aktualisiert: 19.11.2010 17:13 Uhr
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GEROLZHOFEN
Immer sonntags auf zwei Wienerli mit Senf
Die Waldesruh war in den 60ern Erholungsheim und ein äußerst beliebtes Naherholungsziel
Jägerklause, Jugendherberge, Außenstelle des Ebracher Zuchthauses, Erholungsheim und Klinik für Chinesische Medizin – all das war die Waldesruh schon in ihrer 86-jährigen Geschichte. Fasziniert hat dieser Fleck Erde die Menschen schon immer, zum einen wohl wegen seiner Abgeschiedenheit, zum andern auch wegen seiner hervorragenden Aussicht auf das Gerolzhöfer Land.
In den 60er Jahren hatte die Waldesruh eine überragende Naherholungsfunktion. Zu dieser Zeit gehörte sie der Firma Kugelfischer in Schweinfurt, die sie 1942 von Architekt und Jäger Johann Bachmann erworben hatte. Die Familie Schäfer als Besitzer tat in dieser Zeit viel für ihre Mitarbeiter. Nach dem Krieg ab 1952 stand die Waldesruh den Betriebsangehörigen zur Erholung und zu Bildungszwecken zur Verfügung. Meistens für 14 Tage schickte Kugelfischer seine Leute zur Erholung in die beschauliche Waldeinsamkeit. Die 60er Jahre gehörten zweifellos zur Blütezeit des Erholungsheims, in dem Platz für 48 Gäste war.
„Die Einbindung der Waldesruh in das firmeneigene Sozialprogramm traf auf vielfältigen Zuspruch, nicht nur bei den Betriebsangehörigen“, schreibt Michael Brehm, der in der heute in der Waldesruh untergebrachten Klinik am Steigerwald zuständig für die Öffentlichkeitsarbeit ist und zum 80-jährigen Bestehen der Waldesruh 2004 zahlreiche Daten und Fakten über sie zusammengetragen hat.
Eng verbunden ist die Waldesruh mit dem Namen Sabisch. August Sabisch und seine Frau Gertrud waren seit 1952 für die Betreuung der Gäste zuständig und hatten die Verantwortung für den laufenden Betrieb. Sein Sohn Alfons und seine Frau Maria setzten die Familientradition mit ungebremstem Eifer fort. Dabei war die Infrastruktur auf der Waldesruh für einen derart großen Wirtschaftsbetrieb alles andere als ideal. Erst ab 1951 gibt es Strom durch ein Notstromaggregat und erst acht Jahre später wurde die Waldesruh an das Stromnetz angeschlossen. In dieser Zeit entstand auch die Kegelbahn. Sie war bereits elektrisch betrieben und weit und breit eine Besonderheit.
Aber immer noch, jetzt bereits mitten in den 60ern, war die Waldesruh ohne fließendes Wasser. Während vorher das kostbare Nass in Kannen von der 1,5 Kilometer entfernten Hubertus-Quelle geholt werden musste, brachte es ab 1959 die Werksfeuerwehr von Kugelfischer in Tanks auf die Waldesruh. 1000 Liter reichten für zehn bis 14 Tage. Für die morgendliche Wäsche und die Tageshygiene mussten die Gäste in den Pensionszimmern mit streng rationiertem Wasser in Kannen und Schüsseln auskommen. Erst 1964 kam das Fernwasser auf die Waldesruh. 1969 bis 1971 errichtete Kugelfischer das neue Gästehaus, das heute Patiententrakt der Klinik am Steigerwald ist.
Auf der Waldesruh erholten sich die Kufi-Mitarbeiter nicht nur vom Arbeitsalltag, es gab dort auch viele Feste, Jubiläumsfeiern und die berühmten Schlachtschüsseln. In den 40 Jahren von 1952 bis 1992, als Kugelfischer das Erholungsheim aufgab, verbuchte die Waldesruh 171 000 Übernachtungen. Zuerst schickte die Firma Kugelfischer ihre aktiven Mitarbeiter dorthin, später dann nur noch die Pensionisten.
Nicht nur für Kufi-Leute
Doch nicht nur für die Kufi-Leute war die Waldesruh ein beliebter Aufenthaltsort. Das Erholungsheim öffnete seine Pforten – bis auf die Essenszeiten für die Hausgäste – auch für die Allgemeinheit. Aus Gerolzhofen und den umliegenden Orten wanderten die Menschen damals besonders an Sonntagen in Scharen zur Waldesruh. Für viele gab es nichts anderes, als den Sonntagnachmittag dort zu verbringen.
Zu ihnen gehört auch die Gerolzhöferin Irene Schmitt. Sie erinnert sich noch sehr gut an die „Wienerli mit Senf und Brot“, die die Kinder zusammen mit einer Bluna auf der Waldesruh bekamen. Das war damals etwas Besonderes. „Das Brot war so gut wie nirgendwo sonst, wir haben es extra ganz langsam gekaut, um möglichst viel davon zu haben“, schwärmt Schmitt.
Die Väter tranken meist ihre Maß Bier aus dem Steinkrug, für die Mamas gab es Kaffee und Käse- oder Streuselkuchen. „Etwas anderes hatten wir damals nicht“, sagt Christine Rippstein, geborene Sabisch, die ihren Eltern Alfons und Maria an Sonntagen und bei Schlachtschüsseln an der Theke half. Sie weiß noch sehr gut, dass an Vatertagen der Betrieb schon ganz früh, um 6 Uhr, begann. „Das war, wie wenn Wallleut' an eine Pilgerstätte kommen.“ Für Christine Rippstein war es ganz normal, an Tagen mit vielen Besuchern die Eltern zu unterstützen.
Wie ein kleiner Urlaub
Bekannte traf man immer auf der Waldesruh, die Stunden auf der Wiese um das Haupthaus vergingen für Groß und Klein wie im Flug. Danach ging es wieder zurück durch den steilen Hohlweg hinab ins Mahlholz und von da zur Stadt. Für viele war der Sonntagnachmittag auf der Waldesruh wie ein kleiner Urlaub, der sich schon am nächsten Wochenende wiederholen sollte.
Von unserem Redaktionsmitglied
Norbert Finster
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drehorgel (5 Kommentare) am 08.04.2011 18:41
Nachtrag zum Kommentar Vor lauter Freude habe ich ganz vergessen,wer den Kommentar geschrieben hat von der Waldesruh,die Leierkastenfrau Ingrid >Unger Gerolzhofen:
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drehorgel (5 Kommentare) am 08.04.2011 18:36
Waldesruh -Bericht von Norbert FinsterWenn man diesen Bericht liest, da kommen Gefühle,Eindrücke,Gedanken,Erlebnisse, und Nostalgie auf. Dass dieses Thema bei den Reportern noch nicht abgelegt ist, ist doch interessant, Aber die Zeitzeugen bringen es aber auf den Punkt. Da gehöre ich auch dazu,Jahrgang 1940 !!! Das ist wirklich so gewesen.Da ist nicht gejammert worden, es war nicht öde und langweilig, nur für eine Libella hatten wir in Kauf genommen.Naturkunde war áuch immer angesagt.Märchen wurden erfunden.Also unsere Eltern waren schon damals Könner auf allen Gebieten um uns in Schach zu halten. In diesem Sinne pfundiger Bericht Herr Finster |
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Vor lauter Freude habe ich ganz vergessen,wer den Kommentar geschrieben hat von der Waldesruh,die Leierkastenfrau Ingrid >Unger Gerolzhofen: