Else Schneider aus Toronto erinnert sich an das Inferno am 16. März
Mit 20 Jahren habe ich mit meiner Mutter in der damaligen Hindenburg Str.31 gewohnt. Wir waren bei Voralarm schon in den öffentlichen Luftschutzkeller ins Justizgebaeude in der Otto Str. geflohen.
Mein Vater gab mir einen Kopfhörer um an der Leitung von Bunker "Letzer Hieb" den Bericht hören zu können und den Leuten Mitteilung zu machen. Ich vernahm die Nachricht 10 Minuten vor 21 Uhr: "Ein Verband schwerer Flugzeuge aus Süd-West fliegt in Richtung Nord-Ost."
Kurz darauf konnte man schon von Leuten hören, dass draußen "Christbäume" abgesteckt waren. Wir konnten dann kurz darauf ein Geprassel hören (was Stabbrandbomben waren) und in Sekunden waren die großen Detonationen zu vernehmen, was uns alle sehr viel Angst machte.
Von draußen kam dann Rauch in den Keller und wir wussten, dass das Gebäude brennt. Wir alle rannten um festzustellen, wo die Notausgänge sind- merkten aber, dass wir verschüttet waren von den herabfallenden Mauern. Mutter, die ihren Rosenkranz bei sich hatte, sagte zu mir: "Else wir müssen sterben, lass uns darauf vorbereiten. Wir setzten uns hin und beteten, als auf einmal jemand rief, ein Noitausgang werde frei gemacht.
Nach einigen Stunden waren wir alle heil aus dem Bunker herausgekommen. Draußen erwartete uns ein Inferno. Nein, es waren nicht nur Funken, sondern Flammen die der Feuersturm vor sich hertrieb. Mir wurden Haare und Augenbrauen abgesengt. Wir besprengten unsere Gesichter mit Mutters Weihwasser, damit wir keine weiteren Verbrennungen bekamen. Unterwegs zum Main halfen wir verwundeten Soldaten aus dem Universitätsgebäude mit uns zu kommen. Beim Wasser warteten wir alle den Morgen ab. (um Schiller zu zitieren: Aus den leeren Fensterhöhlen blickt das Grauen....)
Nach zwei Tagen wurden wir abtransportiert auf einem Lastwagen in Richtung Aub. Dort wurden wir zunächst in Bauernhäusern untergebracht. Man machte uns aber darauf aufmerksam, dass wir am nächsten Morgen um 7 Uhr das Haus verlassen müssen. Mutter und ich wurden von einer älteren Bäuerin aufgenommen, die sebst schon zwei Leuten Obdach gab - eine gute Frau.
Meine Eltern gingen zu Verwandten in die Rheinpfalz. Ich selbst ging Nähen und verdiente so Unterkunft und Verpflegung. Ich war zwei Jahre auf Wanderschaft und fand immer gute Leute, die mir Arbeit gaben. Vor dem Krieg hatte ich als Schneiderin gelernt, was mir sehr zugute kam.
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