:45

Respektlose Hobbyjäger

......da Hobbyjäger keinerlei Respekt vor dem Leben der Tiere haben, und auf alles schießen was nur im entferntesten nach Wild aussieht, auch wenn es keins ist und es nicht einmal richtig zu Gesicht bekommen, die Jagdunfälle sprechen für sich, dürfen sie ebenfalls keinen Respekt von denjenigen erwarten, die die Tiere vor diesen Subjekten schützen wollen.
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reutjo (1660 Kommentare) am 14.10.2011 07:39

was ist denn da los.....?

kaum is mer mal weggeflogen, scho gibts 54 Kommentare
wegen di 'Kraken', die sich doch gegenseitig ke Aug aushacken...tztztz
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evakurt (2618 Kommentare) am 13.10.2011 16:28

Es ist hochinteressant,

wie eng das mediale Raster bei Kleinem ist, nur weil man es sieht, während das Raster für das Große, das man nicht sieht, gar nicht grob genug sein kann. Es scheint ein ungeschriebens Gestz zu geben, wonach der Beschäftigungsaufwand mit einem Thema in umgekehrten Verhältnis zu dessen Bedeutung steht.
(4)
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