Residenzlauf

29. April 2012
Residenzlauf Würzburg
    
publiziert: 17.04.2011 22:00 Uhr
aktualisiert: 17.04.2011 22:42 Uhr
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Ein Festival der Rekorde durch Kenias Asse

Würzburger Residenzlauf

Leonard Komon und Doris Changeywo sorgen für neue Bestmarken – 4674 Teilnehmer

Rekord-Festival beim 23. Würzburger Residenzlauf: Sowohl bei den Männern als auch bei den Frauen stellten Kenias Lauf-Asse am Sonntag vor etwa 10 000 Zuschauern neue Bestleistungen auf. Weltrekordler Leonard Komon verbesserte mit seiner Siegerzeit (27:32 Minuten) nicht nur die alte Bestmarke seines Landsmanns Moses Kigen aus dem Jahr 2003 um satte 16 Sekunden, er machte den Würzburger Lauf auch zum zweitschnellsten in Deutschland. Nur auf Berlins Straßen wurden die zehn Kilometer in deutschen Landen bislang schneller absolviert (27:12). Bei den Frauen setzte sich mit Doris Changeywo eine alte Bekannte durch. Die 26-Jährige hatte schon 2008 den Residenzlauf gewonnen. Damals hatte sie den Streckenrekord (31:30) noch um fünf Sekunden verfehlt, diesmal war sie in 31:26 Minuten vier Sekunden schneller als Wude Yimer aus Äthiopien im Jahr 2006.

„Es zählen für uns zwar keineswegs nur die Rekorde, aber es ist natürlich schön, wenn es sie gibt“, freute sich Peter Müller-Reichart. Noch mehr als die tollen Zeiten gefielen dem Chef-Organisator die einmal mehr prächtige Stimmung rund um die Residenz und der perfekte Ablauf der Veranstaltung. Kein Unfall, keine Panne. Trotz mehrerer Baustellen auf der Strecke lief alles glatt. Die Teilnehmer hätten eine „unwahrscheinliche Disziplin“ gezeigt, so Müller-Reichart. Mit 4764 blieb deren Zahl zwar weit unter der des Vorjahres (7029), aber wegen des Ferientermins fehlten diesmal allein schon mehr als 2000 Schulkinder. „Die Stimmung war trotzdem keinen Deut schlechter als sonst“, sagte der Chef-Organisator. Er bedankte sich „ganz herzlich“ bei seiner großen Helferschar und war sich sicher, vielen Menschen „einen tollen Tag“ geboten zu haben.

Den hatte in jedem Fall Alfred Langenbrunner. Der Sportliche Leiter hatte mit Hilfe des Berliner Athletenbetreuers Christoph Kopp beim „Lauf der Asse“ das zweifelsfrei beste Feld in der Geschichte des Residenzlaufs an den Start gebracht. Bekanntester Athlet dabei: Leonard Komon. Der Weltrekordhalter im 10-km-Straßenlauf (26:44) war am Samstag von Nairobi kommend in Frankfurt gelandet und wird dort am Montag wieder Richtung Heimat abheben. Der Kurzausflug nach Würzburg hat sich für alle Beteiligten gelohnt. Komon darf sich durch seinen flotten Lauf wohl über knapp 2000 Euro an Prämien freuen, Langenbrunner über eine enorme Wertschätzung des Residenzlaufs in der Sportwelt. Weil auch bei den Frauen die Bestmarke fiel, wird Würzburg in diesem Jahr in der Weltrangliste der 10-km-Straßenläufe weit vorne stehen, vielleicht sogar ganz an der Spitze.

Das ist umso erstaunlicher, als der 2,5-km-Kurs rund um die Residenz als einer der schwierigsten unter den renommierten Straßenläufen gilt. Das bestätigten am Sonntag auch die beiden Sieger. „Extrem hart, fast schon brutal“, sei die Strecke, meinte Komon. Dass der 23-Jährige nach extrem flotten Beginn (2:32 Minuten für den ersten Kilometer) und auch zwischenzeitlich hohem Tempo (2:42 bis 2:48) am Ende trotzdem noch zulegen (2:38 für den letzten Kilometer) konnte, zeigt sein außergewöhnliches Potenzial. Wieder daheim in Kenia will er sich ganz auf die Bahnsaison konzentrieren und über 10 000 Meter für die WM im August in Südkorea qualifizieren.

Das gleiche Ziel verfolgt auch Doris Changeywo. Angesichts ihrer Klasseleistung von Würzburg ist ihr das auch zuzutrauen, zumal sie noch gehörig Luft nach oben sieht. Die 26-Jährige war zwar „froh und glücklich“, den „sehr schwierigen und windigen“ Kurs in neuer Rekordzeit absolviert zu haben, fühlt sich aber noch lange nicht in Topform. „Ich kann noch um einiges schneller laufen und werde das auch noch beweisen“, sagte die Kenianerin nach ihrem Sieg.

Mit Martin Beckmann stellte sich diesmal auch ein deutscher Athlet der Übermacht aus Afrika. Der Marathonläufer aus der Nähe von Stuttgart wollte in Würzburg seine Tempohärte trainieren. „Ich wollte unter 30 Minuten bleiben“, sagte Beckmann. Nach einem couragierten Lauf blieb die Uhr für ihn im Ziel bei 29:56 Minuten stehen. „Das war Maßarbeit“, freute sich der 33-Jährige. Er möge die Jungs aus Kenia ja sehr, „aber ich hätte gerne ein paar mehr blasse Typen wie mich im Feld“, sagte Beckmann und forderte mehr Beteiligung aus Deutschland. Das freilich ist so ziemlich das Einzige, was sich beim Residenzlauf noch verbessern lässt.

Der Lauf in Zahlen

Hauptlauf

Männer: 1. Fiederling (FC Dörlesberg) 34:04 Minuten, 2. Zabel (o.A.) 34:30, 3. Kolesch (TV Ochsenfurt) 34:46, 4. Müller, B. (SpVgg Leinach) 35:02, 5. Diekow (Team-Laufstil/Stadtmarathon) 35:44, 6. Schüller (o.A.) 35:53, 7. Arens (o.A.) 36:07, 8. Müller, D. (Siegen) 36:23, 9. Griesbeck (Peißenberg) 36:39, 10. Schmidt (LG Hassberge) 36:42

Frauen: 1. Klenk (SG Stern Würzburg) 37:35, 2. Volkert (Distelhäuser Lauftreff) 39:54, 3. Haag (Niederstetten) 40:54, 4. Wahl (Speed-Max-Team) 41:45, 5. Ujhelyiova (Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät) 42:14, 6. Wild (TG Hassberge) 42:22, 7. Weh (Lifestyle Würzburg) 42:45, 8. Luksche (SV Würzburg 05) 43:08, 9. Schoerner (MatriDu-Gefrees) 43:10, 10. Scherzant (Siegen) 43:11

 

Lauf der Asse

Männer: 1. Komon (Kenia) 27:33, 2. Cheshari (Kenia) 27:57, 3. Ayeko (Uganda) 28:02, 4. Chebii (Kenia) 28:03, 5. Langat (Kenia) 28:04, 6. Muge (Kenia) 28:13, 7. Chirchir (Kenia) 28:18, 8. Mbishei (Kenia) 28:25, 9. Bane (Äthiopien) 28:54, 10. Kimeli (Kenia, USC Heidelberg) 29:08

Frauen: 1. Changeywo 31:26, 2. Chemtai 31:27, 3. Jepkoech 32:23, 4. Chebet Muge 32:30, 5. Lisoreng 32:44, 6. Chebichii 32:47, 7. Chelimo 32:51, 8. Chepkonga 33:41, 9. Chepkemei 33:42, 9. Cheboi (alle Kenia) 33:42

Von unserem Redaktionsmitglied Günther Schwärzer
    
    

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