

Am 16. März 1945, nach einem sonnigen warmen Tag, kam dann das große Unglück über unsere Stadt. In ca. 20 Min. fielen ca. 310.000 Stabbrandbomben und 389,3 Tonnen Sprengbomben mit Langzeitzünder auf Würzburg. Das Ausmaß der entstandenen Brände war unvorstellbar. Alles was jahrelang geübt wurde, war nun anders. Es gab von der Führung keine Befehlsübermittlung und jeder Führer war auf sich selbst angewiesen, das Bestmögliche zu erreichen. Die erste Aufgabe war, die Löschfahrzeuge aus den schon brennenden Unterstellräumen zu holen; sowie das Schlauchlager zu retten.
Ein weiterer Schwerpunkt war das Ablöschen einer großen, ehemaligen Militärfahrzeughalle aus Holz, um den oberen Ausgang des Schutzraums an der Tellsteige freizukämpfen, in dem ca. 3.000 Personen sicheren Unterschlupf gefunden hatten. In jahrelanger mühseliger Arbeit hatten Kriegsgefangene den Notausgang in den Felsen geschaffen, der nach der Verschüttung der unteren Ausgänge sich bewährt hat.
Zur Festung hinauf sah ich durch die Rauchschwaden den riesigen Feuerschein auf dem Marienberg. Die Brände am Schottenanger hatten sich ausgebreitet und jedes verfügbare Strahlrohr musste eingesetzt werden. Trotz der immer wieder krepierenden Zeitzünder und des immer stärker werdenden Feuersturms gab es keine Unterbrechung der Löscharbeiten. Plötzlich gaben die Hydranten kein Wasser mehr, die Hauptwasserleitung war getroffen, der Hochbehälter war leer.
In mühseliger Arbeit mussten lange Schlauchleitungen zu dem vorhandenen überirdischen Löschwasserbehälter gelegt werden. Der immer stärker werdende Feuerschein auf der Festung veranlasste mich gegen morgens 3 Uhr mit einem PKW zur Erkundung auf den Berg zu fahren. Entgegen anderer Meinung erklärte ich „ Die Nachwelt wird es uns nicht verzeihen, wenn wir das Wahrzeichen unserer Stadt niederbrennen lassen“.
„ Die Nachwelt wird es uns nicht verzeihen, wenn wir das Wahrzeichen unserer Stadt niederbrennen lassen.“ (Kaspar Bader)
Über Trümmer hinweg ging es zur Pferdeschwemme im Echterhof. Dort fand ich folgende Lage vor: Der Nordflügel der Echterbastei stand in Flammen, der Südflügel begann zu brennen. Der Hauptbrand war im inneren Schlosshof, rings um den Bergfried. In den riesigen Dachböden hatte das Feuer reichlich Nahrung gefunden. Die Bewohner der Festung hatten mit einer dort untergebrachten Saug- und Druckspritze aus der Pferdeschwemme die Brandbekämpfung aufgenommen. Frauen und Kinder lösten sich an den Pumpenarmen ab. Ich forderte sie auf, in Ihren Bemühungen nicht nachzulassen, und versprach ihnen so bald als möglich Hilfe zu bringen.


Dies war jedoch erst gegen 5 Uhr morgens möglich. Um diese Zeit traf eine Löschgruppe aus Zell mit einer Tragkraftspritze TS 8 (Leistung 800ltr./min.) ein. Diese wurde am Schottenanger eingesetzt, wodurch ein Löschfahrzeug LF 32 (Leistung 3.200ltr./min) frei wurde. Über die Höchbergerstraße und den oberen Burgweg ging es zur Festung an die Pferdeschwemme. Dort wurde das Großgerät zur Brandbekämpfung postiert. Mittlerweile traf eine Abteilung der Wehrmacht mit einer TS 8 ein, die dann die Brandbekämpfung des Brandes im Dachboden des Zeughauses übernahm und ein weiteres Übergreifen des Feuers verhinderte. Für die Löscharbeiten wurde Wasser aus der neben der Pferdeschwemme befindlichen Zisterne mit ca. 600m³ entnommen. Ein weiteres Rohr wurde dann im inneren Berghof am Südflügel eingesetzt. Dort war in den Kellern bis an die Decke gestapelt, das Archiv der Deutschen Studentenschaft untergebracht; das auch erhalten blieb. Weitere Löschangriffe richteten sich auf den Nordflügel, in dem hauptsächlich Wohnungen untergebracht waren, und in dem die Bewohner sich auch an den Löscharbeiten beteiligten.
Gegen Nachmittag ging das Löschwasser in der Zisterne zu Ende. Nach langen Bemühungen bei der Luftschutzleitung gelang es, ein Löschfahrzeug LF 32 zu bekommen. Das Fahrzeug wurde in der Burkarderstraße hinter dem Hochaltar der Burkarduskirche an einer behelfsmäßigen Saugstelle in Stellung gebracht.
Über eine festverlegte Rohrleitung, die neben dem Pfarrhaus in einem Gang zum Husarenkeller führte, gelang es dann gegen Mitternacht, die Wasserförderung aufzunehmen. Vom Husarenkeller wurde mit einer B-Leitung das Wasser in den inneren Burghof weitergeleitet.
Schließlich gab es keinen Kraftstoff mehr, um Löschwasser zu fördern
Besondere Schwierigkeiten bereitete die Nachrichtenübermittlung,da jede Sprechverbindung zerstört war und durch die starke Rauchentwicklung im Tal keine Zeichenverbindung möglich war. Von dem zwei Tage und eine Nacht ununterbrochen arbeitenden LF 32 wurde auch eine C-Leitung abgezweigt, um den gefährdeten Chor der Burkarduskirche zu schützen. Weiterhin wurde die angrenzende Jugendherberge vor dem sicheren Untergang gerettet. Leider musste die Löschwasserförderung auf die Festung wegen Kraftstoffmangels eingestellt werden. Am Tag darauf wurden auswärtige Löschkräfte, ohne Gerät und nur mit Kübelspritzen ausgerüstet, zugeteilt. Um den Einsatz zu ermöglichen, mussten die Bewohner das in den großen Gängen stehende Wasser mit Schaufeln und Eimern sowie Schüsseln zu den Löschkräften tragen.
Es wurden mir 300 Mann von der Wehrmacht mit Schaufeln zugeteilt, um den glühenden Brandschutt in den riesigen Dachböden des oberen Burghofes abzuschaufeln. Diese Hilfe wurde von der Wehrmacht wieder abgezogen. Auch die von der Wehrmacht zur Verfügung gestellte Tragkraftspritze wurde abgezogen. Es gelang mir nochmals 100 Mann von der Wehrmacht zu bekommen.
Wertvolle Gobelins und Figuren des Hochaltares wurden in Sicherheit gebracht
Am Abend des 18. März musste ich auf Befehl in das Quartier abrücken. In den Morgenstunden des 19.März kam eine Kraftstoffzuteilung und außer der seit Tagen tätigen Löschgruppe Krämer,(Büttnermeister) erreichte ein weiteres Einsatzgerät mit 4 der Gruppe Endres (Schreinermeister) die Festung. Durch das zusätzliche Gerät wurde die Fördermenge von Löschwasser wesentlich erhöht, da jetzt das Wasser vom Husarenkeller zum oberen Burghof gepumpt werden konnte. Auch konnten die Einsatzkräfte dem Brand im Marienturm Einhalt gebieten. Das Gebälk und die Zwischenböden dieses Turmes waren zum größten Teil verbrannt und nur mit Steckleitern war es möglich, die Brandherde abzulöschen und so das Jahrhunderte alte Wahrzeichen mit der Marienstatue zu retten. In der Nähe des Bibra Treppenhauses waren wertvolle Gobelins und Figuren des Hochaltares gelagert. Sie konnten gerettet werden. Am 22. März kamen etwa 100 Arbeiter mit Schaufeln, um Brandschutt zu räumen.
Spektakuläre Rettung aus dem Randersackerer Turm
Auf dem Randersackerer Turm war während des ganzen Krieges eine Turmbeobachtung der Luftschutzleitung untergebracht. Als Zugführer hatte ich die Aufgabe, den Beobachtungsposten zu kontrollieren. Über eine steinerne Treppe kam man im oberen Stockwerk zu einer langen Holztreppe und dann in den Beobachtungsraum. Von diesem hohen Punkt konnte man bis Mannheim beobachten und Meldung an die Luftschutzleitung weitergeben. Von beiden, im Wechsel tätigen Beobachtern war einer Bildschnitzer und arbeitete während des langen Nachtdienstes an Schnitzarbeiten. In der Nacht vom 16. März hatte er dienstfrei. Nach dem Angriff ging er auf die Festung um aus dem Turm sein Werkzeug und die zum Teil fertigen Christuskörper zu holen. Er konnte jedoch nicht alles auf einmal mitnehmen, so dass ein zweiter Aufstieg notwendig war. Beim 2. Aufstieg begann die Holztreppe zu brennen und machte ihm den Rückweg unmöglich. Es blieb nur eine Möglichkeit der Rettung. Mit einer Sicherheitsleine sich vom Turm zu retten oder sicher zu verbrennen.
Am Fensterstock befestigte er die Leine und ließ sich, wie Ihm bei der Feuerwehrausbildung gelernt wurde, aus der schwindelnden Höhe zum Innenhof, über den Riemenschneiderverlies ab. In der Angst, es könnte die Sicherheitsleine jeden Augenblick abbrennen. Zum Glück reichte die Leine gerade bis zum Erkervordach, von dem aus er sich dann ins Innere, unter Aufbietung der letzten Kraft in Sicherheit bringen konnte. Seine rechte Hand aber war durch das Bremsen am Seil bis auf die Knochen stark verletzt. Sein Leben aber hatte er gerettet.
In der Nacht zum 23.März geriet das Dachgebälk der Bibratreppe nochmals in Brand. Nur mit einem Außenangriff unter Einsatz von 5 Steckleitern gelang es, diesen Brand abzulöschen. Durch Befehl der Luftschutzleitung wurden in der Stadt zum 26. März alle auf der Festung eingesetzten Löschkräfte abgezogen, da die Kampffront in bedenklicher Nähe von Würzburg gerückt war. Beim Abzug der Löscheinheiten waren die größeren Brände gelöscht und wie es in der damaligen Sprache hieß – schwarz. Wenn doch noch im Südflügel des inneren Burghofes die Decken durchbrachen so lag es daran, dass auch die Schutträumung abgebrochen werden musste.
64 Jahre später...
Die Einsatzkräfte, die dauernd unter Fliegereinwirkung standen, hatten Übermenschliches geleistet. Trotz aller Schwierigkeiten und der mangelhaften Verpflegung hatten sie ausgehalten und 10 Tage und neun Nächte das Wahrzeichen Würzburgs der Nachwelt dauerhaft erhalten. Heute sind alle Brandschäden längst beseitigt. Die Besucher der Festungsanlage, des Mainfränkischen Museums und der Burggaststätte ahnen kaum, dass die Erhaltung dieser kunsthistorisch so wertvollen Bauwerke dem mutigen Einsatz weniger entschlossener Männer zu verdanken ist.