publiziert: 06.06.2010 17:42 Uhr
aktualisiert: 01.06.2011 11:31 Uhr
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Schrift vergrößern Text    Schrift verkleinern Text NÜRNBERG/NÜRBURG
Rock-Festivals bei strahlendem Sonnenschein

Überraschungen halten die Festivals «Rock am Ring» und «Rock im Park» immer noch bereit - auch in ihrem Jubiläumsjahr.

  • Rock im Park - Jan Delay Jan Delay sorgt für Stimmung.
  • Rock im Park - Slash Slash im luftigen Leibchen.
  • Rock im Park - Jay-Z Da geht's lang: Jay-Z in Nürnberg.
  • Rock am Ring - Muse Blaue Stunde mit Muse.
  • Rock im Park Es ist heiß in Nürnberg.
  • Rock am Ring - Motörhead Lemmy von Motörhead mag es gerne laut.
  • Rock am Ring - Gossip Beth Ditto tanzt über die Bühne.
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Mit Sonnenschein am Nürburgring und auf dem Nürnberger Zeppelinfeld hatten nicht alle der insgesamt rund 150 000 Besucher des Spektakels am Wochenende gerechnet. Zu oft hatten Regen, Kälte und Matsch den Festivals ihren Stempel aufgedrückt. Am Sonntag ging die Sommer-Doppel-Party zu Ende.

Nachdem es am Donnerstag in Nürnberg noch den ganzen Tag geregnet hatte, schaffte die Sonne beste Voraussetzungen für eine viertägige Riesen-Party in der Eifel und in Franken. DRK-Sprecher Thorsten Trütgen sagte: «25 Jahre "Rock am Ring" - das scheint auch Petrus gefreut zu haben.» Kiss, Rage Against The Machine, die Sportfreunde Stiller, Gossip und Jan Delay lieferten den Soundtrack dazu. Polizei-Sprecher Lars Brummer sprach bei «Rock am Ring» von einer «friedlichen Veranstaltung». Auch in Nürnberg blieb alles ruhig.

Der Sonnenschein erinnerte an die Hitze der ersten Veranstaltung 1985, als die Headliner noch Joe Cocker, Marius Müller-Westernhagen oder Gianna Nannini hießen. Mehr als 1300 Bands haben seither bei «Rock am Ring» gespielt. Seit 1995 bildet es mit «Rock im Park» Deutschlands größtes Doppelfestival.

Doch die Sonne brachte in diesem Jahr nicht nur gute Laune, sondern auch Sonnenstiche, Hitzschläge und Sonnenbrände mit sich. Die Rettungskräfte am Ring hatten schon am Sonntagmittag die Rekordmarke von mehr als 6800 Einsätzen erreicht. «Wir gehen dieses Jahr ganz klar auf die 8000 zu», sagte Trütgen. «Das haben wir noch nie gehabt - in 25 Jahren Geschichte.» Die Zahl der Menschen, die in Krankenhäuser mussten, sei mit rund 700 bis zum Sonntagmittag allerdings kaum höher als in den vergangenen Jahren gewesen. Außerdem dauerte das Festival in diesem Jahr auch einen Tag länger.

Beim deutlich kleineren Festival in Nürnberg waren die Retter nicht ganz so häufig gefordert. Bis Sonntagnachmittag waren sie 2300 mal im Einsatz. «Der zusätzliche Tag hat keine zusätzlichen Verletzten gebracht», sagte Walter Meyer vom Bayerischen Roten Kreuz (BRK). Sonnenbrände, Zecken, zu viel Alkohol und «Beziehungskisten mit psycho-sozialer Notfallnachsorge» hätten den Besuchern zu schaffen gemacht.

Viele versuchten, sich notdürftig vor der Sonne zu schützen: Leere Bierpaletten oder riesige Sombrero-Hüte auf dem Kopf und abgeschnittene Hosenbeine im Nacken waren das Resultat. Andere liefen wie aus Trotz bei glühender Hitze auf dem Asphalt der Eifel- Rennstrecke mit einem der Kunststoff-Regencapes herum, die beim Einlass verteilt worden waren.

Am Freitagabend begeisterte vor allem Ex-Guns-N'Roses-Gitarrist Slash das Publikum am Ring, am Samstag das im Park. Dazu trugen gerade auch die alten Stücke wie «Sweet Child O' Mine» und «Paradise City» bei. Eine Rückkehr zu Axl Rose werde es aber trotzdem nicht geben, betonte Slash im Interview mit der Nachrichtenagentur dpa. «Das wird einfach nicht passieren.»

Zu später Stunde animierten dann die Sportfreunde Stiller tausende Fans, ihren WM-Hit «'54, '74, '90, 2010» zu intonieren. Danach begeisterte Jan Delay das Nürnberger Publikum mit seinen Hits wie «Klar» oder «Feuer» - und das, obwohl der Alptraum eines jeden Musikers wahr wurde: Die Technik gab zeitweise ihren Geist auf und der Hamburger musste seine Fans mit Witzen bei Laune halten.

Die Musik steht bei dem Gemeinschaftserlebnis Festival aber ohnehin nicht immer im Vordergrund. «Hier lernst du Leute kennen. Nach dem letzten Konzert sind wir in der Nacht bestimmt fünfmal irgendwo hängen geblieben», sagte der 29-jährige Hamburger Johannes. Dafür war wohl Trinkfestigkeit nötig. «Wir haben bis 6 Uhr morgens gefeiert, sind um 11 Uhr aufgewacht und haben jetzt schon wieder drei Liter Bier getrunken», sagte Philipp aus Stuttgart am Nachmittag.

Ein paar Meter weiter ließ ein junger Mann vor dem Bierstand die Hosen herunter. Seine Begleiterinnen knipsten fleißig Beweisfotos vom Hinterteil. Auch sonst gab es viel nackte Haut zu sehen: Je höher die Sonne stand, desto mehr Männer machten ihren Oberkörper frei. «Ich bin nicht eure Mutter, aber bitte cremt euch ein und trinkt auch mal einen Liter Wasser», tönte es aus einem der Lautsprecher.

James Cook von der britischen Band Delphic, die in diesem Jahr erstmals beim Doppelfestival auftrat, sah die Sache im dpa-Interview so: «Die englischen Zuschauer sind Snobs. Bei einem Festival in England sitzen die Leute am Nachmittag auf dem Boden, kratzen sich am Kinn und überlegen, ob ihnen wohl gefällt, was sie sehen. Hier - in Deutschland - feiern sie einfach.»

Von Tobias Goerke und Britta Schultejans, dpa
    
    

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