Würzburg

März 1945: Manfred Kolb flüchtete als Vierjähriger vor den Bomben

Als damals vier Jahre alter Knirps ist mein Erinnerungsvermögen nicht sonderlich gut und groß - aber ein paar Dinge aus dieser Nacht des 16. März 1945 und danach haben sich bei mir doch eingeprägt: Wir lebten im Keller, was mir eine Mittelohrentzündung aufgrund der Feuchtigkeit einbrachte. Spielzeug musste oben bleiben - so etwas vergisst man als Kind nicht.

Noch während des Angriffs verließen wir den Keller durch einen Mauerdurchbruch zwischen unserem und dem Nachbarhaus in der Eichendorffstraße in Würzburg.

Hier muss erwähnt werden, dass unser Haus, Ludwigkai 6, ein Eckhaus war. Was mir in Erinnerung blieb, dass das gegenüber liegende Haus, in dem meine Tante Magda wohnte, lichterloh brannte. Meine Mutter, flüchtete mit mir und Oma, zwei Koffern und einem Schließkorb wie viele andere auch auf die gegenüber liegende Mainseite.

Zu diesem Zeitpunkt donnerten dort zig Armeepferde durch die Menge, die irgendwo losgelassen, auch zum Wasser flüchteten. Als Kind kann ich mich noch gut an die Holzstecken mit roter Farbe erinnern - dies bedeutete Blindgänger. Man machte einen großen Bogen darum, denn in die Luft wollte keiner fliegen. In dieser Nacht schlief ich auf einer Tischtennisplatte in der Garage der Familie Geiger oben bei den drei Pappeln. Heute ist dort nicht weit entfernt der Waldfriedhof. Doch in diesem kleinen Gartengrundstück konnten wir nicht bleiben und so gingen wir nach Eibelstadt zu Bekannten, der Familie Hures. Diese Leute kannten wir recht gut. Meine Mutter holte dort immer zur Erntezeit Obst und ich durfte vorne auf dem Fahrrad mitfahren. Leider waren dort bereits viele Flüchtlinge und so beschloss meine Mutter, mit Oma und mir nach Gaukönigshofen zu gehen.Dort waren bereits die Eltern meiner Mutter und teils ihre Geschwister bis auf ihre Brüder, die genauso wie mein Vater im Krieg waren... So nannte man das damals.

An was ich mich sehr gut erinnern kann ist, dass meine Mutter zwischen Sommerhausen und Kleinochsenfurt ein paar Soldaten anhielt, da meine Oma nicht mehr laufen konnte und ich mit meiner Ohrenentzündung herumquengelte. Diese Soldaten luden uns auf die kleine Ladefläche. Plötzlich donnert ein Flugzeug ganz niedrig über uns hinweg. Wer das mitgemacht hat, vergisst es nie mehr. Der Flieger kam aber zurück und schoss kurz auf uns. Dass wir nicht getroffen wurden, verdanken wir laut Erzählung meiner Mutter und meiner Oma, dass der Fahrer die ganze Fuhre unter Obstbäumen in den Straßengraben fuhr. Alles purzelte herunter. Gott sei Dank, aus welchen Gründen auch immer, kam der Tiefflieger nicht wieder zurück. Eine Mühle nach Ochsenfurt in Richtung Tückelhausen ist mir gut im Gedächtnis geblieben. Heute ist dort ein Seniorenheim. Von einer Frau bekam ich nämlich dort einen Pudding und wir alle etwas Milch zu trinken. Als ausgehungertes Kind vergisst man so etwas nie.

Endlich in Gaukönigshofen, wurden wir dort von der Gemeindeverwaltung bei einem Herrn Maag, der krank und bettlägerig war, in einem kleinen Zimmer im Dachgeschoss untergebracht. (...)



| Kontakt | Über GESCHICHTE

www.mainpost.de