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publiziert: 08.06.2011 19:46 Uhr
aktualisiert: 08.06.2011 21:01 Uhr
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Schneller Ausstieg birgt erhebliche Risiken

Experten weisen auf rechtliche und technische Probleme hin – Blackout in Süddeutschland möglich

Die Kronzeugen der Kritik sind unverdächtig. Namhafte Experten wiesen am Mittwoch bei einer Anhörung des Umweltausschusses des Bundestages auf Risiken und Nebenwirkungen des Atomausstiegsgesetzes der Koalition hin.

„Wir transportieren Elektronen. Woher die kommen, ist uns egal“. Der Geschäftsführer des Stromnetzbetreibers Tennet, Martin Fuchs, wollte mit diesen Worten betonen, dass er kein Interesse an einer bestimmten Art der Energieproduktion hat, sondern nur an einer stabilen Spannung im Netz. Und die sieht er gefährdet. Tennet betreibt das Leitungsnetz in Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hessen und Bayern. 2003 habe man nur zweimal kritische Netzzustände gehabt, berichtete der Manager. 2009 kam das wegen des unstet fließenden Wind- und Solarstroms aber schon 312 Mal vor. Und allein in den 72 Tagen seit der Sofort-Stilllegung von sieben Altmeilern im März waren es schon 898 Fälle. In den Versorgungsgebieten der anderen Netzbetreiber sieht es ähnlich aus. „Das elektrische System wird bereits jetzt dauerhaft im Grenzbereich betrieben“, so Fuchs.

Kraftwerke in Planung

Die Folge: Außerordentliche Zwischenfälle könnten womöglich nicht mehr aufgefangen werden. Und an Wintertagen mit windarmer Inversionswetterlage sowie in heißen trockenen Sommern mit AKW-Abschaltungen in Frankreich könne es in Süddeutschland sowie im Raum Hamburg ein „Risiko für großflächige Versorgungsausfälle“ geben. Der schnelle Bau von mindestens 10 000 Megawatt Leistung in Kohle- oder Gaskraftwerken ist zwingend, sagte nicht nur Fuchs, sondern auch die Geschäftsführerin des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft, Hildegard Müller. Diese Kraftwerke sind auch tatsächlich bereits in Planung. Bloß, wie Müller auf einer Karte zeigte, fast alle in Norddeutschland und Nordrhein-Westfalen, nicht aber in Bayern und Baden-Württemberg, wo die Kernkraftwerke ersetzt werden müssen.

Das macht die kurzfristige Errichtung von mindestens 3500 Kilometern Fernleitungen noch dringender, sagte der Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur, Stefan Kohler. Sie sollen den Windstrom von Nord- und Ostsee nach Süden transportieren. Widerstände sind programmiert. Das zweite große Problem ist rechtlicher Natur. Auch hier goss ein unverdächtiger Zeuge bei der Anhörung Wasser in den Wein der Ausstiegseuphorie: der langjährige Abteilungsleiter Reaktorsicherheit im damals rot-grün regierten Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg. Nach dem Ausstiegsplan der Bundesregierung ergeben sich Laufzeiten zwischen 31 und 36 Jahre für die einzelnen Kraftwerke. Es werde nicht begründet, warum das eine Kraftwerk länger, das andere kürzer laufen dürfe. Wenn die Betreiber wollten, könnten sie das Gesetz leicht vor dem Bundesverfassungsgericht kippen.

Über Entschädigung verhandeln

Man werde mit der Bundesregierung über Entschädigungen „in Milliardenhöhe“ verhandeln, sagte E.ON-Vorstand Ingo Luge. Wenn man sich nicht einige, werde man den Klageweg beschreiten. Luge griff auch die Sofort-Stilllegung der sieben Altmeiler an. Sicherheitstechnisch unterschieden die sich nicht wesentlich von den anderen, sagte Luge, sodass auch diese Entscheidung willkürlich sei. Das dritte Risiko ergibt sich aus einem Widerspruch im Gesetz selbst. Jedem Atomkraftwerk wird eine bestimmte Reststrommenge zugestanden, die im Stilllegungsfall auf noch laufende Meiler übertragen werden kann. Zugleich werden aber feste Abschaltdaten für alle Reaktoren vorgegeben. Nach Berechnungen, die das Kanzleramt vorlegte, passen Reststrommenge und Abschaltdatum bei einem Auslastungsgrad von 85 Prozent exakt zusammen. Es kann bei geringerer Auslastung allerdings passieren, dass nach der Abschaltung immer noch Strommengen übrig sind. Experten rechnen damit, dass diese einen Wert von bis zu vier Milliarden Euro haben können.

Von unserem Korrespondenten Werner Kolhoff
    
    

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Die neuesten Kommentare

grayjohn (1547 Kommentare) am 09.06.2011 10:07

Wer in den Swimming-Pool springen will

sollte sich vorher davon überzeugen, dass Wasser drin ist...
(0)
blaubi (2806 Kommentare) am 09.06.2011 09:44

die überschrift sagt doch alles

...eine überhastete entscheidung, schlecht durchdacht; jeder weiß, wohin das führen muss.
fakt auch ist, dass der schnelle ausstieg aus der kernkraft aus ethischen gründen passiert und nicht aus volkswirtschaftlichen.
die grünen haben doch recht, die menschheit macht sich selber kaputt
(0)
Du_di_ned_oo (2934 Kommentare) am 08.06.2011 22:04

Merkel und Co murksen weiter

Energiewende strapaziert Stromnetze
Der Netzbetreiber Tennet beklagt einen rasanten Anstieg riskanter Störfälle. Die Zahlen belegen: Der Netzausbau ist dringend notwendig
Die abprute Energiewende bringt die deutschen Stromnetze an ihre Belastungsgrenzen. Der Netzbetreiber Tennet musste in der Zeit des Atom-Moratoriums zwischen Mitte März und Mai bereits rund 900 Störfälle ausbügeln. Zum Vergleich: Im ganzen Jahr 2003 - als es noch deutlich weniger erneuerbare Energiequellen gab, dafür aber die Großkraftwerke liefen - gab es nur zwei Vorfälle.
"Wir kommen immer öfter in riskante Situationen", sagte Tennet-Vorstand Lex Hartman

....
http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:schadensbilanz-nach-energiewende-energiewende-strapaziert-stromnetze/60062736.html
Die Planung und Ausführung der Energiewende durch Union/FDP ist misserabel.
Egal ob grobe Fahrlässigkeit oder Unfähigkeit -
Diese Regierung hat bisher auf voller Linie versagt.
Erst das falsche gemacht (Ausstieg aus dem Ausstieg - und damit notwendige Investitionen in regenerative Energieen verhindert)
Dann - auf Druck der Bevölkerung - auf dem richtigen Weg gezwungen und wieder gemurkst.

Experten bestätigen dies:
"Ich habe selten so etwas Schlechtes gesehen von der Gesetzestechnik her",
sagte der langjährige Leiter der Abteilung für Reaktorsicherheit im Bundesumweltministerium, Wolfgang Renneberg, der Deutschen Presse-Agentur.

http://www.ftd.de/politik/deutschland/:streit-ueber-akw-abschaltung-atomausstieg-spaltet-fdp/60062888.html?page=2
(0)
info.allgemein (13 Kommentare) am 09.06.2011 08:10

noch nicht kapiert?

die Sonne und Wind liefern elektrische Leistung zwischen 5% und 180% des Bedarfs, was wiederum die Instabilitäten hervorruft. Da gibt es ja wohl keinen Grund die regenerativen Energien noch weiter auszubauen! Stromspeicherung und Netzausbau für Versorgungssicherheit ist wichtiger und solange wird eine stabile Grundlast benötigt - und zwar nicht aus der "Ökoenergie" aus Frankreich und Tschechien. zwinkern
Hier noch die aktuellen Zahlen dazu: aus Frankreich kommen heute früh 3512 MW und aus Tschechien 1050 MW.
(1)
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