publiziert: 08.03.2011 14:20 Uhr
aktualisiert: 08.03.2011 14:29 Uhr
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Wutbürger watscht die Parteien ab

Rosenmontagssitzung der KiKaG im Dekanatszentrum vor vollbesetzten Rängen

Die Rosenmontagssitzung der Kitzinger Karnevalsgesellschaft (KiKaG) bot alles, was den Erfolg einer Prunksitzung ausmacht: Bunte Kostüme und Masken eines gut aufgelegten Publikums, einfallsreiche Schau- und Gardetänze, mit Gags gespickte Büttenreden fränkischer Altmeister und eigener Nachwuchstalente. Sogar ein ökumenischer Pfarrertausch erwies sich als Volltreffer.

  • Gelungene Premiere: Nicole Starkmann schilderte in ihrer ersten Büttenrede das Leben als Frau eines Elferrats.
    Foto: Willi Paulus
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Kurzum, ein närrisches Spektakel der Extraklasse, das die Faschingsfreunde im katholischen Dekanatszentrum über sechs Stunden lang begeisterte.

KiKaG-Präsident Jürgen Hertel stieg in seinem Eröffnungs-Prolog gleich in brisante Kitzinger Themen ein. Zur Schließung des Falterturm-Museums: „Das Timing, das ist nicht zu toppen – zur Gartenschau den Turm zu stoppen“. Nach der Überschwemmung des Gartenschaugeländes würden demnächst die Gäste der Hotelschiffe staunend in den Main schauen: „Denn nirgends sonst im Erdengrund, gibt's Zwiebeln auf des Flusses Grund“. Das tägliche Stau-Chaos sei symptomatisch für die ganze Stadt, so Hertel „in der Stillstand Tradition ja hat. Bis die Schwierigkeit gelöst, ist mancher Stadtrat eingedöst“.

Dass er „nur Blödsinn im Kopf“ hat, bewies Omar Schraud. Als „Bauer Eugen“ erobert er seit Jahren mit schrägem Humor die KiKaG-Bühne und macht seine „Sau Ludwina“ hoffähig. Peter Kuhn von der Schwarzen Elf aus Schweinfurt kennt man in Kitzingen nicht erst seit der Fernsehsendung Fastnacht in Franken. Ihm gelang es meisterlich, als „Wutbürger“ die Parteien abzuwatschen. Der Applaus zeigte, dass er vielen „Faschings-Bürgern“ aus der Seele sprach.

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kumene funktioniert in Kitzingen nicht nur auf der Kanzel, nein auch auf der Narrenbühne. Weil der evangelische Stadtpfarrer Uwe Ahrens „Rücken“ hatte, schlüpfte sein katholischer Amtsbruder Pfarrer Manfred Bauer von St. Johannes in dessen Rolle, um sich beim „googeln in Kitzi-Leaks“ über Kitzingen zu kugeln. In den Jubel über den Anschluss der Nordtangente an die B 8 mischte sich die Befürchtung, dass der Stau nicht kleiner werde. „Ach ihr lieben armen Zwerge, die ihr wohnt am Eselsberge, in Zukunft müsst ihr früh aufstehen', wenn ihr wollt' zur Arbeit gehn.“ Einzig die Familie Fitschen habe es gut, sie könnten eine Rutsche in die Stadt rein bauen.

Die Aussage einer Stadträtin, dass ein Stadtrat immer nur das Wohl der Stadt im Auge habe, konterte der Pfarrer: „Den einen suche ich schon lange“. Den stelle er dann bei Kitzi-Leaks zum Anschauen rein. Gelächter und Beifall erntete Pfarrer Bauer bei der Schilderung der Kettensägenaktion an der Weihnachtstanne auf dem Markt und den abmontierten Abfallkörben. „Bald schaut's in Kitzi aus wie Sau – willkommen hier zur Gartenschau“.

Ihre Premiere als Büttenrednerin bestand die frühere Gärtnerkönigin Nicole Starkmann glänzend. Als habe sie nie etwas anderes gemacht, schilderte sie das seltsame Verhalten von Elferräten zur Faschingszeit vom 11.11. bis zum Aschermittwoch. Ihr KiKaG-Ehemann bekam einiges zu hören: „Fast jede Elferratsfrau es weiß, der taugt nur für eine Geiß“. Hauptmann Küppers (Rolf Herzel) entdeckte Oberbürgermeister Siegfried Müller im Publikum, der als Ölscheich verkleidet war. „Müller, komm doch aus dir heraus – und gib dem Saal ne Runde aus“.

Recht deftige Witze, bei denen man manchmal schlucken muss, riss Altmeister Wolfgang Düringer aus Gochsheim, bevor die KiKaG-Seniorengarde mit einem rassigen Schau- und Kostümtanz die Gäste auf die Gartenschau einstimmte. Das frischgebackene „Schlappmaul“ Michl Müller mischte dann vor dem Finale noch einmal kräftig den Saal auf. Das war gekonnt, wie der Kabarettist die neuesten politischen Entwicklungen gleich ins Programm einbaute.

Nachtrag: Eine kurzzeitige Unterbrechung gab es, als einer der Gast-Elferräte auf der Bühne einen Schwächeanfall erlitt. Nach ärztlicher Versorgung war er aber bald wieder auf den Beinen und konnte im Pausenraum die Sitzung weiterverfolgen.

Alle Akteure der Sitzung: KiKaG-Stramplers, Otmar Schraud, KiKaG-Bambinos, Peter Kuhn, KiKaG-Nachwuchsgarde, Pfarrer Manfred Bauer, Tanzmariechen Sina Thauer, Nicole Starkmann, KiKaG-Seniorengarde, Rolf Herzel, Garde Geißbock-Elfer Neustadt/Aisch, Wolfgang Düringer, Männerballett Geißbock-Elfer, Michl Müller.

Von unserem Mitarbeiter Willi Paulus
    
    

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