aktualisiert: 18.10.2010 15:34 Uhr
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SCHWEINFURT
Meine Maschine und Ich: Der Motorrad-Flüsterer
Meine Maschine und ich: Günter Kaufmann hat eine ganz besonders enge Beziehung zu seinen Zweirädern
Zum Motorradfahrer haben Kumpels Günter Kaufmann vor genau 50 Jahren gemacht. Einige seiner Freunde fuhren damals eine 250er Adler, Zweitakter, zwei Zylinder. Ein wenig die Abenteuerlust, vor allem aber „der Ton hat mich fasziniert“, nennt der heute 70-Jährige als Grund dafür, dass er 1960 – 20-jährig – beschloss, sich auch eine Maschine zu kaufen. Der Anfang war bescheiden, ein Zündapp Bella Roller, ein Zweitakter mit einem Hubraum von 200 ccm.
In den späten 1960ern kam Yamaha nach Deutschland, und die hatten ein Motorrad im Programm, das in jeder Hinsicht der „Adler“ glich: Zweitakter, 250 Kubikzentimeter, zwei Zylinder. In einer Motorradzeitschrift bot ein Nürnberger Motorradfahrer dann just eine solche gebrauchte Yamaha an, in einer Gartenlaube wurde man sich einig. Yamaha und Günter Kaufmann sind bis heute unzertrennlich.
Probleme selbst beheben
15 Yamaha-Motorräder hat Günter in den fünf Jahrzehnten nicht nur gefahren, er hat sie gehegt, gepflegt, ein wenig auch geliebt. Eine seiner Lieblingsmaschinen war eine 1988 gekaufte Zweitakt-Yamaha mit 500 Kubik und vier Zylindern. „Da bin ich leistungsmäßig ein wenig aufgestiegen“, sagt er. Diese Maschine habe es damals aber „wegen des ganz seltenen Motorenkonzepts“ sein müssen. „Ich wollte auch die Technik verstehen“, erklärt er seinen Drang, von Anfang an auftretende Probleme selbst zu beheben.
Seine erste Reparatur war eine falsch eingestellte Zündung. Viel hat er durch Zuschauen gelernt, viel durch Fragen. Er hat Reparaturanleitungen studiert und „einfach ausprobiert“. Dass er heute einen Zweitakt-Motor komplett auseinanderlegen und in überschaubarer Zeit wieder zusammenbauen kann, „das habe ich mir alles selbst beigebracht“, lacht er.
Immer wieder sind es die Kolben, die Kummer machen. Da ist Günter Kaufmann mittlerweile Spezialist. Die bisher härteste Reparatur war ein Kolbenfresser, „zum Glück“ hatte er auf dem Weg zu einem Grand Prix in Jugoslawien – als Zuschauer – einen Reservekolben dabei. Kaufmanns mittlerweile tiefergehende technischen Kenntnisse haben kürzlich einen Kolbenfresser verhindert. Günter war mit dem Zweitakter unterwegs – „als der Motor plötzlich nachließ, da habe ich gemerkt, dass sich was anbahnt“. „Um den Schaden im Minimalbereich zu halten“, erreichte er Schweinfurt mit verminderter Drehzahl, oftmaligem Auskuppeln und damit „rollen lassen“.
Eine Zweitakter fährt Günter Kaufmann noch heute – „ich bin ihr treu geblieben wegen der spritzigen Kraftentfaltung in dieser Hubraumklasse“, begründet er. Dass seit 1994 aber auch eine Viertakter-Yamaha (zwei Zylinder, 850 ccm, 83 PS) in seiner Garage steht, die auch Werkstatt und Lagerhalle ist, das sagt Günter Kaufmann fast ein wenig entschuldigend: „Einfach, um ruhiger Motorrad zu fahren, ein größerer Hubraum verschafft automatisch mehr Ruhe.“ Wenngleich der Motorradfahrer aus Leidenschaft hier klar macht, dass das Hobby für ihn nie Geschwindigkeit bedeutet habe, sondern Freude am Fahren: „über Passstraßen, in Kurven und dabei Natur erleben“.
Jede Wartung macht er selbst. Wenn ein Kumpel Probleme hat, Günter Kaufmann weiß Rat. Fast täglich schraubt und tüftelt er an irgendeiner Maschine. Als wir das Interview führen, fährt gerade ein Motorrad vorbei. Der Motorrad-Enthusiast hat den Kopf garantiert nicht gehoben, aber er sagt: Zweitakter, Suzuki. Es hat gestimmt.
Ist schon mal eine Reparatur misslungen, hat er mal vor Wut einen Schlüssel an die Wand geworfen? Günter Kaufmann lächelt: „Die eine oder andere Bastelei hat vielleicht ein wenig länger gedauert, aber ich bleibe immer ruhig, weil ich weiß: Ich löse das Problem.“
Motorradfahren, Schrauben, Basteln, Tüfteln, das ist die „absolute Entspannung“, sagt der Motorradfreak und erklärt dem Reporter im Zusammenhang mit dem Thema Kolben irgendwas von Abmagerung im Bereich des Luftfilters und des Vergasers. Er merkt, dass er vielleicht ein wenig zu fachspezifisch war und fügt an: „Ich habe zu Motorrädern eben einen echten Bezug.“
Meine Maschine und Ich
Mit der Serie „Meine Maschine und Ich“ wollen wir auf eine heutzutage selbstverständliche, aber in vielen Fällen dennoch besondere Verbindung von Menschen zu technischem Gerät eingehen. Wir leben in einer technisierten Welt, ohne Technik kein Fortschritt, klar, weil Technik für uns eigentlich normal ist. Dennoch gibt es Technik und Maschinen, zu denen bestimmte Menschen eine besondere Nähe gefunden, wenn nicht sogar eine Art Liebe entwickelt haben. Für sie ist ihre „Maschine“ etwas Besonderes und sie haben deshalb auch etwas zu erzählen. Die heutige Geschichte von Mike Mangold und seiner Espressomaschine ist der Auftakt. Wer etwas über „seine Maschine“ zu erzählen hat, der kann sich melden unter Tel. (0 97 21) 548 88 42 oder red.schweinfurt@mainpost.de
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