Energie

aktualisiert: 09.06.2011 19:40 Uhr
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MAINFRANKEN
„Ich wollt', ihr wüchsen Flügel“
Förderung von Windkraftanlagen an Land kräftigt dezentrale Energiestruktur
Wohl auf, die Luft geht frisch und rein.“ So lautet der Anfang des Frankenliedes, und man möchte das gleiche für die Energiewende der Bundesregierung hoffen. Raus aus der Atomenergie, rein in die Erneuerbaren, mit starkem Rückenwind für die Windkraft, der Experten hierzulande das größte Potenzial im Konzert der Öko-Energien zubilligen.
Vollmundige Ankündigungen zur Zukunft der Erneuerbaren allgemein und zum Wachstum der Windkraft in Bayern gibt es genug. Von Angela Merkel über Norbert Röttgen und Horst Seehofer bis hin zu Markus Söder – alle haben die Backen aufgeblasen in geradezu historischen Dimensionen. Nun aber, da es an die konkrete Ausgestaltung der Wende geht, wird die Luft dünner – jedenfalls für die, die darauf vertrauten, Windkraft und Solarstrom würden auch in Bayern/Unterfranken einen kräftigen Aufschwung erleben.
Heulen und Zähneknirschen ist angesagt in der Branche, seit die Bundesregierung am Montag den Entwurf für die Novellierung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) beschlossen hat. Offenbar setzt das Kabinett in Berlin – anders als von CSU-Granden in Münchner Talkrunden angekündigt – klar auf Windparks in der Nord- und Ostsee.
Off-Shore-Strom soll besser vergütet werden als bisher, pro Kilowattstunde Windstrom vom Meer soll es künftig 15 Cent pro Kilowattstunde geben, zwei Cent mehr als bisher, und das garantiert auf zwölf Jahre. Dagegen wird die Förderung für den auf Land produzierten Strom zurückgefahren, jedes Jahr um eineinhalb Prozent. Einen Bonus gibt es nur, wenn alte Windmühlen durch leistungskräftigere ersetzt werden.
Mehr noch: Für den Aufbau der ersten zehn maritimen Windparks gibt es billiges Geld vom Bund, der fünf Milliarden Euro bereitstellt, damit die KfW-Bankengruppe günstig Kredite vergeben kann. Die Rotoren auf Hoher See sollen mit aller Macht angeschoben werden. Denn bislang sind zwar 25 Windparks genehmigt vor deutschen Küsten, aber erst drei am Netz. Wen wundert's angesichts der rauen, teuren Bedingungen dort oben.
Warum die Bundesregierung Windstromparks der großen Energiefirmen in der Nordsee begünstigt? Der Bund Naturschutz wittert ein Kompensationsgeschäft zu Gunsten der Atomstromfirmen, Bayerns Landwirtschaftsminister Helmut Brunner hat Widerstand gegen die Berliner Pläne angekündigt. Er weiß, dass bei der Windkraft im Freistaat großer Nachholbedarf herrscht und Fotovoltaikstrom „eine wichtige Säule der dezentralen Stromerzeugung“ ist.
Windstrom vom Meer hingegen muss Hunderte Kilometer in den Süden der Republik transportiert werden. Es fehlen vor allem die Überlandleitungen nach Bayern und Baden-Württemberg. Merkels Regierung geht davon aus, dass bundesweit mehr als 4000 Kilometer neue Leitungen gespannt werden müssten, um den Strom vom Meer in die Berge zu bringen. Auch das ein Milliarden-Geschäft für Konzerne.
Dabei bläst der Wind auf den Höhen der Rhön so stark wie an der Nordsee, von dort ist es nicht weit zum Verbraucher in Schweinfurt und Würzburg. Nun sind Windräder in derart sensiblen Gebieten nicht jedermanns Sache. Aber Experten der Branche – erst am Dienstag tagten sie in Würzburg – wissen sehr wohl, dass auch anderswo zwischen Main und Rhön, Steigerwald und Spessart gute Bedingungen für die Windkraft herrschen, wenn man nur die richtigen Standorte aussucht und ausreichend hohe Anlagen mit moderner Technik aufstellt. Und wo immer das geschieht, bedeuten Windkraft- und Fotovoltaikanlagen Wertschöpfung für Unterfranken – für regionale Projektierer, Handwerker und Kommunen, die Steuern kassieren. Nicht zuletzt winken dem Anlagenbetreiber Gewinne – gerade in jüngster Zeit sind mehrere Bürgerwindparks entstanden.
Neben den regional bedeutsamen Vorteilen gibt es einen weiteren, wichtigeren Grund, der für eine dezentrale Energieversorgung spricht. Werden wie bisher mit Steuermilliarden Großkraftwerke gefördert – auch Windparks auf Hoher See zählen dazu – zementiert das die Monopolstrukturen der deutschen Energiewirtschaft. Minister Helmut Brunner weiß das, und er weiß auch, in welchem Maß gerade Bayerns Landwirte von der Förderung der erneuerbaren Energien profitieren. „Wir werden Kürzungen nicht hinnehmen“, hat er in München angekündigt und dabei vielleicht an die vierte Strophe des Frankenliedes gedacht und sie im Sinne der Windkraftförderung so interpretiert: „Von Bamberg bis zum Grabfeldgau/ umrahmen Berg und Hügel/ die breite, Strom durchglänzte Au/ Ich wollt, ihr (statt mir) wüchsen Flügel.“
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ineuro (176 Kommentare) am 09.06.2011 13:56
Nie ohne Grund dagegen......bloß in der Zeitung meistens so dargestellt!Gutes Beispiel der Bericht über die Klage von Anwohnern gegen Windkraftanlagen bei Bolzhausen und den Verlauf der Verhandlung am Verwaltungsgericht Würzburg. Tilman Toepfer ! listet zwar Gründe auf, weswegen die Bürger vor Gericht gehen, nennt blinkende Warnleuchten, Lärm und Schattenwurf, sogar die Wertminderung von Grundstücken. Der als gesundheitsschädlich betrachtete Infraschall wird dafür gerne mit den Worten der Richterin in die Ecke der "besonderen Befindlichkeiten" gedrückt. Damit gelingt es ihm wieder, die ganze Schar der Windkraftgegner als empfindliche Sonderlinge darzustellen. Wie meistens bei solchen Berichten, auch von anderen Journalisten der MP, wird das Meiste durch einfaches Weglassen erreicht. Mit keinem Wort werden Argumente die eindeutig gegen die Nutzung von Windkraft oder Fotovoltaik - wohlgemerkt in unseren Breiten - sprechen, erwähnt. Vor allem die massiven systemischen Fehler dieser Art der Energieerzeugung fallen unter den Tisch - wie von mir schon beschrieben, die wenigen Sonnenstunden, die fehlende Windhöffigkeit, deswegen die Unzuverlässigkeit und die fehlenden Speicher. Diese Fakten werden regelmäßig auf jeder öffentlichen Infoveranstaltung aufgeführt, wie auch in den Eingaben bei Gerichten oder Behörden. Lieber "grayjohn", da sie ja schon länger Kommentare in diesem Chat abgeben, gehe ich davon aus, dass sie die entsprechenden Hintergrundinformationen - auch zu diesem Thema in ausreichendem Maße besitzen. Sie möchten von mir die letzte Lösung der Energiefrage auf diesem Globus hören, nachdem die endlichen Resourcen erschöpft sein werden. Wenn ich Ihnen darauf eine Antwort geben könnte, säße ich wohl nicht mehr hier an der Tastatur ! Doch wenn Sie wollen, kann ich natürlich ein paar Vorschläge bringen, die in unseren Breiten nützlich sind, um sowohl viel Energie, als auch CO 2 einzusparen, bis unsere Forscher und Ingenieure effektive Methoden entwickelt haben: - Kraft-Wärme-Kopplung in Heizungsanlagen - Aufdach-Warmwasserkollektoren mit Speicher im Keller - Wärmedämmung und Wärmerückgewinnung - Kochen mit Gas statt elektrisch - Tempolimit auf Autobahnen und Bundesstrassen - in Folge dessen leichtere Autos - Zusammenarbeit mit Ländern die über genügend Sonnenstunden verfügen - und mehr, Energieautarkie wird mit der zur Verfügung stehenden Technik bei uns eh´ nicht zu erreichen sein. Muß auch nicht, denn wir kamen bisher als Handelspartner gut zurecht. Rohstoffe eingekauft - veredelt und auf dem Weltmarkt angeboten. Deutschland als Hochtechnologieland steht im Wettbewerb mit anderen Ländern sehr gut da. Wir haben zu wenig Fläche, kaum Rohstoffe - unser Kapital war und bleibt Bildung, Forschung und Know-how. |
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franka1 (943 Kommentare) am 11.06.2011 14:02
also ich sehedas lockerer.mit etwas EEG-umlage und dem entsprechenden technischen knoh-how werden wir in ein paar jahren weltmarktführer bei den alternativen energien seien, und davon provitieren schließlich ALLE. |
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MFR (66 Kommentare) am 13.06.2011 23:21
Experten!Genau: Solche Experten wie "franka1" brauchen wir, um die Welt zu verstehen. Experten, die wie "franka1" sich ausdrückt, das notwendige "knoh how" haben! Er hat es! Eine bescheidene Frage nebenbei: Was ist "knoh how"? Erklär's mir, "franka1"! |
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franka1 (943 Kommentare) am 15.06.2011 20:49
hallo MFRes gibt viele experten, dazu zählen sicherlich "franka1" und sicherlich auch "FMR".aber jeder hat halt seine "spezialgebiete". einen schönen abend noch. |
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grayjohn (1547 Kommentare) am 09.06.2011 11:49
Dagegen-ParteiMachen Sie doch bitte auch konkrete Vorschläge, wie man die benötigte Energie nach Erschöpfung der endlichen Ressourcen praktikabel und bezahlbar "erzeugen" kann (bitte dabei berücksichtigen, dass es auf der Erde einige Milliarden Menschen gibt, die erst noch nach "unserem" Lebensstandard streben).Entweder wir wollen eine funktionierende Versorgung und nehmen die damit verbundenen Nachteile in Kauf, oder wir wollen keine Nachteile und müssen daraus die Konsequenzen ziehen. Einfach nur "dagegen sein" kann jede/r... |
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