aktualisiert: 12.01.2009 12:05 Uhr
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WÜRZBURG
Internet – einfach unverzichtbar
Zwei Seniorinnen erzählen von ihren Erfahrungen mit der Datenautobahn
Liane Wilm und Eva Nitzsche sind über 80 und begeisterte Internetnutzerinnen. FORUM 55 hat nachgefragt, wie ihr Weg ins Web aussah und was sie an dem neuen Medium schätzen.
„Es war schlicht Neugierde“, antwortet Liane Wilm auf unsere Frage nach ihrem ersten Schnupperkontakt mit dem Web. Als die ehemalige Apothekerin vor über acht Jahren von der Eröffnung des Würzburger Internetcafés erfuhr, wollte sie sich „mal angucken“, wie das Surfen geht. Und merkte schnell: „Das kannst du auch.“ Also ist die gebürtige Berlinerin, die seit gut 50 Jahren Wahl-Würzburgerin ist, gleich geblieben, machte sich nach und nach mit den Geheimnissen der Datenautobahn vertraut und besucht das Café bis heute regelmäßig.
Ab 80 gratis surfen
Auch Eva Nitzsche gehört zu den langjährigen Stammgästen: Sie sei seit dem Umzug des Internetcafés ins St. Theklaheim dabei, erzählt die ehemalige MTA im Thorax- und Herzbereich. So viel Treue zahlt sich aus – buchstäblich. Da beide Seniorinnen Jahrgang 1926 sind, kommen sie seit zwei Jahren in den Genuss eines Bonus: Gäste ab 80 surfen im Würzburger Internetcafé nämlich kostenlos! Es gibt Vorzüge, die noch mehr zählen. „Wir haben hier schon viele nette Leute kennen gelernt,“ sagt Wilm und spendet ein besonderes Lob für die ehrenamtlichen Helfer des Cafés, in das Eva Nitzsche sofort einstimmt: „Alle sind sehr hilfsbereit und geduldig.“ Kein Wunder, dass beide weder auf ihre Nachmittage im Online-Treff noch auf das Web verzichten wollen.
Kommunikation spielt dabei eine Hauptrolle, erfahren wir. Vor allem wenn es um die Vorzüge der elektronischen Post geht, geraten die beiden fast ins Schwärmen. Zum einen, weil es ohnehin „eine große Erleichterung ist, Briefe am PC zu schreiben“, wie Liane Wilm betont. Dass beim Mailen zudem Gänge zu Briefkasten oder Post und das Porto entfallen, mache die Sache noch bequemer. Das positive Ergebnis: Man meldet sich öfter – und bekommt häufiger Post. „Immer wenn ich nachschaue, sind Mails da“, freut sich Eva Nitzsche. Zum Beispiel von einer Bekannten, die in München lebt: „ Wir schreiben eifrig hin und her.“ Auch das Tempo, mit dem die Botschaften durchs Netz flitzen, belebt die Kommunikation in Familie und Freundeskreis, sagt sie und weiß: „Große Distanzen – etwa zu Verwandten, die im fernen Ausland leben – lassen sich so viel schneller überbrücken.“ „Im Nu die aktuellsten Familienfotos zu erhalten, ist ebenfalls wunderbar“, ergänzt Liane Wilm. „Als eine Bekannte vor kurzem Oma geworden ist, hat sie mir sofort ein Bild vom Enkelchen geschickt.“
Es ist einfach praktisch
Was ihr sonst noch am neuen Medium gefällt? „Spiele finde ich interessant“, kommt die prompte Antwort. „Früher habe ich auch gechattet, aber davon bin ich inzwischen abgekommen.“ Dafür werden andere Internet-Möglichkeiten von beiden Surferinnen umso mehr ausgekostet. Eva Nitzsche, die noch gerne Auto fährt, nutzt das Web für Reiseplanung und -vorbereitungen. Unter anderem, weil man dort im Nu einen Überblick über Kulturangebote und -veranstaltungen quer durch die Republik hat.
Ebenso praktisch: Sich online über die Fahrpläne der öffentlichen Verkehrsmittel in Würzburg informieren oder Bücher aussuchen und bestellen – etwa im OPAC-Katalog der Stadtbücherei. Und macht ein bestimmtes Thema im Radio oder Fernsehen neugierig, lässt sich per „googeln“ sofort mehr Wissenswertes herausfinden.
Beide versichern daher unisono: „Man kommt heute ohne Internet kaum noch aus!“ Trotz intensiver Nutzung achten sie aber bewusst darauf, den Internetaktivitäten nicht zu viel Zeit zu widmen: Zwei bis drei Stunden mittwochs und manchmal auch noch donnerstags im Internetcafé seien in dieser Hinsicht ein idealer Maßstab. Dass diese vernünftige Dosierung nicht „ins Auge“ geht, leuchtet ein. „Der PC ist für die Augen nicht anstrengender als Lesen“, sagen die Seniorinnen.
Apropos lesen: Ein Ersatz für Gedrucktes ist das Internet für Liane Wilm und Eva Nitzsche bei aller Begeisterung nicht. Bücher sind ihnen nach wie vor gute Freunde – und auf die lokale Tageszeitung verzichten? Einfach unvorstellbar: „Ich brauche meine Zeitung zum Frühstück!“, sagt Wilm. Und auch Nitzsche liest morgens „als erstes“ ihre Zeitung.
Das Internetcafe im Caritas-Seniorenzentrum St. Thekla, Ludwigkai 12,97072 Würzburg, hat geöffnet: Di, 9-12 Uhr, Mi 14-17 Uhr, Do 9-12 Uhr. Tel. während der Öffnungszeiten: (09 31) 7 84 77 35.
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