publiziert: 25.05.2008 18:00 Uhr
aktualisiert: 25.05.2008 20:26 Uhr
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Alleswissende Manager unerwünscht

Die andere Seite von Mali auf dem Africa Festival - Ein Beispiel erfolgreicher Entwicklungshilfe

Am zweiten Tag des Africa Festivals gaben vor allem malische Musiker den Ton an. Das Publikum war aus dem Häuschen; Mali ist eine Schatztruhe der Weltmusik. Tags darauf, in der morgendlichen Podiumsdiskussion im Havanna Club, ging es wieder um Mali: um seinen Kampf gegen Gewalt und Hunger.

  • Die Tuareg aus Mali waren auf dem Festival nicht nur im Rahmen der Podiumsdiskussion zu Gast: In einem eigenen Lager zeigten sie traditionelle Handwerksarbeiten und informierten viele interessierte Besucher über ihr Land.
    FOTO Theresa Ruppert
Bild von
Mali, die Heimat von großen Musikern wie Habib Koité und Boubacar Traoré, besteht zu zwei Dritteln aus Wüste und Halbwüste. Im UN-Bericht über die menschliche Entwicklung für das Jahr 2007 rangiert das westafrikanische Land unter 177 Nationen auf Platz 173. Besonders problematisch ist die Lage im von Tuareg-Rebellionen erschütterten Norden: Klimatisch schwierige Bedingungen und ein Mangel an fruchtbarem Boden verschärfen die Folgen der Gewalt. Mitte der 90er Jahre gelang es, den Bürgerkrieg einzudämmen. Seitdem engagiert sich die Bundesrepublik mit dem Programm Mali-Nord für die Entwicklung des geplagten Landstrichs. Zwei deutsche Entwicklungshelfer kamen im Rahmen des Programms vor 15 Jahren in die Region Timbuktu: Der Diplom-Kaufmann Henner Papendieck und die Soziologin Barbara Rocksloh-Papendieck; die beiden sind verheiratet.

Erfolge der Entwicklungshilfe

Im Havanna-Club auf dem Festival zogen die Beteiligten Bilanz, unter ihnen Kalil Touré, der Sprecher der Gemeinden der Region Timbuktu und Bürgermeister der Stadt Dire. MAIN-POST-Redakteur Andreas Jungbauer, Afrika-Experte und Autor der 1998 im LIT-Verlag erschienenen Studie „Deutsche Afrika-Politik in den 90er Jahren“, moderierte.

    
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Impressionen Sa 2008
Afrikafestival
24.05.2008
    

Als die Papendiecks in Nord-Mali auftauchten, geschickt von der Gesellschaft für Technische Zusammenarbeit (GTZ), versuchten sie nicht, den Einheimischen zu erklären, wo es lang geht. Yehia Ag Mohamed Ali, der nationale Koordinator von Mali-Nord, sagte im Havanna-Club, er wäre sofort abgesprungen, wenn sie das getan hätten.

Mamadou Diawara ist Professor für Historische Ethnologie an der Universität Frankfurt. Er hat die Arbeit der Papendiecks beobachtend begleitend. Im Havanna-Club beschrieb er ihre Methodik. Sie seien „keine so genannten Experten oder Manager, die mit Ideen von außen kommen“, sondern Menschen, „die vor Ort leben, mit den Leuten zusammenarbeiten und tagtäglich versuchen, einen Weg zu finden und ein System zu schmieden, ganz lokal“. Dabei sei „nicht alles prima. Aber der Ansatz ist hervorragend“. Die Papendiecks und die Malier hätten gemeinsam Fehler gemacht und gemeinsam Fehler korrigiert. „Sie gedeihen zusammen“. Der Ethnologe hält nichts von „Managern, die heute in Indonesien, morgen in Peru und übermorgen in Mali sind. Das ist etwas, was man absolut vermeiden muss“.

Die Bevölkerung vertraut den beiden Deutschen. Zu sehen war das während der Diskussion: Die Papendiecks dienten den Maliern als Dolmetscher. Bürgermeister Touré berichtete über Erfolge: Der Reisanbau in der Region sei weiterentwickelt und vervielfacht worden; die Erträge reichten nun fast für die Selbstversorgung. Ein Prozess der Demokratisierung sei im Gange, unter anderem, weil mit den Entwicklungsgeldern Rathäuser gebaut wurden, die es vorher nicht gegeben habe. Die Rolle der Frauen ändere sich. Früher sei ihr Leben auf den Haushalt beschränkt gewesen. Durch ein Frauenförderungsprogramm würden sie wirtschaftlich unabhängiger. 100 000 Kriegsflüchtlinge sind laut GTZ dank des Programms aus ihren Lagern in ihre Heimat zurückgekehrt.

Ein malischer Bewässerungstechniker berichtete, das große Hindernis zu einem ertragreicheren Reisanbau sei eine Motorpumpe für den Wassertransport. Die Bauern zahlten ein Drittel der Kosten selbst, zwei Drittel würden subventioniert. Die Bauern bauten den Reis auf ihrem eigenen Grund an, sie sparten und arbeiteten hart, entsprechend groß sei die Identifikation mit dem Projekt. Nach anfänglichen Schwierigkeiten gebe es nun eine lange Warteliste. Eine Bewegung sei in Gang gekommen.

Ein Damokles-Schwert hängt über Mali-Nord. Das Projekt ist auf 16,5 Jahre angelegt, 2009 droht das Ende. Jungbauer resümierte in einer „Botschaft von Würzburg nach Berlin“: Schon wegen der explodierenden Lebensmittelpreise lohne es sich, das Programm Mali-Nord weiter zu unterstützen.

Von unserem Redaktionsmitglied Wolfgang Jung
    
    

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