KREIS HASSBERGE

500 Buchseiten gegen das Vergessen

„Grenzerfahrung kompakt“ vorgestellt
  • Im Rathaussaal wurde das neue Buch „Grenzerfahrungen kompakt“ vorgestellt. Unser Bild zeigt von links: Landrat Thomas Habermann, die Autoren Hans-Jürgen Salier, Reinhold Albert, Bürgermeister Thomas Helbling und Bastian Salier.
    FOTO Hanns Friedrich
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(hf) Kreisheimatpfleger Reinhold Albert hat im Rathaussaal sein viertes Buch über die einstige deutsch-deutsche Teilung vorgestellt. Auf mehr als 500 Seiten wird darin die Grenzsituation der ehemaligen DDR ebenso aufgearbeitet, wie auch die Zeit nach der Grenzöffnung. Das Buch „Grenzerfahrungen kompakt“ berichtet über Flüchtlinge, die Entmachtung des SED-Regimes und die Verläufe und auszuräumenden Probleme im Zusammenhang mit den Grenzöffnungen zwischen Südthüringen und Franken.

Das Buch erklärt die Geschichte zwischen 1945 und 1990 an zahllosen Beispielen und ist reich bebildert. Das Werk, so Mitautor Hans-Jürgen Salier soll die DDR-Westgrenze als Geschichte eines Verbrechens dokumentieren. Von der Rhön über das Grabfeld bis in die Haßberge nehmen die beiden Autoren das Leben an und mit der Grenze von 1945 bis zur Grenzöffnung unter die Lupe.

„Leute, die man vor 20 Jahren davonjagte, sind wieder in Amt und Würden“

Autor Hans-Jürgen Salier über die aktuelle Situation

Bürgermeister Thomas Helbling freute sich angesichts der Buchvorstellung auch Landrat Thomas Habermann begrüßen zu dürfen. Sein Gruß galt auch den Autoren Reinhold Albert und Hans-Jürgen Salier sowie Verleger Bastian Salier. Das Buch komme angesichts des 20. Jahrestages der Grenzöffnung zum richtigen Zeitpunkt auf den Markt.

Der Vorsitzende des Vereins für Heimatgeschichte, Hanns Friedrich, erinnerte an die Vortragsreihen des Vereins in den vergangenen Monaten. Da passe dieses neue, sicherlich wieder mit spannenden Geschichten gespickte Buch gut dazu. Friedrich dankte den Autoren für ihr viertes Grenzbuch.

Autor Hans-Jürgen Salier gab einen Einblick in das Buch „Grenzerfahrungen kompakt“. Er ging auf das unmenschliche DDR-System ein und zeigte sich erschüttert, wie momentan mit der, wie er sagte „linken Hand“ alles abgetan würde. Salier bezeichnete es als ungeheuerlich, wie Leute, die man vor 20 Jahren davonjagte, teilweise wieder in Amt und Würden sind. Der Autor sprach folgerichtig auch nicht von einer Wende, sondern von einer „friedlichen Revolution“. Hans-Jürgen Salier: „Das Wort Wende stammt aus dem SED-Jargon.“ Zusammen mit Reinhold Albert habe er versucht, ein spannendes, mit vielen Informationen gespicktes und mit viel Fleißarbeit entstandenes Buch zu schreiben. Reinhold Albert sei schon von Kindesbeinen an auf Sichtweite mit der Grenze verbunden gewesen, erklärte Salier. Aus drei Büchern Grenzerfahrungen, sei nun eine Chronik entstanden, die von der Demarkationslinie Thüringen-Bayern-Hessen berichtet.

Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert ergänzte die Ausführungen seines Mitautors und erinnerte daran, dass er in Sternberg im Schatten der Grenze aufwuchs. „Die Grenze war mein halbes Leben.“ Schon von daher habe ihn das Thema und die Heimatgeschichte immer interessiert. Er selbst war allerdings nie in der einstigen DDR. Der Grund sei auch ein Stück Angst gewesen, weil er in Dürrnried eine Grenzinformationsstelle mit aufbaute und Führungen an der einstigen Grenze machte. Einmal soll er dabei, laut einem Zeitungsbericht, gesagt haben „Die DDR ist ein Staatsgefängnis Nummer eins“. Diese Bezeichnung hätte zwar zugetroffen, aber eine Fahrt in dieses „Staatsgefängnis“ sei ihm zu gefährlich gewesen. Albert warnte davor, die Geschehnisse zu DDR-Zeiten zu verharmlosen.

Landrat Habermann dankte dem Verein für Heimatgeschichte, weil er das Historische bewahre. Das Buch bezeichnete er als Kompaktwerk, das heutiger Oberflächlichkeit entgegenwirke. Der Landrat verwies darauf, dass es keinesfalls dazu kommen dürfe, dass das, was in 40 Jahren in der DDR geschehen sei, in Vergessenheit gerate. „Es war ein menschenverachtender und verbrecherischer Staat.“ Das Buch beinhalte die historische Wahrheit, die die Opfer nicht vergisst, aber auch die Täter in Erinnerung behält. Habermann würdigte die Anstrengungen der Menschen aus der ehemaligen DDR und der Bundesrepublik, gab aber auch zu bedenken, dass eine Bewältigung der Vergangenheit auch in den Köpfen vonstatten gehen müsse. Es sollte darauf geachtet werden, dass die „Alten aus dem SED-System“ nicht wieder Seilschaften bilden und sich in Gesellschaft und Politik einschleichen. Das alles hätten die Autoren in ihrem Buch hervorragend verarbeitet.

Bastian Salier als Verleger war sich sicher, dass hier ein wichtiges Buchverlegt wurde, ein Buch, das dem Vergessen entgegenwirke. Er erinnerte an die 20-Jahrfeier in Leipzig, als die großen Demonstrationen und Friedensgebete nachgestellt wurden. Da sei klar geworden, was die Menschen damals fühlten und welcher Mut dazu gehörte auf die Straßen zu gehen und die Öffnung der Grenztore zu erreichen. Die drei Vorgängerbücher sind ausverkauft, für den Verleger bleibt die Hoffnung, dass sich das neue Werk ebenso gut verkauft.

Das Buch ist für 29,90 Euro in den Buchhandlungen erhältlich und erscheint in der Schriftenreihe des Vereins für Heimatgeschichte..



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