publiziert: 02.03.2010 08:12 Uhr
aktualisiert: 02.03.2010 08:13 Uhr
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Harry Potter und Gedichte

Hörbücher erobern den Markt – Alt und Jung vom neuen Medium begeistert

(elo) Wem langes Lesen schwer fällt, muss nicht auf Literatur verzichten. Vorgelesene Bücher machen inzwischen zwei Prozent am Umsatz im Buchhandel aus. FORUM 55 sprach in der Stadtbücherei mit Volker König über den Erfolg.

Die Hörbuchabteilung ist in der ersten Etage untergebracht. Man findet Märchen, Beschauliches, Lyrik und Balladen, Krimis oder, alphabetisch nach Autoren geordnet, alte und neue Bestseller. Geschäftsleute suchen Unterhaltsames für lange Autofahrten, Mütter wollen kranke Kinder bei Laune halten und die ältere Dame freut sich über Neuerscheinungen ihres Lieblingsautors. Eine blaue Hörbox in der Ecke soll Anregungen für die Auswahl geben.

Der gesamte Hörbuchbestand ist auf etwa 4000 CDs angewachsen und die Benutzerquote steigt seit Jahren, erfahren wir von Volker König, der die Abteilung betreut. Am häufigsten werde zeitgenössische Belletristik ausgeliehen.

Ab Anfang der 90er Jahre wollte man Sehbehinderten und Kranken den Zugang zur Literatur erleichtern. Angeschafft wurden vor allem klassische Autoren. Inzwischen ist das Hörbuch aus seinem Nischendasein heraus. Auch die Zielgruppe hat sich gewandelt. Alt und Jung zählen heute gleichermaßen zu den treuen Benutzern. Ganz wichtig für den Erfolg eines Hörbuchs sei ein guter Vorleser. Gedichte trage in aller Regel der Verfasser selbst vor, erklärt der Experte. Wie bei einer Autorenlesung erfahre der Hörer schon durch die Betonung mehr über die Absicht des Autors, als wenn man selber lese. Längere literarische Werke interpretieren meist erfahrene Schauspieler. Sehr beliebt war Gert Westphal oder heute Rufus Beck. Kein leichter Job, meint König. Da die Benutzung der Hörstudios teuer sei, werde schon mal acht Stunden hintereinander gelesen.

Manche Texte werden für die Aufnahme gekürzt, viele auch in ganzer Länge gelesen, wie etwa die Bibel. Immer größere Speicherkapazitäten der CDs kommen diesem Trend entgegen. Statt wie noch vor ein paar Jahren 25 einzelne Harry Potter CDs in einem Karton zu horten, passen jetzt alle Erzählungen auf eine oder zwei. „Wir haben festgestellt, dass große Audiopakete besonders gefragt sind“, so König. Die Zukunft sieht er aber in der virtuellen Bücherei. Wer eine Jahreskarte der Stadtbücherei besitzt, könne sich schon heute Hörbuchtitel aus dem Bestand über Internet herunterladen. Das erspare den Gang in die Stadt. Für alle Älteren, die damit überfordert sind, ein Trost: Natürlich bleibt auch die ganz normale Bibliothek bestehen.

    
    

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