Energie

aktualisiert: 02.08.2011 20:24 Uhr
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MÜNCHEN/SCHWEINFURT
Eine bayerische Agentur für die Energiewende
Kabinett bestimmt Gremium, das den Atomausstieg organisieren soll
Beschlossen ist die Energiewende. Wie sie gelingen könnte, ist erst in groben Umrissen erkennbar. Seit Dienstag hat der Freistaat ein Gremium, das sich Gedanken zur Ausgestaltung machen wird: Der Ministerrat gab bei der letzen Sitzung vor der Sommerpause grünes Licht für die staatliche Energieagentur. Sie nimmt im September die Arbeit auf und organisiert den Ausstieg aus der Atomkraft. Spätestens 2022 soll der letzte Atommeiler in Bayern vom Netz genommen werden, Isar 2 bei Landshut.
Die Agentur hat den Auftrag, den Bedarf an neuen Kraftwerken, Leitungen und Stromspeichern zu ermitteln und sich Gedanken zur Finanzierung zu machen. Angesiedelt wird sie im Ressort von Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP), kontrolliert wird die Agentur von einem Lenkungsausschuss, den Zeil leitet.
Markus Söder als Vizechef
Vizechef wird Umweltminister Markus Söder (CSU), der für die CSU-geführten Ministerien die Koordination übernimmt. Außerdem wird es einen Beirat geben, in den Vertreter von Wirtschaft, Gewerkschaften und Kommunen berufen werden. Es sollten möglichst alle gesellschaftlichen Gruppen teilhaben, sagte Staatskanzleichef Marcel Huber (CSU). „Da kann und soll sich jeder einbringen“, sagte Zeil.
Noch kommen 60 Prozent des in Bayern verbrauchten Stroms aus Atommeilern, der Anteil soll durch moderne Gaskraftwerke und erneuerbare Energien ersetzt werden. Bayerns Umweltminister Markus Söder (CSU) sieht wie viele Energieexperten die großen Potenziale der Windkraft. Söder will bis Ende des Jahrzehnts den Windstrom-Anteil in Bayern von heute rund einem Prozent verzehnfachen, in Söders Szenario rotieren dann neben den 430 bestehenden 1500 neue Windräder unter weißblauem Himmel.
Nur geht es bei der Windkraft in Bayern nicht allein nach dem Willen des mitunter forschen Umweltministers. Einmal redet der Bundestag mit, der zuletzt die Förderung von auf dem Land erzeugtem Windstrom zugunsten maritimer Windparks kürzte. Zum anderen setzte die Regionalplanung der Windkraft in Bayern bisher enge Grenzen, gerade dort, wo der Wind besonders kräftig bläst, auf den Höhen von Rhön, Steigerwald und Haßbergen.
Hans-Josef Fell ist enttäuscht
Bis jetzt sind Windräder dort verboten, jetzt will der Regionale Planungsverband Main-Rhön die Zügel etwas lockern. Auch künftig sind in den Naturparks Windräder nicht erwünscht, der aktuelle Entwurf des Regionalplans weist dort weder Vorrang- noch Vorbehaltsflächen aus. Immerhin können die Landkreise jetzt auf Antrag den Bau von Windrädern genehmigen.
Hans-Josef Fell zeigt sich enttäuscht. Der Energieexperte der Grünen-Bundestagsfraktion aus Hammelburg (Lkr. Bad Kissingen) sieht ein Pauschalverbot „faktisch“ fortbestehen. 80 von 119 Gemeinden der Region haben keine Vorrang-, 60 Gemeinden nicht einmal Vorbehaltsflächen, schreibt Fell in einer Pressemitteilung und fordert Gemeinden auf, weitere Flächen zu melden. Jede Kommune solle doch die Möglichkeit haben, zwei Prozent ihrer Fläche für Windkraft vorzusehen, fordert Fell und kommentiert abschließend: „Wer die Energiewende wirklich will, muss auch die benötigten Flächen zur Verfügung stellen.“
In Riedenberg im Altlandkreises Bad Brückenau mag man sich nicht mit dem aktuellen Regionalplanentwurf abfinden, auch im Steigerwald formiert sich Widerstand. Oberaurach will Nachbesserungen, um Bürgerwindräder errichten zu können. Dann, so Bürgermeister Thomas Sechser (CSU), werde Kapital und Wertschöpfung aus solchen Anlagen in der Region gehalten und nicht von Energiekonzernen abgezogen.
Die Regional- und Landesplanung verantwortet das Wirtschaftsministerium von Martin Zeil, die fachliche Bearbeitung des Regionalplans übernimmt die Regierung von Unterfranken. Ihr Sprecher Johannes Hardenacke versichert auf Nachfrage: „Wir möchten möglichst bald verbindliche neue Regionalpläne, um die Energiewende zu fördern.“
Pumpspeicherkraftwerke notwendig
Beim Ausstieg aus der Atomenergie hin zu Wind- und Sonnenkraft sind neue Speichermedien unerlässlich, zum Beispiel Pumpspeicherkraftwerke. Ein solches ist in Riedl bei Passau geplant, die Bezirksregierung von Niederbayern beendete am Montag das Raumordnungsverfahren. Pumpspeicherkraftwerke dienen dazu, natürliche Leistungsschwankungen von Wind- und Sonnenenergie auszugleichen. In Zeiten niedrigen Energieverbrauchs soll in Riedl Wasser aus der Donau in den Speichersee hinaufgepumpt werden. Bei Bedarf kann das Wasser durch Turbinen abgelassen werden, so wird Strom erzeugt. Bayerns Wirtschaftsminister Martin Zeil (FDP) fordert weitere Pumpspeicherkraftwerke im Freistaat. Nach einer Studie sollten sie zusammen eine Leistung von etwa 2000 Megawatt haben, was sechs bis sieben Kraftwerken von der Größe Riedls entsprechen würde. Ein Standort in Unterfranken ist bislang nicht im Gespräch.
ONLINE-TIPP
Wo sind in Unterfranken Flächen für Windkrafträder geplant? www.mainpost.de/energie
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Die neuesten Kommentare
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klosterschueler (493 Kommentare) am 03.08.2011 16:36
Diese schwarz-gelben Regierungen in Bayern und im Bundwollen doch nur die bestehenden Strukturen in der Stromversorgung festigen. Deshalb wird der Offshore erzeugte Windstrom stärker gefördert, als der an Land erzeugte.Bei den Windrädern an land sind ja auch meist nicht die großen Vier im Boot. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. |
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