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publiziert: 11.10.2011 19:22 Uhr
aktualisiert: 11.10.2011 20:30 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text Berlin (dpa)
Energiewende kostet noch mehr Geld

Experte erwartet Anstieg der EEG-Umlage auf bis zu fünf Cent je Kilowattstunde
  • Stephan Kohler
    Foto: DENA
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Wie es sich auf die Strompreise auswirken wird, ist noch unklar; das hängt auch von den jeweiligen Anbietern ab. Klar ist aber, dass die Umlage für die erneuerbaren Energien schon im nächsten Jahr steigen wird, wahrscheinlich von 3,5 auf 3,8 Cent oder mehr je Kilowattstunde. Die Umlage finanziert die hohen Einspeisevergütungen, mit denen Solar- und Windstrom gefördert werden. Für einen Vierpersonenhaushalt könnten rund 150 Euro Mehrkosten im Jahr entstehen. Aber es wird nicht dabei bleiben, sagt Stephan Kohler, Geschäftsführer der Deutschen Energieagentur.

Frage: Rechnen Sie auch damit, dass die EEG-Umlage im nächsten Jahr erhöht wird, von 3,5 auf 3,8 Cent je Kilowattstunde, wie viele Experten erwarten?

Stephan Kohler: Es muss zu einer Erhöhung kommen, denn derzeit werden bei den erneuerbaren Energien immer neue Anlagen dazugebaut, ob Solar oder Windkraft, ohne dass alte Anlagen vom Netz gehen. Wie hoch die Anhebung für 2012 genau sein wird, wird am Freitag von den Übertragungsnetzbetreibern veröffentlicht werden. Ich nehme an, dass es ungefähr diese Größenordnung ist.

Wer sind die Kostentreiber? Ist das auch schon der Netzausbau?

Kohler: Nein, der kommt extra oben drauf. Jetzt geht es nur um die Einspeisevergütung für erneuerbare Energien. Beim Netzausbau rechnen wir im Hochspannungsnetz bis 2020 mit etwa 0,5 Cent Erhöhung pro Kilowattstunde. Das fällt also nicht so groß ins Gewicht.

Die Bundesregierung hatte die Erwartung geäußert, die jetzigen 3,5 Cent auch im nächsten Jahr halten zu können. Hat sie sich verschätzt?

Kohler: Ich konnte diese Annahme nie nachvollziehen.

Rechnen Sie damit, dass es sogar noch weiter nach oben geht?

Kohler: Nach unserer Schätzung müssen wir bis 2020 mit einem langsamen Anstieg der EEG-Umlage von jetzt 3,5 auf 5 Cent rechnen, plus Mehrwertsteuer. Danach sinkt es wieder, weil die Anlagen, die schon 2000 bei Erfindung des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) ans Netz gingen, dann aus der Förderung herausfallen.

Immer mehr Großverbraucher entziehen sich der EEG-Umlage. Ist das in Ordnung?

Kohler: Die Unternehmen, die sich im internationalen Wettbewerb befinden, müssen Industrie-Strompreise haben, die konkurrenzfähig sind. Frankreich zum Beispiel macht eine regelrechte Industriepolitik mit seinen Strompreisen für Firmen. Dass auch bei uns die Industrie entlastet wird, halte ich deshalb für richtig. Außerdem beobachten wir bei der Deutschen Energieagentur die Tendenz, dass sich die Industrie durch eigene Aktivitäten zu entlasten sucht, etwa indem sie Direktverträge mit Stromproduzenten abschließt oder eigene Erzeugungskapazitäten aufbaut. Das ist alles völlig legitim.

Nur, dass die normalen Verbraucher so immer mehr allein die Energiewende bezahlen.

Kohler: Das ist die Konsequenz. Aber wir alle brauchen eine konkurrenzfähige Industrie.

Haben Sie Vorschläge für Gegenstrategien gegen einen immer höheren Anstieg der Umlage?

Kohler: Auch ich bin dafür, dass die Einspeisevergütungen für Photovoltaik und Windenergie kontinuierlich abgesenkt werden. Dass darf allerdings nicht zu abrupt geschehen, damit die Investitionen nicht einbrechen. Denn das Ziel ist der Ausstieg aus der Kernenergie, der Ausbau der Erneuerbaren Energien und das Erreichen der Klimaschutzziele.

Fehleinschätzungen und Schlupflöcher

Nur wenige Verbraucher wissen, dass der kommende Freitag für sie ein wichtiger Tag ist. Dann wird die Umlage bekannt gegeben, mit der sie über den Strompreis den Ökoenergieausbau bezahlen müssen. Derzeit werden 3,5 Cent je Kilowattstunde Strom fällig, 2012 könnten es nach Schätzungen der Branche 3,8 oder mehr Cent sein. Ein Grund: Zum Stichtag 30. September war Deutschlands Ökostromkonto mit 711,2 Millionen Euro im Minus. Das Girokonto mit den Einnahmen und Ausgaben für die Förderung von Energie aus Sonne, Wind, Wasser und Biomasse wird von den Betreibern der Stromautobahnen verwaltet. 2010 lagen die Netzbetreiber kräftig daneben: Das Konto war zum Jahresende mit 1,294 Milliarden Euro im Minus, weshalb dieses Jahr diese Summe von den Verbrauchern nachträglich bezahlt werden musste. Für einen Haushalt bedeutete der deutliche Umlagenanstieg je nach Anbieter Mehrkosten von etwa 70 Euro in diesem Jahr. Wirtschaftspolitiker in der Union dringen schon seit langem darauf, die teure Solarförderung zu kappen, die mit mehr als sechs Milliarden Euro bei einem überschaubaren Stromertrag fast die Hälfte der Förderung fresse. Eine höhere Umlage muss aber nicht unbedingt automatisch zu höheren Strompreisen führen, da die Nettopreise zuletzt eher sanken – also die Preise, ohne die 50 Prozent des Haushaltsstrompreises ausmachenden Steuern, Abgaben und Umlagen. Doch immer mehr energieintensive Unternehmen „fliehen“ aus der Umlage. Ein Beispiel: Saarstahl kaufte den Block 3 des Kohlekraftwerks im saarländischen Ensdorf – der Strom gilt seither als Eigenverbrauch und das Unternehmen ist von der Umlage befreit.

Das Gespräch führte Werner Kolhoff
    
    

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»Alle 27 Kommentare anzeigen Die neuesten Kommentare

klosterschueler (493 Kommentare) am 13.10.2011 16:25

Zitat aus der taz:

TOKIO afp/dpa | Gut sieben Monate nach der Atomkatastrophe im japanischen Atomkraftwerk Fukushima haben die Behörden des Landes laut Medienberichten in der Hauptstadt Tokio radioaktive Strahlung knapp unter dem für Evakuierungen vorgesehenen Grenzwert gemessen. Der Bürgermeister trat aber der Befürchtung entgegen, die Strahlung stamme aus dem 230 Kilometer entfernten Kraftwerk.

Das in Finnland zur Zeit im Bau befindliche Atomkraftwerk wird nach Angaben der beiden Hersteller Areva + Siemens doppelt so teuer wie geplant.

Zwei Anmerkungen zur Unausweichlichkeit der Energiewende:
Weder ist die Atomenergie so preiswert, wie in der Vergangenheit permanent propagiert, noch ist sie jemals sicher zu betreiben.
(0)
OPS (839 Kommentare) am 13.10.2011 17:04

Das ist doch...

Entschuldigung dass ich nochmal schreibe aber hier ist ein perfektes Beispiel für die Arroganz und Ignoranz der deutschen Atom-Gegner.
Sie schreiben: "noch ist sie (die Kernenergie) jemals sicher zu betreiben. "

Das wissen sie?! Sie können in die Zukunft sehen? In die nächsten Millionen Jahre Menschheitsgeschichte und finden dass die Kernkraft niemals sicher ist?
Während Kernkraftwerke der Generation 4 schon in der Planung sind die- physikalisch bedingt- niemals eine Kernschmelze haben können?
Während es Pläne gibt Klein-Kernkraftwerke zu bauen die ebenfalls aus physikalischen Gründen nie eine Kernschmelze haben können?

Wie können sie eine so pauschale Aussage treffen?
Dazu stützen sie sich auf Erfahrungen mit nur 2 Unfällen in einer 50-jährigen Geschichte. Eines war eine sowjetische Plutoniumfabrik deren Design im Westen niemals gebaut worden wäre, und den Unfall in einem westlichen Kraftwerk das ÄLTER war als die Plutoniumfabrik und dem bestimmte Sicherheitssysteme fehlten die fast überall sonst auf der Welt vorgeschrieben sind?
Ernsthaft? Sie schließen aus den Unfällen eines sowjetischen Ladas und und eines stark veralteten Toyotas unter Extrembedingungen pauschal auf die Sicherheit ALLER Autos bis in die unendliche Zukunft?
Die Geschichte ist voll mit Leuten die wussten was sich niemals durchsetzen würde.

Das Telefon würde sich niemals durchsetzen.
Computer würden sich niemals durchsetzen (und die ersten Grünen waren gegen dessen Verbreitung!)
Gitarrenmusik sei tot (ausgesprochen kurz vor den ersten Erfolgen der Beatles)

Gehen sie kurz in sich und fragen sie sich ob sie die Aussage, dass Kernenergie niemals jemals auch nicht in tausend Jahren und unter keinen Umständen sicher sein kann auch vor einem wissenschaftlich-technischen Fachausschuss verteidigen könnten, oder ob sie das nur gesagt haben, weil es Teil ihres grünen Evangeliums ist.

Versuchen sie einen Moment mal außerhalb ihrer Ideologie zu denken und sagen sie mir ob die Aussage nicht vielleicht übertrieben gewesen ist.
(4)
OPS (839 Kommentare) am 13.10.2011 16:56

Ja und?

Die Richtigkeit ihrer Argumente lasse ich mal außen vor, das ist hier nicht das Thema.

Die Energiewende soll den CO2-Ausstoß in Deutschland senken und die Kernenergie abschaffen- zwei Ziele.
Faktisch erhöht sie ihn drastisch.
Nehmen wir für einen Moment an, dass ihre pauschalen Aussagen über Kernkraft aufgrund zweier anekdotischer Beispiele richtig wären, dann müsste man sehen wodurch man Kernenergie ersetzt.
Erneuerbare Energien sind dazu nicht in der Lage.
Sie sind vielleicht ein 20 oder 50 Jahren dazu in der Lage (oder nie wenn einige Experten recht behalten). Aber die Kernenergie muss jetzt ersetzt werden.
Die einzige "alternative" zur Kernenergie ist demnach die Kohlekraft.

Und genau das passiert jetzt.
Der Neubau von Kohlekraftwerken (jenseits der bereits geplanten Ausbauten) sind enorm.
Heute wären mit 30% Atomstrom und 17% Erneuerbaren Energien bereits 47% des Stroms in Deutschland CO2-arm erzeugt.
Die Pläne der Bundesregierung sehen vor bis 2030 40% des Stroms CO2-arm zu erzeugen.
Wir wollen also in fast 20 Jahren 7% Rückschritt machen!
Würde man die Atomkraft in Deutschland konstant halten, könnten wir 70% CO2-armen Strom haben bis 2030. (Das ist übrigens der z.B. Plan der britischen Energieziele)

Kernenergie gefährdet nicht den Planeten. Selbst wenn sie so unsicher und gefährlich wäre wie grüne Demagogen ohne technischen Sachverstand versuchen uns weiß zu machen, gefährdet Kernenergie nicht das Überleben der Menschheit.
Der Klimawandel aber- der gefährdet unser Überleben massiv.
Schon heute sterben durch den Klimawandel weltweit mehr Menschen als in 50 Jahren durch Kernenergie gestorben sind.

Was die deutsche Regierung unter Applaus der Opposition hier macht, ist der Abschied vom Klimaschutz.
Und das ist erneut nicht allein meine Einschätzung, sondern die Einschätzung von (echten) Energieexperten, und zahlreichen Umweltschützern.
(Ich kann Beispiele bringen falls jemand DAS in Zweifel ziehen will)
(4)
klosterschueler (493 Kommentare) am 13.10.2011 11:50

@ blaubi

Es liegt mir fern arrogant und überheblich zu sein.
Die meisten Rentner, die ich kenne, haben mehr Geld zu persönlichen Verwendung als meine Frau und ich, die wir beide vollzeit berufstätig sind. Wir waren zum Beispiel seit vier Jahren nicht mehr in Urlaub.
Es ist einfach ein falsches Wertesystem bei vielen Menschen verinnerlicht.
Und wenn ich schreibe, dass die größten Jammerer ihre Chancen nicht nutzen, selbst von diesen Einspeisevergütungen zu profitieren, dann beruht das auf persönlichen Erfahrungen unter Nachbarn und Bekannten.
Meine kleine PV-Anlage ist KfW-finanziert und diese Finanzierung bekäme jeder Reihenhausbesitzer. Nur viele Menschen sind halt auch mit einem Mittelrückfluss in 12 oder mehr Jahre nicht zufrieden, das ist der Fakt.
(0)
forst05 (26 Kommentare) am 12.10.2011 22:19

Ökokapitalisten

verdienen sich eine goldene Nase, fühlen sich furchtbar toll und wollen auch noch geliebt werden für ihr Engagement für die Umwelt. Ich ärgere mich immer, wenn ich einen Supermarkt betrete, der mit den KW_Stunden angibt, die er auf seinem Dach ach so umweltfreundlich produziert (aus reiner Nächstenliebe natürlich...).
Als Bewohner einer Mietwohnung darf ich für die Kosten aufkommen und muss mich noch als Klimasünder schmähen lassen.
"Ein Deutscher verbraucht xyz-soviel Energie wie ein Inder....!!!"
(1)
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