"An Abwechslung fehlte es nicht" (von Erich Baumeister)
Zwischen Bombenangriffen, Läusepulver und Kartoffelkeller: Der damalige Teenager Erich Baumeister erinnert sich an die Jahre 1944 und 45.
1944: (...) In der anderen Gebäudehälfte der Kreisbauernschaft (heute Museum) war ein Gefangenenlager mit Franzosen untergebracht. Ein Teil der Gefangenen arbeitete bei den Bauern mit im Betrieb. Ein anderer Teil war im Munitionslager beschäftigt. In der Freizeit klopfte ein französischer Soldat aus einer Lochmünze einen Fingerring. Wir Kinder schauten oft neugierig zu. Wir hatten ein gutes Verhältnis zu den Gefangenen. Das Lager roch immer nach Läusepulver.
Sonst war allerlei los im Ort. Einen Bombenangriff habe ich an einem Sonntagmorgen in der Sakristei in der Stadtpfarrkirche hinter dicken Mauern miterlebt. Durch das Fenster habe ich die Tiefflieger im Sturzfllug ganz niedrig über den Häusern gesehen. Zum Glück fielen die Bomben nicht in unserer Nähe. Der Schutzengel war auf unserer Seite.
Zu Viert, mit Schulkameraden gleichen Alters besuchten wir die kaufmännische Berufsschule in Bad Neustadt. Eines Tages hatten wir am Nachmittag schulfrei. Ein Personenzug fuhr nachmittags nicht. Also machten wir uns zu Fuß von Neustadt nach Mürscht auf den Weg. Plötzlich unterwegs überraschten uns feindliche Tiefflieger, die genau über uns zum Angriff auf einen Güterzug zur Bahnlinie wendeten. Zum Glück haben uns die Besatzungen der Flieger nicht gesehen. Wir lagen zum Teil im Straßengraben in der Hecke und in Ameisenhaufen. (...)
1945 zum Kriegsende hausten wir, die Mietsleute und Nachbarn bei uns im feuchten Kartoffelkeller auf Stroh und Decken, bis die Amerikaner mit Panzern udn zu Fuß die Stadt Münnerstadt eingenommen hatten.
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