Energie

aktualisiert: 09.03.2012 13:52 Uhr
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WÜRZBURG/SCHWEINFURT
Warum E10 nun doch immer öfter in die Tanks kommt
Ein Jahr nach seiner missglückten Einführung des Bio-Sprits entscheiden sich immer mehr Autofahrer für die günstigere Alternative
Was war das für eine Pleite für die Bundesregierung und die Mineralölbranche. Anfang vergangenen Jahres wurde der Bio-Sprit E10 eingeführt. Doch die deutschen Autofahrer bockten: Statt brav das neue Superbenzin zu tanken blieben sie dem alten Super treu. Die Raffinerien blieben auf ihrem E10 sitzen, mussten sogar ab März wieder mehr vom bisherigen E5 herstellen. Nun aber scheint E10 akzeptiert zu werden. In den vergangenen Monaten stieg der Anteil nach Angaben des Mineralölverbandes stetig. Dennoch bleiben Fragen offen.
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Hier gibt es mehrere Gründe. Zum einen ist E10 erst seit dem Herbst bundesweit flächendeckend an den Tankstellen verfügbar. Zum anderen spielte E10 zuletzt in den Medien kein große Rolle mehr. „Der Verbraucher hört nichts mehr“, sagt auch Erik Linsner, Chef des Mineralölhändlers Erik Walther in Schweinfurt. Nicht zuletzt könnte der Preis – E10 wird drei Cent billiger angeboten als E5 – eine Rolle spielen. Das bestätigte auch Aral-Sprecher Detlef Brandburg: „E10 ist ja die günstigste Benzinsorte an den Tankstellen“. Falls sich aufgrund politische Entwicklungen der Rohölpreis stark erhöhen würde – und damit auch der Spritpreis, glaubt Linsner, dass noch mehr Autofahrer umsteigen würden: „Umso höher der Preis, desto sensibler reagiert der Autofahrer darauf“.
Was ist mit der Verträglichkeit?Die allermeisten modernen Motoren vertragen E10, das versprach die Automobilindustrie von Anfang an. Doch je nach Hersteller gab es dazu teils recht schwammige Angaben. Um zu beweisen, dass E10 einem Motor tatsächlich schaden kann, führte der ADAC einen Langstreckenversuch mit einem nicht für E10 zugelassenen Auto durch. Nach 30 000 Kilometern war Schluss. ADAC-Pressemann Christian Buric: „Damit wollten wir demonstrieren, dass es wirklich Motoren gibt, die E10 nicht vertragen“. Bislang aber, so Buric, „sind von unseren Mitgliedern keinerlei Schadensfälle bekannt“.
Warum ist E10 billiger als E5?In der Herstellung ist E10 aufgrund des höheren Anteils an Biokraftstoff – dem aufwändig produzierten Bioethanol – teurer als E5. Dennoch kostet es fast überall drei Cent weniger pro Liter. Dies sei ein Marktpreis, bestätigt Buric, um die Autofahrer auf E10 umschwenken zu lassen. E5-Käufer dürften aber nicht dauerhaft benachteiligt werden, fordert der ADAC-Sprecher: „Das normale Super muss wieder billiger werden“.
Steigt mit E10 der Verbrauch an?Da die Energiedichte wegen des höheren Ethanolanteils etwas niedriger ist, braucht der Motor etwas mehr Kraftstoff. Laut Aral-Sprecher Brandenburg läge der Mehrverbrauch zwischen einem und drei Prozent, je nach Fahrzeugtyp und Fahrstil.
Was ist mit der Bio-Quote?Die Mineralölbranche zur Erfüllung einer Bio-Quote verpflichtet. Allerdings gilt diese quer über alle Kraftstoffsorten, also auch Diesel. Zudem gibt es neben Bioethanol noch andere Bio-Zusätze für die verschiedenen Kraftstoffe. Schließlich können Anbieter, die ihre Quote in den Vorjahren überfüllt haben, sich dies auf das Jahr 2011 anrechnen lassen.
Wer zahlt die Strafen der Branche?Wird die Bio-Quote nicht erreicht, werden laut Brandenburg „staatliche Abgaben“ fällig, andere sprechen von Strafzöllen. Unklar ist, in wie weit diese Kosten auf die Kunden weitergegeben werden. „Wir haben nichts eingepreist“, heißt es bei Aral.
Wie geht es mit E10 und E5 weiter?Auf absehbare Zeit dürften die beiden Sorten parallel angeboten werden. Von einer Einführung des von der EU geplanten E20-Sprits hält Erik-Walther-Chef Linsner nicht viel: „Das werden die wohl erst mal bleiben lassen“. Für E10 aber ist Aral-Sprecher Brandenburg optimistisch: „Wir gehen davon aus, dass E10 langfristig die dominierende Benzinsorte werden wird.“.
E 10
Das „E“ steht für den Anteil an Ethanol. Bei E10 dürfen also bis zu zehn Prozent Ethanol beigemischt werden. Beim bisherig üblichen Superbenzin (E5) sind es bis zu fünf Prozent. Das von der Mineralölindustrie benutzte Bioethanol ist ein, das versichern die Hersteller, umweltverträglicher Biokraftstoff. Text: md
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