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Die Fahrt beginnt, wo Fuchs und Hase sich gute Nacht sagen. Kein Gleis bindet die Schienen der Mainschleifenbahn ans Verkehrsnetz an, „Inselbahn“ sagen die Fachleute dazu. Die Fahrgäste kommen durchs Grüne, auf einem ungepflasterten Weg, zum Bahnsteig – zum Bahn-steigle. Da warten zwei aneinander gekoppelte Schienenwagen, Baujahr 1959 und 1960, einer zieht das Gespann Richtung Volkach, der andere zieht es zurück. Eine Wendeschleife gibt es nicht.
Jetzt kennt auch Richard Loibl, der Direktor des Hauses der bayerischen Geschichte, die Mainschleifenbahn, er ist mitgefahren. Ins Programm der Landesausstellung hat sein Haus sie aufgenommen als rollendes Dokument des Wiederaufbaus. Als sie noch Teil des Schienennetzes war, transportierte sie, berichtete Zugführer Wolfgang Schramm von der Interessengemeinschaft Mainschleifenbahn, „Arme, Alte und Auszubildende“. Und Freunde des Frankenweins. Gewaltige Räusche sollen auf den gepolsterten Bänken den Weg nach Hause gesucht haben. 1968 war Schluss: Am 28. September fuhr der letzte Personenzug über die Strecke; der Bahnbus ersetzte ihn. Bis 2003, als die IG Mainschleifenbahn die Strecke wieder in Betrieb nahm, immer sonn- und feiertags.
Loibls Reise endete auf freiem Feld, vor der Brücke, die über den Main nach Volkach führt. An dieser Stelle hatte die Wehrmacht im April 1945 eine steinerne Brücke gesprengt. Im März 1949 war die neue Brücke fertiggebaut, ein stählernes Provisorium, an dem, berichtet Schramm, bis zu 600 Leute arbeiteten. Es sollte, so war der Plan, bald durch einen Neubau ersetzt werden. Wurde es aber nicht. Nur angehoben wurde es, 1959, um 1,69 Meter, damit die neuen, großen Frachtschiffe durchkamen.
Diese Brücke soll abgerissen werden, in etwa zwei Jahren. Loibl stand vor ihr, beschaute die Konstruktion, erfreute sich daran und trauerte. Bald, sagte er, gebe es mehr Bauwerke aus dem 17. und 18. Jahrhundert im Land als solche aus den 1950ern. Irgendwann in der Zukunft werde eine ganze Epoche der Baugeschichte fehlen.
Die Fahrt von Seligenstadt nach Volkach-Astheim kostet für Erwachsene vier Euro.