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Pünktlich zum Jahrestag des Mauerfalls fiel mir ein Buch mit dem Titel „Konsum-Marken“ in die Hände, der mir einen unterhaltsamen Rückblick auf Ostprodukte versprach. Und schon waren sie da – die Erinnerungen an längst verloren geglaubte Düfte.
Die Produkte allein und deren fehlende Vielfalt haben uns DDR-Bürgern oft genug gestunken. So wurde zum Beispiel die frisch gewaschene Frau am durchdringenden Geruch von „Yvette intim“ erkannt – allerdings zehn Meter gegen den Wind. Oder die der Fa nachempfundene Seife mit dem klangvollen Namen „Nautik“ – deren Versprechungen gerade mal bis zur ersten Handwäsche hielten. Andererseits weckte die erzwungene Gleichheit einen gesunden Witz und politischen Humor, nach dem Motto: ist die Lage auch bitter, schaffen wir es, aus der Not eine Tugend zu machen. So beim Kaffee – der roch zwar wie ein Guter, kostete wie ein Handverlesener, vertrieb keine Kopfschmerzen und war kein wirklicher Genuss; dennoch sorgte er für Humor. Kaffee–Mix ist zu verwenden, soll das Unkraut schnell verenden.
Die Pille ist nun abgeschafft, Kaffee-Mix hat gleiche Kraft. Noch feiner entwickelte sich der Humor in den 1980er Jahren, da musste schon oft zwischen den Zeilen gelesen werden. Ausreisewillige beispielsweise entwickelten einen kollektiven Gegencode, den jeder verstand: Lag in der Hutablage eines Trabis eine Stange Zigaretten der ostdeutschen Marke INKA, hieß das: Immer Noch Keine Ausreise. Das war dann das subversive Element des kleinen Mannes. Leider geht der politische Witz in der neuen gesamtdeutschen Gesellschaft immer mehr verloren. Comedians lösen das politische Kabarett ab. Dabei braucht man manchmal nur Namen auszutauschen, und der Witz lebt(e):
Auf dem Postamt reklamiert ein Kunde, dass die Honecker-Briefmarken nicht kleben. Sagt der Postbeamte: „Sie dürfen auch nicht vorn draufspucken“. Und noch einer: Ein Bürger geht nachts durch Berlin und schimpft laut vor sich hin: „Scheißstaat, Scheißregierung!“ Plötzlich taucht ein Polizist auf und verhaftet ihn. Der Mann verteidigt sich und sagt: „Ich habe ja nie gesagt, welchen Scheißstaat und welche Scheißregierung ich meine!“. Der Polizist denkt kurz nach und lässt ihn gehen. Doch zwei Minuten später wird er erneut verhaftet mit der Begründung: „Es gibt nur einen Scheißstaat und eine Scheißregierung!“
Claudia Scheiger Die Autorin stammt aus Dresden in Sachsen, war bis zur Wende Büroleiterin des Dresdner Oberbürgermeisters Wolfgang Berghofer. Seit 1990 lebt sie in Würzburg, arbeitet im Archiv dieser Zeitung.
Konsum-Marken Das Buch von Gerd Schwinger (Suhl) liefert einen Rückblick auf das Ostprodukt von A wie Alu-Besteck bis Z wie Zigaretten. Insgesamt 43 Produkte von drüben, dazu auf jeder Seite ein Ossiwitz. Erschienen 2005 in der Suhler Verlagsgesellschaft mbh & Co.KG, Schützenstraße 2, 98527 Suhl, ISBN 3-9810357-0-4